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Thema des Tages Wahllokale der besonderen Art
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19:59 22.09.2017
Pastor Eric Janssen bereitet den Kirchraum der evangelisch-lutherischen Bethlehem-Gemeinde auf dem Holtenser Berg für die Wahl vor. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Eines der ungewöhnlichsten Wahllokale der Region ist das der Bösinghäuser Bürger. In Stietenroths Reiterstübchen können die Wahlhelfer den Ausblick ins Grüne und auf den Reitplatz genießen. „Hier kommt dann die Urne hin”, sagt Jost Stietenroth, Betreiber der Reitanlage mitten im Dorf, und zeigt auf einen Tisch in der Ecke des Raums. Erhöht über dem Reitplatz mit einem großen Panoramafenster und einem Kaminofen ausgestattet, bietet er nicht nur einen herrlichen Ausblick, sondern zudem eine gemütliche Atmosphäre. „Der Raum wird sonst als Reiter-Treffpunkt aber auch für Feiern oder für die Reitvereinstreffen genutzt“, erklärt Stietentoth.

Monika und Jost Stietenroth stellen ihr Reiterstübchen zur Verfügung. Quelle: Christina Hinzmann

„Das Wahllokal haben wir hier seit fünf, sechs Jahren”, erzählt er weiter. Der 74-jährige Spross einer Göttinger Bäckerfamilie betreibt den Reiterhof seit etwa 35 Jahren. Der gelernte Bäcker und Konditor ist schon als Kind geritten – „damals noch auf dem Kehr”. Auch seine Frau Monika ist begeisterte Reiterin – auch wenn ihr Andalusier derzeit leider lahmt. An der Wand des Reiterstübchen hängt eine Ahnentafel der Familie. Stietenroths Vater war als Bäcker, Innungs-Obermeister und Mitglied des Stadtrates im Göttingen der Nachkriegszeit bekannt. Ein Wahllokal in Stietenroths Stall stand damals allerdings noch nicht zur Debatte. Den alten Hof in Bösinghausen kauften die Stietenroths erst später. “Für unser eignes Pferd und für Pensionspferde”, sagt er. Bis zu 20 Tiere finden in seinen Boxen Platz.

Im Gasthaus Schwülmetal bauen Silke Fischer und Burkhard Reuleke die Wahlurnen auf. Quelle: Swen Pförtner

Bevor Hendrik Seebode von der Gemeinde Radolfshausen bei Stietenroth die Anfrage nach der Nutzung seines Stübchens als Wahllokal stellte und der Reitlehrer ja sagte, wählten die Bösinghäuser im Feuerwehrhaus. Seit die Freiwillige Feuerwehr des Ortes aufgelöst wurde, stand es nicht nicht mehr zur Verfügung. “Dort war es außerdem eng und kalt und es gab weit und breit keine Toiletten”, sagt Stietenroth. “Die Wahlhelfer mussten dafür durch den Ort nach Hause gehen. Noch früher, da habe es im Ort noch zwei Gaststätten gegeben, doch die Zeiten seien lange vorbei. “Die Helfer haben bei uns den ganzen Tag Programm und wir können hier auch den Ofen anheizen”, sagt Monika Stietenroth. Probleme, freiwillige Wahlhelfer zu finden, gebe es in Bösinghausen nicht. “Deshalb haben wir der Gemeinde zugesagt, den Reitertreff auch künftig als Wahllokal zur Verfügung zu stellen.”

Wahlzettel statt Kunst: Demokratie in der Galerie

Wo sonst Kunst und Kultur präsentiert werden, können die Bovender Altdorf-Bewohner am Sonntag ihre Stimme abgeben: nämlich in der Galerie am Thie. Im Erdgeschoss der Alten Schule haben die Bovender Kunstfreunde ihr Domizil. Bis Ende August war dort noch die Ausstellung “In Holz” zu sehen. Die nächste geplante Ausstellung wird wegen der Landtagswahl am 15. Oktober um eine Woche verschoben, so dass Hendrik Faures „Photogravüren” dort erst ab dem 22. Oktober dort ausgestellt werden. Zuvor habe wird dort am Sonntag, 24. September, Platz gemacht für die Bundestagswahl.

Kuchen an der Urne: Stimmabgabe im Gasthaus Schwülmetal

In einigen Dörfern gibt es sie noch: echte Gasthäuser und nicht nur Dorfgemeinschaftshäuser, die vielfach die Treffpunktfunktion übernommen haben. Das Gasthaus Schwülmetal in Lödingsen ist solch ein Ort.

