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Thema des Tages Titanwurz lockt Hunderte Besucher
Thema Specials Thema des Tages Titanwurz lockt Hunderte Besucher
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14:10 11.03.2018
Der Titanwurz im Alten Botanischen Garten wird innerhalb der nächsten Tage seine Blüte öffnen. Seine Höhe am 22. Februar um 11.30 Uhr: 1,41 Meter. Im Hintergrund: Kustos Dr. Michael Schwedtfeger. Quelle: Christoph Mischke

Die Göttinger Titanwurz macht es weiter spannend: Täglich wächst sie um einige Zentimeter. Wann sich ihre Blüte öffnet und sie ihren Verwesungsgeruch verbreitet, steht noch immer nicht fest. Auch wenn sie noch nicht erblüht ist, viele Göttinger interessieren sich schon jetzt für die ungewöhnliche Pflanze. „Jeden Nachmittag kommen einige hundert Besucher hier vorbei”, sagt Michael Schwerdtfeger, Kustos des Alten Botanischen Gartens der Universität.

Am Donnerstag war die Amorphophallus titanum auf 1,41 Meter angewachsen. Vor etwa einer Woche sah sie noch aus wie ein ovales „Drachenei”, maß etwa einen halben Meter. Mittlerweile ist der Kolben, dessen Oberfläche sich wie ein Kunststoff-Autositz anfühlt, gut zu sehen, die Hüllenblätter liegen noch dicht an, die Blüte zeigt sich weiterhin geschlossen. „Wir wissen nicht, wann oder wie es losgeht”, so Schwerdtfeger.

Selfie mit der Titanwurz

„Es riecht ja noch gar nicht”, sagt eine Besucherin, die am Donnerstagmittag ins Gewächshaus an der Oberen Karspüle gekommen ist. Es geht Schlag auf Schlag, Senioren, Studenten, eine Gruppe aus der Kindertagesstätte der reformierten Gemeinde: Sie alle wollen schon jetzt die Titanwurz bestaunen. „Ich verfolge das Thema schon die ganze Woche lang”, sagt Besucherin Inge Brinkmann. Auch die Viktoriablüte und andere öffentliche Aktivitäten der Universität interessieren die ehemalige Lehrerin sehr. Sie nutzt die Gelegenheit, ein Selfie mit der Titanwurz zu machen. Und schon kommen die nächsten Interessierten. Gucken, schnuppern, staunen, Foto.

Drei Titanwurz sind in dem alten Gewächshaus zu sehen. Oder fast zu sehen, denn Pflanze Nummer eins steckt im Schlafmodus, ihre Knolle ruht unter der Erde in einem Kübel. Pflanze Nummer zwei ist als Titanwurz nur dann zu erkennen, wenn man weiß, dass ein Titanwurzblatt aussieht wie ein etwa drei Meter hoher tropischer Baum mit Zweigen und Blättern daran. Pflanze Nummer drei ist das Exemplar, das auch für Laien als Titanwurz zu erkennen ist.

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Der Titanwurz im Alten Botanischen Garten wird innerhalb der nächsten Tage seine Blüte öffnen.Seine Höhe am 22. Februar um 11.30 Uhr: 1,41 Meter.

Titanwurz aus Hessen geholt

„Vor zwei Jahren hat dieses Exemplar in Frankfurt bereits geblüht”, erklärt Leonard Georg, Student und Mitarbeiter im Botanischen Garten. Er hat gemeinsam mit seinem Vater die Titanwurze aus Hessen geholt. „In Frankfurt war der Kolben bis zur Blüte auf 1,80 Meter angewachsen”, so Georg. Eigentlich wachse er dann bei der nächsten Blüte tendenziell noch höher. Durch den Umzugsstress sei das aber fraglich. „Wir hoffen natürlich, dass er noch in die Höhe wächst”, sagt Schwerdtfeger. Es könnte sein, dass sich der Blütenstand bereits am Wochenende öffnet. „Es kann aber auch sein, dass er noch bis nächste Woche weiter wächst”, so Georg.

Wenn sich die Blüte öffnet, rechnen die Fachleute damit, dass sich, ähnlich wie bei der Viktoriablüte, hunderte von Besuchern im Alten Botanischen Garten einfinden. Viel Platz ist nicht in dem historischen Gebäude von 1856. Nur ein schmaler Weg führt an der Titanwurz vorbei. Schwerdtfeger rechnet damit, dass sich die Blüte gegen Abend öffnet. „Wir sind dann sicherlich bis mindestens Mitternacht hier”, sagt der Biologe. Schon seit einigen Tagen ist er täglich ab Mittags in und um das Gewächshaus unterwegs, beantwortet Fragen und hat ein ständiges Auge auf sein Schätzchen. „Amorphophallus ist übrigens gerade ziemlich hip”, sagt Schwerdtfeger. Als Trost für alle, die sie nicht im Botanischen Garten besichtigen können: Kleinere Versionen der Titanwurz gibt es als Saat oder Pflanze im Handel. Auch für diese und die heimischen Wildvariante des Aronstabes gilt, dass sich der Kolben auf etwa 30 Grad erwärmt, wenn sich die Blüte öffnet. „Er wird so warm wie eine Katze”, sagt Schwerdtfeger. Das geschieht, um den Aasgeruch besser zu verbreiten. „Zuhause im Wohnzimmer möchte ich sie nicht haben.”

