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Thema des Tages Was bringt das erste Göttinger Schulstättenentwicklungskonzept?
Thema Specials Thema des Tages Was bringt das erste Göttinger Schulstättenentwicklungskonzept?
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00:21 11.02.2018
Ein Ergebnis laut Schulstättenentwicklungkonzept: Die Lohbergschule braucht dringend mehr Räume und soll einen Anbau bekommen.  Quelle: Foto: Pförtner
Göttingen

 Das Schulstättenentwicklungskonzept der Stadt Göttingen ist vor allem eine To-Do-Liste für Rat und Verwaltung. Das Ziel: „die richtige Schule zur richtigen Zeit in der richtigen Größe am richtigen Standort“.

Akribisch haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit den 20 Grundschulen und zurzeit 15 weiterführenden Schulen in städtischer Trägerschaft unzählige Daten zusammengetragen - und Antworten. Die Basisfragen dabei: Wie viele Schüler besuchen die Göttinger jeweilige Schulen zurzeit und in den nächsten vier Jahren? Wie viele Klassenräume, Fachräume und Zusatzräume zum Beispiel für Ganztagsbetreuung benötigen die Schulen? Wie viele Räume stehen tatsächlich zur Verfügung – und erfüllen sie die Standards?

Die wichtigsten Zahlen

3910 Kinder besuchen zurzeit die Grundschulen der Stadt Göttingen (ohne Waldorfschule und Montessorischule) - knapp 4090 werden es im Jahr 2021 sein. 9160 Schüler besuchen zurzeit die weiterführenden Schulen (darunter die auslaufenden Haupt- und Realschulen) - gut 10 000 werden es 2021 sein. Einen deutlichen Sprung auf 9880 Schüler wird es 2020 durch das G9 geben.
 

Um diese Fragen zu beantworten, hat die Stadtverwaltung für das Schulstättenentwicklungskonzept (SchStEK) zunächst viele Daten gesammelt - bis hin zu Quadratmeterzahlen von Klassenräumen und dem Raumbedarf für Gruppenarbeit und Lehrerarbeitsplätze.

Aber das SStEK geht weit darüber hinaus: Auf den 160 Seiten werden die Daten auch analysiert und bewertet. Und die Schulverwaltung hat Ideen entwickelt, wie offensichtliche Probleme gelöst werden könnten: zum Beispiel durch Anbauten, verkleinerte Schulen oder Umzüge in ein anderes Gebäude. Zusätzlich listet sie auf, wie viel Geld das kosten würde.

Die wichtigste Bilanz aus dem SStEK:

An den 20 Grundschulen wird die Zahl der Schüler bis 2021 nur unwesentlich steigen. Es gibt aber Raumbedarf an einzelnen Schulen – vor allem für Ganztagsangebote.

An den weiterführenden Schulen hingegen wird die Schülerzahl bis 2021 deutlich steigen. Hintergrund sind weiter ausgebaute Ganztagsangebote, vor allem aber die Wiedereinführung der 13. Klasse an Gymnasien im sogenannten G9. Folge: An den Gymnasien müssen mindestens zwei neue Züge eingerichtet werden.

An den Gesamtschulen bleiben die Schülerzahlen unverändert, denn sie dürfen schlicht nicht mehr Schüler aufnehmen als bisher. Das verbietet eine Vereinbarung mit dem Landkreis Göttingen, die die drei städtischen Gesamtschulen und die IGS Bovenden vereint. Allerdings fehlen schon jetzt Räume für ihren Unterricht – vor allem an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG) und an der Neuen IGS, die weiter wachsen wird.

Entstanden ist das SStEK auf Initiative der Ratsfraktionen von SPD und Grünen nach einem Antrag im Herbst 2010. Titel: Schulstättenentwicklungskonzept und Sanierungsaufwand in Schulgebäuden. Daraus wird deutlich, dass es ausschließlich um die Schulgebäude und ihre Ausstattung geht. „Es ist kein Schulentwicklungskonzept“, betonte Schuldezernent Siegfried Lieske (Grüne) und fügte an: „Aber natürlich muss es darüber hinaus weitergehen und wir müssen auch schauen, wie wir unsere Schulen als solche weiterentwickeln.“

Inzwischen haben SPD und ­Grüne aber bereits nachgelegt und für die nächste Ratssitzung einen Zusatzantrag zum Konzept vorbereitet: Sie wollen, dass im SStEK stärker als bisher auch die erforderliche Raumausstattung für die jeweiligen Profile der Schulen berücksichtigt werden. Und es soll untersucht werden, wie unmittelbar benachbarte Schulstandorte gemeinsam weiterentwickelt werden können.

Über das vorliegende Gesamtkonzept soll der Schulausschuss nach einer ersten Präsentation im April erneut beraten. Später soll es der Rat beschließen. Bis dahin werden auch Akteure aus dem Schulumfeld gehört: alle Ortsräte in der Stadt, Stadtschülerrat und Stadtelternrat und die Schulleitungen. Dieser „Beteiligungsprozess“ hat bereits begonnen. Diese Seite zum Thema des Tages soll einen groben Einblick in das SStEK geben.

Erste Ideen: Welche Schule kann wohin umziehen?

Das SStEK gibt detailliert Auskunft, wo in absehbarer Zeit Klassen- und andere Räume übrig sind und fehlen. Daraus hat die Schulverwaltung als „Handlungsfelder“ konkrete Vorschläge abgeleitet, um absehbare Probleme zu lösen. Sie ergänzen sich oder sind alternativ zu sehen. Die wichtigsten in Kürze:

Handlungsfeld 1

(mehr Raum für das MPG)

Die Käthe-Kollwitz-Schule zieht noch in diesem Jahr in das Gebäude der Heinrich-Heine-Schule um.

