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Thema des Tages 1300 Mitarbeiter hinter den Kulissen
Thema Specials Thema des Tages 1300 Mitarbeiter hinter den Kulissen
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19:05 12.09.2018
Letzte Arbeiten an der City Stage, der Bühne auf dem Albaniplatz. Quelle: CHH
Göttingen

Dienstagmorgen 10 Uhr auf dem Albaniplatz: Gabelstapler entladen einen der insgesamt 18 für diesen Tag erwarteten 40-Tonner. Im Hintergrund wächst das Stahlgerüst in den blauen Himmel, das später mal die City-Stage werden soll. Wenn die Männer mit Helm und Sonnenbrille alle Verbindungen verschraubt haben, ist die Bühne etwa acht Meter hoch und hat eine Spielfläche von zehn mal sechs Metern. Etwa noch mal die gleiche Fläche steht im hinteren Bereich zur Verfügung. Während vorn der eine Programmpunkt läuft, kann hinten der nächste vorbereitet werden.

Gegenüber trägt gerade eine Gruppe Männer Gummibäume und andere Deko-Elemente aus einem Transporter in die Stadthalle. Den Musikern soll es scheinbar ein wenig gemütlich gemacht werden. Die Stimmung ist zwei Tage vor Festivalbeginn noch völlig entspannt. Die meisten Mitarbeiter kennen das Festivalgelände schon seit Jahren. „Langsam kommt Routine auf“, sagt Paul Kunze. Der junge Mann mit dem sympathischen Lächeln ist der Projektleiter der vom NDR beauftragten Agentur Undercover aus Braunschweig. Und wie ein Großteil des Teams war er schon bei der Soundcheck-Premiere dabei. Er steht vor der Stadthalle und beobachtet die Arbeiten. Ab und zu spricht er über das Funkgerät, das an seiner Schulter befestigt ist, gibt Antworten, koordiniert.

Organisiertes Chaos

Noch ist kaum vorstellbar, dass hier in Kürze Konzerte und Liveübertragungen über die Bühne gehen sollen. Noch herrscht hier organisiertes Chaos. Große Kisten stehen herum mit armdicken Kabeln, mächtigen Schrauben oder diesen Rollen mit silbernem Klebeband, das auf den Bühnen dieser Welt so ziemlich alles zusammenhält. Es ist mittlerweile Mittag: Im vorderen Bereich entstehen gerade weiße Zelte für das Catering, an der Seite werden Gitterzäune aufgestellt. Neben der Stadthalle versorgen Elektriker das Aufenthaltszelte und die Kantine mit Strom. „Wenn alles fertig ist, haben wir mehrere Kilometer Kabel verlegt“, erzählen sie.

Straßen und Parkplätze gesperrt

Im Rahmen des NDR 2 Soundcheck Neue Musik Festivals sind seit Montag, 10., bis Montag, 17. September, 18 Uhr, der gesamte Albaniparkplatz und die Parkbuchten vor der Stadthalle gesperrt. Dies gilt sowohl für den Individualparkverkehr als auch für das Bewohnerparken, teilt die Stadt mit.

Zusätzlich können von Donnerstag, 13. September, 9 Uhr, bis Montag, 17. September, 18 Uhr die Parkflächen beidseitig des Albanikirchhofes bis zur Kreuzung Lange-Geismar-Straße/Obere Karspüle sowie die Parkflächen beidseitig an der Herzberger Landstraße in Höhe der Stadthalle nicht genutzt werden.

Im Rahmen der Veranstaltungen im Jungen Theater sind die Parkplätze beidseitig in der Hospitalstraße zwischen Einfahrt Wochenmarktplatz und Kurze Straße ebenfalls von Donnerstag, 13. September, 6 Uhr, bis Sonntag, 16. September, 18 Uhr gesperrt.

Die Straße Albanikirchhof sowie die Herzberger Landstraße im Bereich zwischen Friedländer Weg und Theaterplatz werden am Donnerstag, 13. September, 6 Uhr, bis Montag, 17. September, 18 Uhr nicht befahrbar sein. Das Bewohnerparken ist dort während der Sperrung ebenfalls nicht möglich.

Das Festival ist minutiös durchgeplant – vier Tage Aufbau, drei Tage Konzerte, ein Tag Abbau, erklärt Kunze. Am Mittwochabend müssen Albaniplatz, Stadthalle und Junges Theater bespielbar sein. Am Donnerstag wechselt ein Teil des Teams in das Deutsche Theater und am Sonnabend um 6 Uhr sollten die letzten Vorbereitungen in der Lokhalle abgeschlossen sein. Hier lauert eine der Herausforderungen des Projekts. Das Soundcheck-Festival löst eine große Messe in Göttingens größter Veranstaltungshalle ab. Ab- und Aufbau müssen nahezu parallel ablaufen.

Herausforderung Logistik

Spannend sei auch die Logistik beim großen Finale, wenn sich die Musikszene Deutschland hier die Klinke in die Hand gibt. „Wir haben sieben Minuten Umbaupause zwischen den Auftritten. Und das ist bisher noch nicht ein einziges Mal schief gegangen“, erklärt Kunze ein bisschen stolz und ergänzt grinsend, dass bei Bosse einmal die Musik etwas zu laut auf den Kopfhörern war – „aber das war schnell behoben“.

Dann ein Blick auf die Terrasse der Stadthalle, auch hier wurde bereits jeder freie Quadratmeter mit Zelten gepflastert. „So groß die Stadthalle auch sein mag, für uns ist sie mittlerweile zu klein.“ Aber was nicht passt, wird eben passend gemacht. Dann bekommt die Halle an diesem Wochenende eben einen mehrere hundert Quadratmeter großen Anbau. Leider ist dadurch der Fluchtweg verbaut. Auch kein Problem. Dafür wurde kurzerhand eine provisorische Treppe an die Stadthalle angesetzt.

1300 Menschen im Einsatz

Auch wenn sie an diesem sonnigen Tag am Albaniplatz vielleicht noch nicht sichtbar sind, insgesamt sind in Göttingen etwa 1300 Menschen in diesen Tagen hauptamtlich mit dem Thema NDR 2 Soundcheck befasst. Vom Sicherheitspersonal über den Bandbetreuer oder den Lichttechniker bis hin zum NDR 2-Moderator. Und für die muss gesorgt werden. „Einer der Kollegen ist zwei Monate lang nur mit Zimmerbuchungen beschäftigt. Wir haben mindestens zehn Hotels in Beschlag genommen.“

Und was passiert, wenn am Montag die letzten Lastwagen beladen wieder aus der Stadt fahren? „Dann planen wir für das nächste Jahr.“ Die Vorbereitungen hätten allerdings längst begonnen, gesteht Kunze. Da das Festival 2019 wegen der Bauarbeiten an den Schützenplatz verlegt wird, ist es für die Organisatoren zunächst einmal vorbei mit der Routine. „Jetzt, wo wir hier auf dem Albaniplatz endlich das richtige Setup gefunden haben, ziehen wir um“, scherzt Kunze. Bei ihm seien es ambivalente Gefühle. Einerseits hätte er gerne hier weitergemacht, anderseits sei er gespannt, was jetzt komme. Ziel sei, das Niveau der Vorjahre zu halten. Er macht eine kurze Pause und schiebt hinterher: „...oder vielleicht sogar besser zu werden.“

Mehr zum Programm des NDR 2 Soundcheck Neue Musik-Festivals lesen Sie hier.

Von Markus Scharf

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