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Thema des Tages Göttingen hat noch eine Chance – theoretisch
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21:35 28.09.2018
Universität Göttingen Luftbild Quelle: Meder
Göttingen

Nach dem Debakel der erste Blick nach vorn. Zwar hat Göttingen noch eine theoretische Chance, in sieben Jahren doch noch Exzellenz-Universität zu werden, doch die Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel empfiehlt jetzt einen anderen Weg: Schaffen und Schärfen eines eigenen Profils.

Viel Unterstützung erfahren

Freitag. Tag 1 nach dem überraschenden Cluster-Debakel. Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel zieht kurze Bilanz und wagt den ersten Ausblick. Von Professoren wie von Bürgern habe sie sehr viel Unterstützung erfahren, antwortet Beisiegel auf die Frage, welche Reaktionen sie auf die schlechte Exzellenz-Nachricht bekommen habe. „Viele sind traurig mit uns.“ Auch beim Treffen mit den an den Clustern beteiligten Wissenschaftlern, dem Senat und dem Präsidium am Freitagmorgen habe es keine Beerdigungsatmosphäre gegeben, vielmehr Aufbruchsstimmung.

Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Georg-August-Universität: Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen hat noch eine theoretische Chance – in einigen Jahren

Hat Göttingen doch noch eine Chance, Exzellenz-Uni zu werden? Tatsächlich gibt es eine Möglichkeit, doch die klingt in der Darstellung Beisiegels eher theoretisch. 2019 werden, nach Ende aller Wettbewerbsteile, elf Hochschulen als Exzellenz-Unis ausgezeichnet. Sieben Jahre später werden diese noch einmal auf den Prüfstand gestellt. Fällt eine Universität aus dieser Reihe, gäbe es eine Option zur erneuten Bewerbung, erklärt die Uni-Präsidentin. Dann ebenfalls wieder unter der Voraussetzung, dass zwei Cluster anerkannt werden. Das Verfahren sei aber nicht mit dem aktuellen vergleichbar.

Uni Göttingen soll ein neues Profil schaffen

Ulrike Beisiegel empfiehlt einen anderen Weg: Zwar solle die Universität Göttingen die Chance nicht aus den Augen verlieren, trotzdem noch Exzellenz-Uni zu werden, aber parallel ein anderes Profil aufbauen. Schwerpunkte sollten ihrer Meinung nach weiter die Forschungsstärke und eine gute Lehre sein. Die Georgia Augusta solle als eine sehr gute Universität mit international sichtbaren Forschungsschwerpunkten aufgestellt werden. Als Formel zusammengefasst: Forschung und forschungsorientierte Lehre. Man solle nicht nur auf die Exzellenz schielen. „Göttingen hat auch ein historisches Profil als Aufklärungs-Uni.“

Präsidium macht Bestandsaufnahme

Die nächsten Schritte sind nun vorgezeichnet: Am späten Freitagnachmittag sollte das Präsidium der Uni zusammentreten, um Bestandsaufnahme zu machen. Dabei geht es nach Angaben der Uni-Präsidentin auch darum, wie was ohne das zusätzliche Fördergeld aus der Clusterförderung finanziert werden kann. Außerdem erwartet sie in absehbarer Zeit die Berichte der Bewertungskommission, aus denen hervorgehen soll, woran drei der vier Clusterbewerbungen der Uni Göttingen gescheitert sind.

Den Autor erreichen sie unter:

E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @tooppermann

Facebook: christoph.oppermann

Das sagen die Göttingen Bundestagsabgeordneten

Die Exzellenz-Kommission hat sich gegen drei der vier Göttinger Cluster entschieden. Damit wird die Georgia Augusta keine Exzellenz-Uni. Welche Folgen hat diese Kommisionsentscheidung für die Universität? Welche Folgen hat sie für Stadt und Landkreis? Was müssten jetzt die nächsten Schritte der Universität und ihrer Präsidentin sein? Das wollten wir von den vier Göttinger Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann (SPD), Fritz Güntzler (CDU), Jürgen Trittin (Bündnis90/Grüne) und Konstantin Kuhle (FDP) wissen.

Thomas Oppermann Quelle: Susie Knoll

„Ein Exellenzcluster – wie schon 2012 – ist eindeutig zu wenig“, erklärt Thomas Oppermann (SPD). Und weiter: „Damit wird die enorme Forschungsqualität in Göttingen in keiner Weise angemessen abgebildet. Fünf Max-Planck-Institute, UMG, Universität, Deutsches Primatenzentrum und DLR sind eine Basis, die so nur wenige Standorte haben. Natürlich muss sorgfältig analysiert werden, warum wir so schlecht abgeschnitten haben. Aber das ändert nichts daran, dass Göttingen auf Jahre hinaus von wichtigen Fördertöpfen abgeschnitten ist und hart arbeiten muss, um überhaupt den Anschluss an die künftig exzellent geförderten Universitäten zu halten. Außerdem haben sich in Niedersachsen die Gewichte verschoben. Hannover und Braunschweig haben hervorragend abgeschnitten. Göttingen braucht jetzt eine ganz neue Strategie. Das Abschneiden ist niederschmetternd, aber die Welt geht nicht unter. Ein ,weiter so’ kann es jedenfalls nicht geben. Die Universität sollte sich die Zeit nehmen, das sorgfältig zu diskutieren.