Nach einer mehrjährigen Pause ist das Lokal am Sonntag auch wieder - wie schon in früheren Jahren - ein Wahllokal. Betreiberin Silke Fischer hat bereits am Freitag die erst Wahlurne in ihrem Gasthaus in Empfang genommen, ausgeliefert von Burkhard Reuleke von der Verwaltung des Flecken Adelebsen. Und wer seinen Wahlgang gleich mit einer sonntäglichen Kaffeepause verbinden will: „Ich biete wie immer am Sonntag von 14 bis 17 Uhr Kaffee und selbstgebackenen Kuchen an”, sagt Fischer. Auch in Rittmarshausen in Gleichen wird in einer Gaststätte gewählt: im Gartekrug.

Das Kreuz mit dem Kreuz: Wahl in der Kirche

Das wohl ungewöhnlichste Wahllokal besuchen am Sonntag Wähler vom Holtenser Berg in Göttingen: die Kirche der evangelisch-lutherischen Bethlehem-Gemeinde. „Dafür haben wir unseren Gottesdienst extra auf Sonnabendabend vorverlegt“, bestätigt Pastor Eric Janssen. Korrekt gesagt, ist es der Kirchraum im Gemeindehaus – eingerichtet mit Altar und Kreuz. Ein klassisches Kirchhaus gibt es auf dem Holtenser Berg nicht. Im Kirchraum finden außer den Gottesdiensten auch andere Veranstaltungen statt – von Theateraufführungen bis zu Kaffee-Runden. Er wird am Sonntag als Wahllokal eingerichtet, zwei weitere gibt es in den Nebenräumen. Im Gemeindehaus wählen die Berechtigten zum ersten Mal. Bisher mussten sie für ihre Stimmenabgabe in die Hagenberg-Grundschule gehen. „Das war für manche ein zu weiter Weg“, erklärt Erik Feßler, Leiter des städtischen Fachdienstes für Statistik und Wahlen.

Briefwahl im Vorfeld der Wahl. Quelle: Ulrich Schubert

Briefwahl

An diesem Sonntag (24. September 2017) wird der 19. Bundestag der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wer an diesem Tag nicht gehen will oder kann, konnte Briefwahl beantragen - seine Stimme also vorher vergeben. Die Stimmzettel mussten allerdings bis Freitag 18 Uhr bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung per Post eingehen oder dort in den Briefkasten gesteckt werden. Danach - also am Sonnabend und Sonntag - ist eine Briefwahl nur noch in begründeten Ausnahmefällen möglich: zum Beispiel wenn ein Wahlberechtigter so krank wird, dass er seine Stimmen nicht im Wahllokal abgeben kann. Dann können die Betroffenen jemanden beauftragen, Briefwahlunterlagen bei der Gemeinde abzuholen - im Idealfall mit dem entsprechend ausgefüllten Wahlschein, den sie erhalten haben. Die Boten müssen dort eine Vollmacht und ihren Personalausweis vorlegen. Das ist am Sonntag noch bis 15 Uhr möglich. Aber Achtung: Die Stimmzettel mit den Kreuzen des Erkrankten müssen bis 18 Uhr bei der Kreisverwaltung abgegeben oder in dort in den Briefkasten gesteckt werden - nicht bei der Gemeinde und nicht im Wahllokal. Einige Gemeindeverwaltungen bieten allerdings einen Botendienst an - Auskunft gibt es auf Nachfrage.

Auflagen

Wie muss ein Wahllokal eigentlich ausgestattet sein? Konkrete Vorgaben gibt es dazu nicht, sagt Erik Feßler, Leiter des Fachreferates Statistik und Wahlen im Göttinger Rathaus. Laut Bundeswahlordnung bestimmt die Gemeindebehörde für jeden Wahlbezirk einen Wahlraum. Soweit möglich, stellt sie dafür Räume in Gemeindegebäuden zur Verfügung. Diese sollen „nach den örtlichen Verhältnissen so ausgewählt und eingerichtet werden, dass allen Wahlberechtigten, insbesondere Menschen mit Behinderungen und anderen Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigung, die Teilnahme an der Wahl möglichst erleichtert wird“. Viel „sollen, aber wenig konkretes“, bestätigt Feßler. Die Gemeinde müsse also selbst einschätzen, ob ein Raum geeignet und gut erreichbar ist. Dabei gelinge es nicht immer, barrierefreie Räume zu finden. Das ist dann in auf der Wahlbenachrichtigungen vermerkt.

Die Vorgaben zur Ausstattung des Wahllokals sind laut Wahlordnung schon verbindlicher: Dort „richtet die Gemeindebehörde eine Wahlkabine oder mehrere Wahlkabinen mit Tischen ein, in denen der Wähler seinen Stimmzettel unbeobachtet kennzeichnen und falten kann“. Und: „In der Wahlkabine soll ein Schreibstift bereitliegen.“ Die erforderliche Anonymität stellen die Gemeinden auf unterschiedliche Weise sicher: Es gibt Sichtschutzwände aus Pappe auf Tischen, hohe Paravents, Kabinen mit Vorhängen oder Nebenräume, die nur durch den Wahlraum betreten werden können.

Von Britta Bielefeld und Ulrich Schubert

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