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Upadate von Montag, 26.2.: Die 170 cm sind erreicht. Heute Abend werde das Riesengewächs aber noch nicht blühen, sagt der Experte voraus.

Titanwurz: 1878 entdeckt

Amorphophallus titanum (Titanenwurz oder Titanwurz) ist ein in tropischen Regenwäldern verbreitetes Aronstabgewächs. Nach Angaben des Frankfurter Palmengartens gibt es etwa 200 Arten. Größter Vertreter ist die Titanwurz. Alle Amorphophallus-Arten haben Knollen, aus denen entweder ein einziges Blatt oder ein Blütenstand austreibt. Das Fiederblatt hat meist einen kräftigen Stiel und ist baumförmig verzweigt, es wird bis zu vier Meter hoch. Der Blütenstand wird bis zu drei Meter hoch und ist die größte Blume im Pflanzenreich. Er ist von einem faltigen Hochblatt (Spatha) umgeben, der wie ein Faltenrock aussieht. Innen ist es rotbraun gefärbt. Im untersten Bereich des Kolbens befinden sich die Blüten, die obere, sterile Hälfte des Kolbens ist grünlich-gelb gefärbt und erinnert in seiner Gestalt an einen Phallus. Der Blütenstand hält sich nur einen Tag bis wenige Tage. Entdeckt wurde Amorphophallus titanum im Jahr 1878 von dem florentinischen Botaniker Odoardo Beccari (1843-1920). Die von ihm in den Botanischen Garten Florenz gebrachten Knollen gingen ein. Einige der mitgebrachten Samen keimten aber aus und wurden nach Kew Gardens abgegeben. Diese wuchsen dort zu kräftigen Pflanzen heran, und 1889 kam dort erstmals eine Titanenwurz außerhalb ihrer tropischen Heimat zur Blüte.

Nachwuchs aus dem Palmengarten

Die Göttinger Titanwurz ist ein Geschenk des Frankfurter Palmengartens. Dort hat man bereits seit vielen Jahren Erfahrungen mit der ungewöhnliche Pflanzen. „Bei uns blüht mindestens einmal im Jahr eine unserer Titanwurze, wir haben ja etwa 15 Exemplare”, sagt Sebastian Klimek, zuständig für Veranstaltungen und Kommunikation im Palmengarten. „Für uns ist das also nicht mehr so außergewöhnlich”, sagt er. Dennoch: „Wenn eine Titanwurz blüht, kommen natürlich noch immer mehr Besucher als sonst”, sagt er. Wie viele, das werde nicht gezählt. Klimek hat das Spektakel schon oft beobachtet. „Die Blüte muss sich nicht unbedingt erst am Abend öffnen, oft geschieht das auch schon am Nachmittag”, sagt er. Wenn es soweit ist, dann öffne sich die Blüte langsam. Dafür lösten sich die Blätter vom Kolben, dieser werde dann sicht- und riechbar. „Das dauert mehrere Stunden”, so Klimek.

Und: „So schlimm finde ich den Geruch allerdings gar nicht”, sagt er. Zumal nicht jede Titanwurz gleich stark stinke, es gebe sowohl welche mit einem sehr intensiven Geruch als auch welche, die moderater müffeln. Unterschiedlich, so Klimek, sei auch, wie lange die Blüte Bestand habe. „Oftmals steht sie auch am nächsten Tag noch”, sagt der Mitarbeiter des Magistrates der Stadt Frankfurt. „Eine Titanwurz-Blüte kann auch mal zwei, drei Tage offen stehen”, hat er beobachtet. Häufig wird allerdings beschrieben, dass nach einer Nacht alles vorbei ist, der Blütenstand am Morgen wieder zusammen sinkt. Im Palmengarten biete man in der Regel ein Führung am Abend an, am nächsten Tage sei dann wieder regulär geöffnet und die Pflanze könne meistens noch besichtigt werden. In der Regel blühen die Frankfurter Titanwurze im Sommer oder im Frühling.

Im Frankfurter Palmengarten sind die eigentlich tropischen Pflanzen bereits seit den 1990er-Jahren zu bestaunen. „Unser Nachzüchtungen gehen auf eine 1984 in Indonesien – auf Sumatra, in der Nähe von Padang – gesammelte Wildherkunft zurück”, so Klimek. Der damalige Direktor des Palmengartens, Gustav Schoser, habe sie über einen GTZ-Mitarbeiter organisiert. Prof. Hans Willy Kohlenbach vom Botanischen Institut der Uni Frankfurt, das sich damals noch in unmittelbarer Nachbarschaft des Palmengartens befand, habe es dann geschafft, kleine Blattstücke, so genannte Explantate, auf sterilem Nährmedium im Labor zu kultivieren. Diese Nachzüchtungen sind nun in vielen Botanischen Gärten Deutschlands zu sehen.

Geöffnet ist der Alte Botanische Garten in der Unteren Karspüle in Göttingen bis Ende Februar täglich von 8 bis 16 Uhr, ab März bis 18.30 Uhr. An den Blühtetagen der Titanwurz wollen die Betreuer des Gewächshauses die Öffnungszeiten flexibel verlängern.

Von Britta Bielefeld

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