Fritz Güntzler Quelle: R

Fritz Güntzler (CDU) bilanziert: „Die Entscheidung der Kommission ist natürlich ein Rückschlag für die Uni, für die Beschäftigten und die Studierenden. Daher müssen die Ergebnisse der Kommission sorgfältig analysiert werden, wenn sie dann vorliegen. Danach muss der Blick nach vorn gerichtet werden. Das Präsidium sollte die Entscheidung mittelfristig als Chance begreifen. Es gilt jetzt, weiter daran zu arbeiten, die Georg-August-Universität so weiterzuentwickeln, dass die nächste Exzellenz-Bewerbung erfolgreich sein kann. Denn auch für die Stadt und den Landkreis Göttingen wäre der Titel ,Exzellenz-Universität’ ein Aushängeschild, mit dem sich beide schmücken könnten.“

Jürgen Trittin Quelle: dpa-Zentralbild

„Die Nachricht ist ein Rückschlag für die Universität. Über Jahre wurde alles auf einen erfolgreichen Exzellenzstatus ausgerichtet“, fasst Jürgen Trittin (Bündnis90/Grüne) zusammen. „Dieses Bemühen der Universität und ihrer Präsidentin war vergebens. Die Nichtexzellenz ist für Stadt und Landkreis ein schwerer Schlag. Die Universität ist das wirtschaftliche Zentrum der Region. Sie wird es aber auch ohne den Status bleiben. Göttingen ist ein hochattraktiver Standort für wissensbasiertes Arbeiten. Die Präsidentin muss sich angesichts der gescheiterten Bewerbung fragen lassen, ob sie die Prioritäten richtig gesetzt hat. Nun muss die Universität auf eine neue Perspektive ausgerichtet werden.“

Konstantin Kuhle Quelle: dpa

Der FPD-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle fordert kreative Konzepte ein: „Ich freue mich sehr für das Team um Herrn Prof. Dr. Moser, Frau Prof. Dr. Steinem und Herrn Prof Dr. Cramer, die mit ihrem Antrag zum Exzellenzcluster ,Multiscale Bioimaging’ erfolgreich waren, und gratuliere ihnen von Herzen zur Förderzusage. Die Universitätsstadt Göttingen wird ihr Profil in den Life Sciences in den kommenden Jahren damit weiter schärfen können. Die übrigen Entscheidungen der Kommission sind ein schwerer Schlag für die Universität Göttingen und für Stadt und Landkreis. Es ist absolut verständlich, dass alle Beteiligten angesichts des Ergebnisses frustriert sind – allen beteiligten Wissenschaftlern aber auch der Universitätsleitung um Frau Prof. Dr. Beisiegel gelten mein größter Respekt und meine Anerkennung für ihren hohen Einsatz in der bisherigen Wettbewerbsphase. Dass die anderen drei Bewerbungen nicht berücksichtigt wurden und die Universität Göttingen in der nächsten Runde leer ausgeht, ist aber kein Urteil für alle Ewigkeit. Mit Blick auf kommende Förderperioden müssen nun im Dialog zwischen allen Akteuren die Grundlagen für zukünftige Anträge erarbeitet werden. In der Zwischenzeit bedarf es kreativer Konzepte. So muss etwa das Welcome Centre unterstützt werden.“

Weitere Statements

Landrat Bernhard Reuter (SPD) Quelle: Riese

Landrat Bernhard Reuter (SPD)

„Kein Zweifel: Die Entscheidung ist ein schwerer und bitterer Rückschlag für die Universität, aber auch für die Stadt, den Landkreis, für ganz Südniedersachsen. Sie passt nicht in die Strategie des Aufbruchs, die wir Kommunen mit der Landesregierung, der Wirtschaft und der Wissenschaft vereinbart haben. Trotz aller Enttäuschung vor allem bei der Universität, die kraftvoll gekämpft hat: Ich rate, den Blick nach vorn zu richten. Unsere Universität hat einen ausgezeichneten Ruf, ist für Forschende, Lehrende und Studierende hochattraktiv. Sie wird neue Ziele entwickeln und neue Herausforderungen suchen.“

Rolf-Georg Köhler Quelle: R

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD)

