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Thema des Tages Unterschiede darf es nicht geben
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15:39 10.10.2018
Anwesha Maiti Quelle: r
Göttingen

Auf die schwierige Situation von Mädchen in vielen Ländern der Welt will der Welt-Mädchentag am Donnerstag, 11. Oktober, aufmerksam machen. Begleitende Kampagnen sollen Möglichkeiten zur Verbesserung zeigen. Gezielte Förderung durch Bildung, Bekämpfung der Zwangsehe, Gleichberechtigung in allen Lebenslagen sowie keine Toleranz für Gewalt lauten die Forderungen. In wieweit kommt der Welt-Mädchentag im Bewusstsein von Mädchen beziehungsweise jungen Frauen in der Region vor? Wir haben nachgefragt.

Anna-Lena Riedel. Quelle: Richter

Anna-Lena Riedel (18): Die Eichsfelderin hat bislang keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. Die talentierte Fußballerin, die inzwischen mit dem FF USV Jena in der 2. Bundesliga spielt und mit zum U-19-Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gehört, kann sich an keine Situation erinnern, in der sie sich zurückgesetzt fühlte. „Ich habe, bis ich 15 war, immer mit Jungs in einer Mannschaft gespielt. Als ich angefangen habe, da waren wir ja noch Kinder, da differenziert man, glaube ich, noch nicht.“ In ihrem Bekanntenkreis ist ihr allerdings schon die eine oder andere Situation bewusst. „Ich habe in der Schule schon Mädchen gehört, die gern getrennt Sportunterricht machen würden, weil sie sich Jungs gegenüber schlechter fühlen“, erzählt Riedel, die im kommenden Jahr ihr Abitur machen will.

Sie findet es extrem wichtig, dass keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gemacht werden. „Ich würde mir wünschen, dass die Erziehung schon so verläuft, dass sich keiner weniger wert fühlt.“

Anwesha Maiti (15): Die Gymnasiastin, die in Göttingen aufs Felix-Klein-Gymnasium geht, ist in Indien geboren, ehe sie mit ihren Eltern das Land verließ. Berufsbedingt kam die Familie nach Deutschland, lebte auch eine Zeit lang in England, ehe es wieder zurück nach Deutschland ging. Maiti wird am Welt-Mädchentag auf dem Göttinger Wochenmarkt bei der Plan-Aktionsgruppe mit von der Partie sein. „Ich möchte gern mithelfen, über Benachteiligungen von Mädchen aufmerksam zu machen. Beispielsweise über die Tatsache, dass Minderjährige verheiratet werden oder Mädchen keine Ausbildung machen dürfen“, erklärt Maiti, die selber gern einmal Naturwissenschaftlerin werden möchte.

Jana Beyer Quelle: r

Jana Beyer (17): Die Leichtathletin ist sehr interessiert an sozialen Projekten, engagiert sich mit ihrer Schulklasse für das Elternhaus für das krebskranke Kind. „Wir arbeiten mit denen beispielsweise beim Lichterlauf in Göttingen zusammen“, erzählt die 17-jährige Leichtathletin der LG Eichsfeld. Vom Welt-Mädchentag hat sie schon gehört, findet die Aktionen, die an diesem Tag veranstaltet werden, um auf Missstände aufmerksam zu machen, sehr gut. Sie selber hat sich noch nicht wirklich benachteiligt gefühlt, wenn dann nur eine ganz kurze Zeit. „Ich bin in einer Laufgruppe mit zwei Jungen. Anfänglich hat es ein paar Probleme gegeben, aber inzwischen nicht mehr“, sagt Beyer. Kein Wunder, denn inzwischen ist die Schülerin der 12. Klasse eines Wirtschaftsgymnasiums schneller als ihre Mitstreiter, wird voll und ganz akzeptiert.

Helena Wüstefeld Quelle: r

Helena Wüstefeld (13): Im Fernsehen hat die 13-Jährige schon „Mädchen gesehen, die in meinem Alter verheiratet werden.“ Schrecklich findet sie das, begrüßt dementsprechend die Aktionen zum Welt-Mädchentag. Als Mädchen benachteiligt fühlt sie sich in ihrer Umgebung nicht. „Höchstens mal beim Wählen im Sportunterricht in der Schule“, berichtet sie. Sie ist allerdings selbstbewusst genug, um sich entsprechend zu behaupten. Und auch in ihrer Freizeit, in der sie vor allem Leichtathletik betreibt, behauptet sie sich gegenüber den Jungen, die mit zum Team gehören, durch Leistung.

Welt-Mädchentag am 11. Oktober

Der Internationale Mädchentag ist ein von den Vereinten Nationen (UNO) initiierter Aktionstag. Jedes Jahr am 11. Oktober soll er einen Anlass geben, um auf die weltweit vorhandenen Benachteiligungen von Mädchen hinzuweisen.

Bereits 2003 entstand die Idee zu diesem Tag als Teil der Kampagne „Because I am a Girl“ des Vereins Plan International Deutschland. 2008 wurde der erste noch inoffizielle „Internationale Mädchentag“ ausgerufen, 2009 forderten die Landesorganisationen von Plan International die UNO auf, den Tag offiziell als weltweiten Aktionstag zu unterstützen. 2011 griff die UNO die Idee auf. Auch der Deutsche Bundestag stimmte am 21. September 2011 fraktionsübergreifend für die Einrichtung des Tages.

