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Thema des Tages Wie Arbeitgeber aus der Region ihre Beschäftigten vor Hitze schützen
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17:05 25.07.2018
Abkühlung ersehnt – am Arbeitsplatz ist das manchmal allerdings nicht so einfach (Symbolbild). Quelle: dpa
Göttingen / Landkreis

Der Deutsche Wetterdienst rät Arbeitnehmern in Deutschland, die aktuellen Hitzewarnungen ernst zu nehmen. „Entspannen Sie sich, machen Sie langsam“, sagt Andreas Matzarakis, Medizin-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. „Wenn Ihr Arbeitgeber Gleitzeit erlaubt, fangen Sie vielleicht schon am frühen Morgen an und gehen mittags nach Hause, um weniger heiße Stunden im Büro zu verbringen“, sagt Matzarakis.

Dass dies nicht in allen Branchen möglich ist, liegt auf der Hand. Auf der Tageblatt-Facebookseite wurde gestern bereits angeregt darüber diskutiert, dass beispielsweise Arbeitnehmer in Pflegeberufen ja nicht einfach so früher gehen könnten, wenn es zu heiß wird.

„Einen Anspruch auf Hitzefrei haben Beschäftigte nur in den seltensten Fällen“, betont Hans Georg Meier, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Grundsätzlich dürfe der Arbeitgeber bestimmen, wann und wo Mitarbeiter im Einsatz sind. Dabei habe er allerdings die gesundheitlichen Interessen seiner Mitarbeiter zu berücksichtigen. Ist jemand zum Beispiel schwanger oder hat eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, könnte die Arbeit in sehr warmen Büros als unzumutbar gelten. In so einem Fall könne der Mitarbeiter unter Umständen „hitzefrei“ bekommen. In allen anderen Fällen müsse der Arbeitgeber dafür Sorge tragen, dass die Arbeitnehmer vor der Hitze bestmöglich geschützt sind, sagt Till Bender, Rechtsschutzsekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Bei Sartorius werde dies größtenteils durch die Möglichkeit der Gleitzeit in allen administrativen Bereichen sowie durch klimatisierte Räume in den meisten Büro- und Produktionsstätten gewährleistet, wie Sprecher Timo Lindemann mitteilt. Ottobock geht einen anderen Weg, wie Eberhard Eisele, Leiter des Standortservices, erklärt: „Vor vier Wochen haben wir eine neue Lüftungsanlage in Betrieb genommen, die durch Umwälzung der Zu- und Abluft für eine entsprechende Kühlung der Räume sorgt. Es geht hier um eine Reduzierung der Temperatur bei Spitzenlasten. Eine Voll-Klimatisierung kommt aus ökologischen Gründen für uns nicht in Betracht.“ Nachts und in den frühen Morgenstunden werde zudem ausgiebig gelüftet, wobei diese sogenannte „freie Nachtkühlung“ in ihrer Wirkung davon abhänge, wie weit die Temperaturen nachts tatsächlich sinken. Für alle Mitarbeiter stehe immer Mineralwasser zur Verfügung, so Eisele weiter. Die Kleiderordnung werde an heißen Tagen etwas lockerer gesehen, „aber natürlich nur, wenn keine Schutzkleidung notwendig ist.“

Die Stadt Göttingen setzt für ihre Beschäftigten ebenfalls auf Gleitzeit. Dadurch sei eine Regelung „von oben“ nicht erforderlich: „Die Bediensteten sind in der Arbeitszeitgestaltung relativ frei. Es ist lediglich darauf zu achten, dass Dienstbetrieb und Bürgerservices aufrechterhalten bleiben“, so Verwaltungssprecher Dominik Kimyon. Für Beschäftigte in Außenbereichen stelle die Stadt Sonnencreme zur Verfügung.

Arbeitszeit um ein oder zwei Stunden nach vorn verlegen

„Das sind schon ungewöhnliche Temperaturen“, findet Michael Zimbal, Geschäftsführer der Autohaus-Hermann-Gruppe, die unter anderem Häuser in Northeim und Göttingen unterhält. Mitarbeiter, die draußen arbeiten, könnten dort derzeit ihre Arbeitszeit ein oder zwei Stunden nach vorn verlegen. Für alle gebe es Getränke. „Sollten diese Temperaturen weiter anhalten, werden wir über weitere Maßnahmen nachdenken“, so Zimbal.

Bei der Werbeagentur Blaue Quelle in Göttingen können die Mitarbeiter flexibel auf das Wetter reagieren, wie Geschäftsführer Michael Thenner beschreibt: „Unsere Mitarbeiter teilen sich ihre Arbeitszeiten selbstständig ein. Homeoffice ist auch möglich, und daher können alle frei entscheiden, ob und wann sie im Büro sitzen wollen“, so Thenner. Rollos und Ventiltoren seien in den Büros vorhanden, außerdem zahle die Agentur für alle Mitarbeiter das Mittagessen, so dass Getränke und Erfrischungen ohnehin selbstverständlich seien. Thenner: „Auch ein Eis darf es ganzjährig sein, nicht nur bei Hitze.“

Von Markus Riese (mit RND/dpa)

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