„Ich bedaure, dass die immense Vorarbeit leider nicht ausgereicht hat, um das Ziel ’Exzellenzuniversität’ zu erreichen und bedanke mich bei allen, die an der Bewerbung mitgearbeitet haben. Allein der Vorbereitungsprozess hat viel bewegt, Universität, Stadt und Region haben stärker zueinandergefunden. Diesen positiven Effekt, der auch dem Engagement von Präsidentin Beisiegel zu verdanken ist, gilt es jetzt weiter zu stärken“, Oberbürgermeister Köhler. „Der Exzellenzstatus hätte uns in Stadt und Region noch schneller vorangebracht. Er ändert allerdings nichts daran, dass Göttingen eine attraktive Universität hat und eine spannende Stadt zum Leben ist. Die Universität muss nun nutzen, was sie in der Exzellenzstrategie erreicht hat und das Beste aus dem unerwarteten Ergebnis machen.“

Thomas Ehbrecht (CDU) Quelle: r

Landtagsabgeordneter Thomas Ehbrecht (CDU)

Bedauerlich sei es, dass es die Universität Göttingen leider nicht in die zweite Runde der Bewerbung um den Status der „Exzellenzuniversität“ geschafft hat, sagt Thomas Ehbrecht, CDU-Landtagsabgeordneter. „Nachdem ich bei diversen Besuchen an der Universität und bei der Präsidentin einige Einblicke erhalten durfte, wie detailliert und innovativ die Bewerbung aus Göttingen war, bin ich überzeugt, dass auch diese die Aufnahme in die zweite Runde um den Exzellenzstatus erneut verdient gehabt hätte. Es ist überaus schade, dass die Bewerbungskommission sich schlussendlich nicht für Göttingen ausgesprochen hat.“

Stefan Wenzel (Grüne) Quelle: Swen Pförtner

Landtagsabgeordneter Stefan Wenzel (Grüne)

„Das Ergebnis ist für die Universität Göttingen sehr bitter. Die Chance zur Einwerbung weiterer Finanzmittel für universitäre Spitzenforschung und internationale Vernetzung der Universität ist bei diesem Durchgang leider verbaut. Gerade auch dem Projekt zur Erforschung nachhaltiger Landnutzung hätte ich Erfolg gewünscht. Jetzt muss die Entscheidung der Kommission und der Wissenschaftsminister genau analysiert werden. Das Land muss prüfen, ob erarbeitete Forschungsansätze auf anderen Wegen realisiert werden können. Ein herzlicher Glückwunsch geht an die erfolgreichen Forscher.“

Hans-Georg Näder Quelle: Swen Pförtner

Hans-Georg Näder

„Ich bedaure, dass die Uni Göttingen fast leer ausgegangen ist, und bin sicher, dass sie die richtigen Schlüsse daraus zieht. Jetzt erst recht! Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um Göttingen als Wissenschaftsstandort noch attraktiver zu machen.“

Heyo Kroemer Quelle: Christina Hinzmann

Heyo Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen

Wie ist aus Ihrer Sicht das Scheitern in der Exzellenzinitiative zu erklären?

Mit der Ausnahme des Bildgebungs-Clusters mit dem Sprecher Tobias Moser haben die Göttinger Anträge die internationalen Gutachter nicht überzeugt. Die genauen Gründe dafür werden sicher von der DFG kommuniziert und müssen in die zukünftige Arbeit in den betroffenen Bereichen einfließen.

Wie sieht Ihr Ausblick für die weitere Entwicklung der Uni aus?

Die Aktivitäten der letzten Jahre waren an der Universität sehr stark an der Exzellenzstrategie ausgerichtet. Insoweit ist das Scheitern in diesem Wettbewerb aus meiner Sicht eine Zäsur und sollte Anlass sein, über das weitere Vorgehen im Sinne der zukünftigen Positionierung der Universität ohne Exzellenzstatus intensiv nachzudenken. Eine selbstkritische Analyse des Scheiterns von drei Clustern ist angebracht. Der Standort Göttingen hat sehr viele kluge Kolleginnen und Kollegen, die dazu beitragen können. Die Universitätsmedizin Göttingen wird ihren bisherigen Weg der Kombination infrastruktureller Erneuerung (insbesondere Neubau) und strategischer Ausrichtung in Forschung, Lehre und Krankenversorgung konsequent weiter gehen.

Joachim Kreuzburg Quelle: CH

Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender Sartorius AG

„Ein bitteres Ergebnis, insbesondere für alle, die mit viel Herzblut an den Anträgen gearbeitet haben. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir derzeit mit unserer Universität nicht zur Spitze Deutschlands gehören. Auch wenn uns das Ergebnis nicht gefällt: wir sollten es ernst nehmen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.“

Von Christoph Oppermann

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