Seit 2012 hat der Mädchentag jedes Jahr ein offizielles Thema, beispielsweise Kinderheirat beenden, Neuerungen für die Ausbildung von Mädchen sowie den Kreis der Gewalt beenden. Darüber hinaus gibt es sogenannte Beleuchtungsaktionen am Abend des 11. Oktobers, um auf die Belange von Mädchen weltweit aufmerksam zu machen. Bekannte Gebäude und Objekte werden dann in der Farbe Pink angestrahlt. Mit dabei waren schon die Niagarafälle, die Pyramiden von Gizeh und auch das London Eye, aber auch der Berliner Funkturm, das Fridericianum in Kassel und das Lübecker Holstentor erstrahlten schon in Pink.

„Lebensfreude und Mut zur Offensive“ soll laut Plan-International das kräftige Pink vermitteln. Doch die Wahl der Farbe wurde auch Gegenstand von Kritik: Sie verstärke Stereotype und Geschlechtervorurteile von Mädchen, anstatt diese abzubauen.

Plan-Aktionsgruppe Göttingen will auf Benachteiligung von Mädchen aufmerksam machen

Mit einem Informationsstand will die Plan-Aktionsgruppe Göttingen am 11. Oktober, dem Weltmädchentag, auf die Benachteiligungen von Mädchen und mädchenspezifische Probleme in Asien, Lateinamerika und Afrika hinweisen. Dafür wird sie von 7 bis 12 Uhr auf dem Wochenmarkt vertreten sein.

„Alles steht und fällt mit der Bildung“ sagt Sigrid Witte, Mitbegründerin der Göttinger Aktionsgruppe. Andere schwerwiegende Probleme wie Gewalt gegen Mädchen, Zwangsverheiratungen und frühe Mutterschaft würden direkt durch mangelnde Bildung beeinflusst. „Viele der anderen Probleme wären nicht in dem Maß möglich“, glaubt Witte. Mädchen, die zur Schule gehen, könnten beispielsweise nicht so leicht zwangsverheiratet werden – unter anderem, weil Lehrer die Familie aufklären und die Schülerinnen unterstützen könnten. „Der erste Schritt ist, dass klar wird, dass das so nicht in Ordnung ist“, sagt die 68-Jährige.

Sigrid Witte. Quelle: Hinzmann

Nach Angaben von Plan International würden Kinder-, Früh- und Zwangsheiraten um fast zwei Drittel zurückgehen, hätten alle Mädchen Zugang zu Sekundarschulbildung. Eine weiterführende Schulbildung von jungen Müttern und bessere Aufklärung über Krankheiten könnte zudem jährlich drei Millionen Kindern unter fünf Jahren das Leben retten. Doch zurzeit stelle sich die Situation so dar, dass weltweit 130 Millionen Mädchen im Primar-, unteren und oberen Sekundarschulalter nicht zur Schule gingen, berichtet Plan in einer Bestandsaufnahme vom September 2018.

Einnahmen aus Patenschaften gehen an Gemeinden

Sigrid Witte engagiert sich seit achtzehn Jahren bei Plan International. Vor vier Jahren hat sie eine Patenschaft für einen neunjährigen Jungen aus Indonesien übernommen, davor hat sie zwölf Jahre einen Jungen aus Ecuador unterstützt. An Plan schätzt die ehemalige Lehrerin, dass über 80 Prozent der Einnahmen aus den Patenschaften den Projekten zugutekämen. Das Geld gebe Plan an bestimmte Gemeinden weiter, in denen die Kinder leben. Je nach Region werde damit etwas zur Verbesserung der Lebenssituation getan – zum Beispiel Brunnen, Schulen oder Gesundheitseinrichtungen gebaut.

Unter Wittes Mitstreiterinnen sind auch vier Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 22 Jahren vertreten, die am Felix-Klein-Gymnasium (FKG) das „International Baccalaureate Diploma Programme“ absolvieren. Mit der Informationsveranstaltung am Donnerstag möchte die Plan-Aktionsgruppe „ein Problembewusstsein schaffen“ und die Arbeit der Organisation bekannter machen.

Tanzen am Weltmädchentag

Der „Mädchenkreis der offenen Kinder- und Jugendarbeit beteiligt sich mit der Veranstaltung „Mädchen in Aktion“ ebenfalls am Weltmädchentag.

„Mädchen sollten nicht länger ihrer Chancen beraubt werden, nur weil sie Mädchen sind. Chancengleichheit bedeutet gleiche Rechte für Mädchen und Jungen, für einheimische und Flüchtlingskinder, für arme Kinder oder ethnische Minderheiten“, schreibt das Gleichstellungsbüro der Stadt Göttingen in seiner Ankündigung zum Weltmädchentag.

Um auf den Tag aufmerksam zu machen, hat der „Mädchenarbeitskreis“ deshalb am 11. Oktober von 12 bis 17 Uhr den Tag „Mädchen in Aktion“ organisiert. In den Räumen der Tanzschule Krebs, Leibnizstraße 1a, haben Mädchen zwischen acht und 14 Jahren die Möglichkeit, verschiedene Tanzstile wie Hip-Hop, Shuffle und Video-Clipdance auszuprobieren und gemeinsam Spaß zu haben. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Von Vicki Schwarze und Nora Garben

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