Das Abendgymnasium zieht vom Albanikirchhof in das Haus der Käthe-Kollwitz-Schule und macht damit Platz...

...für das beengte Max-Planck-Gymnasium, das neben seinem ­Mini-Max die frei werdenden Räume am Albaniplatz nutzt.

Handlungsfeld 2

(mehr Raum für die Boni I)

Die beengte Bonifatiusgrundschule I zieht zum Schuljahr 2019/20 in das Gebäude der Käthe-Kollwitz-Schule oder der Martin-Luther-King Schule um – es sei denn, die Boni I bekommt einen Neubau.

Handlungsfeld 3

(mehr Raum für die GSG und die Brüder-Grimm-Schule) mit zwei Varianten

Variante 1

Die Godehardschule zieht mit ihren beiden Standorten in das Gebäude der Heinrich-Heine Schule.

Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG) nutzt die Räume der benachbarten GodehardschuleI.

Die Brüder-Grimm-Schule nutzt zusätzlich das Gebäude der Godehardschule II.

Variante 2

Die GSG richtet in der Heinrich-Heine-Schule eine Außenstelle ein.

Beschlossen und bereits im Etatplan der Stadt verankert ist ein separater Anbau für das Otto-Hahn-Gymnasium bis 2020 – und eine neue Mensa. Das OHG soll auch künftig einen sechsten Zug aufnehmen. Auch die Lohbergschule soll einen Anbau bekommen.

Das sagt der Stadtelternrat

Der Stadtelternrat hat nach einem ersten Blick des ­Vorstandes in das SStEK bereits Fragen und kritische Punkte ­festgehalten. Eine abschließende Bewertung soll nach weiteren Diskussionen folgen. Die bis­herigen Fragen und Mahnungen:

Schüler an den Schulen in freier Trägerschaft würden nicht berücksichtigt, aber auch sie gehörten zur Göttinger Schullandschaft. Vor allem aber entstehe ein schiefes Bild, weil alle Grundschüler, die ab Klasse Fünf an eine Schule in freier Trägerschaft wechseln, bei den weiterführenden Schulen der Stadt als „Phantomschüler“ weiter mitgezählt würden.

„Unzureichend abgebildet“ seien zudem Flüchtlingskinder. Unberücksichtigt bleibe, dass das Land die Förderschulen wahrscheinlich länger erhalten wird als bisher vorgesehen.

Darüber hinaus beklagen die Vorstandsmitglieder im Stadtelternrat, dass die Elternvertreter der einzelnen Schulen im Beteiligungsprozess nicht gehört werden. Ungeklärt sei nach wie vor, an welche Schule Schüler gehen sollen, die ein Gymnasium verlassen müssen, aber an den vollen Gesamtschulen nicht aufgenommen werden.

Generell beklagt der Stadtelternrat, dass es in Göttingen künftig nur noch Gymnasien und Gesamtschulen in kommunaler Trägerschaft geben wird. Das schränke die Wahlfreiheit der ­Eltern ein.

Wo fehlen Räume, wo gibt es Überhang?

Wesentlicher Baustein des SStEK ist eine Statistik über die vorhandenen Räume und über den künftigen Raumbedarf der Schulen. Zentrale Ergebnisse:

->An den 20 Grundschulen gibt es 310 Unterrichts- und Fachräume - 16 mehr als für den normalen Unterricht erforderlich. Schaut man aber auf den Raumbedarf für den wachsenden Ganztagsbereiche, fehlen unterm Strich 18 Räume. Das trifft besonders die Lohbergschule (acht Klassen zu wenig) sowie die Brüder-Grimm- (-5), Regenbogen- (-5) und Bonifatius-I-Schule (-4).

Darüber hinaus fehlen Mensen für die Lohbergschule und die Janusz-Korzcak-Schule (jeweils in Planung) sowie an der Albani-, Bonifatius- und Herman-Nohl-Schule.

-> an den Haupt- und Realschulen sowie Gesamtschulen und Gymnasien (einschließlich Abendgymnasium) gibt es ein sehr uneinheitliches Bild:

Unterm Strich (alle Schulen) stehen für den allgemeinen und den Fachunterricht zusammengerechnet zwar 593 Räume zur Verfügung - 575 werden summiert benötigt. Das sieht zunächst gut aus, differenziert betrachtet gibt es aber große Baustellen: Während 29 Fachräume künftig ungenutzt bleiben, fehlen 33 Räume für den allgemeinen Unterricht. Und die Verteilen sich auf Schulen, in denen eben keine Fachräume ungenutzt sind. Beispiel: Während am Otto-Hahn-Gymnasium 24 und an der Neuen IGS 16 klassische Unterrichtsräume fehlen, werden in der Heinrich-Heine- und der Käthe-Kollwitz-Schule 13 Klassenräume frei - weil sie auslaufen.

-> An den Förderschulen geht die Verwaltung von einer deutliche Überkapazität aus. Hintergrund: Im Zuge der Inklusion sollen Förderschulen mit Schwerpunkt lernen in Niedersachsen auslaufen. Das aber wird in der neuen Landesregierung zurzeit neu diskutiert.

Das gesamte Konzept

Schulstättenentwicklungskonzept Schulausschuss 30.11.17 (2,9 MB)

Von Ulrich Schubert

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