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Adelebserin Tatjana Grundmann mit Karate-Schwarzgurt

Unter Uns Adelebserin Tatjana Grundmann mit Karate-Schwarzgurt

Unter uns leben viele interessante Menschen: Bereits mit 17 Jahren hat die Adelebserin Tatjana Grundmann ihren Schwarzgurt erworben. Beim Wettkampf erkennen ihre Freunde sie kaum wieder.

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Auf der Matte eine aggressive Kämpferin: Tajana Grundmann in ihrem Zimmer.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Es ist eine zierliche und eher zurückhaltende Frau, die einem gegenübersitzt: Mit 54 Kilo Gewicht und 1,60 Meter Körpergröße wirkt Tatjana Grundmann auf den ersten Blick nicht gerade wie eine Kampfsportlerin.

Doch im Karate-Wettkampf zeigt die 19-jährige Adelebserin ein anderes Gesicht. Aggressiv geht die Schwarzgurt-Trägerin in die Auseinandersetzung mit ihren Gegnerinnen – mit viel Erfolg. Unter anderem hat sie schon mehrere Landesmeisterschaften in ihrer Klasse errungen.

Vor allem aber hat sie ihren Schwarzgurt schon mit 17 Jahren erworben – das ist ungewöhnlich, denn üblicherweise wird dieser erst ab 18 Jahren vergeben. Doch dabei will die ehrgeizige und konsequente Sportlerin nicht stehen bleiben. Schon mit Anfang 20 will sie den nächsten Gürtel, den 2. Dan erwerben.

Denn ab dem Schwarzgurt, dem 1. Dan, fängt Karate eigentlich erst an, ist Grundmann klar. Dann beginnen die technischen Feinheiten für die höheren Dan-Grade. Die höchsten Grade werden dann nicht mehr aufgrund der Kampfkraft, sondern aufgrund von geistiger Reife vergeben.

„Das hätte ich nie gedacht“

Mit sieben Jahren hat Grundmann mit dem Sport angefangen. Was sie von vielen Gleichaltrigen unterschied, war die Konsequenz, mit der sie bei der Sache blieb. Andere entdeckten andere Sportarten oder hörten auf, weil andere Dinge, etwa die Ausbildung, wichtiger wurden. Grundmann aber fühlte sich wohl beim Karate und blieb auch dabei, als es Tiefpunkte gab und die Lust fehlte. Anfangs halfen auch ihre Eltern über tote Punkte hinweg, heute motiviert sie sich selbst.

Vor allem aber betont Grundmann, die als Einzelkind aufgewachsen ist, welche Rolle Karate für ihre persönliche Entwicklung gespielt habe. Der Sport habe ihr Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen gebracht, das sie vorher so nicht gehabt habe. Sie habe gelernt, Niederlagen wegzustecken und sich nicht nur auf der Matte durchzukämpfen. Das habe sie auch in ihrer schulischen Laufbahn nach vorn gebracht. Nach ihrem Realschulabschluss macht sie mittlerweile eine Lehre als Orthopädiemechanikerin.

Der Anteil der Frauen und Mädchen im Deutschen Karateverband ist mit etwa einem Drittel eher ausbaufähig. Und in Filmen ist Kampfsport fast ausschließlich harten Männern wie Chuck Norris, Jackie Chan, Wesley Snipes oder Jean-Claude van Damme vorbehalten. Das ficht Grundmann aber wenig an.

„Das hätte ich nie von dir gedacht“

Sie schaut schon gerne Action-Filme. Wenn die Kampfsport-Filme aber nicht an der Realität orientiert seien, schalte sie ab. Sie selbst erfahre in ihrem privaten Umfeld Respekt für die Ausübung des Kampfsports. Wenn gleichaltrige Bekannte erstmals erführen, dass sie intensiv Karate betreibe, wichen sie erst einmal ein Stück zurück, berichtet Grundmann.

Und wenn Freunde sie erstmals beim Wettkampf sähen, seien diese meist überrascht von ihrer Härte. „Das hätte ich nie von dir gedacht“, sei dann eine Reaktion. Auch ihr Freund, den sie nicht beim Karate kennen gelernt hat, sei anfangs erschrocken, wie verändert sie beim Wettkampf agiere. Aber mittlerweile akzeptiere und respektiere er das.

Entsprechend selbstsicher ist die 19-jährige mittlerweile. Klar könne sie auch einen 90-Kilo-Mann auf den Boden schicken, antwortet sie auf die entsprechende Frage. In ihrem Karateverein engagiert sie sich als Kindertrainerin. Als Ausgleichssport betreibt sie Wasserski, und auch das Lieblingstier der zierlichen Frau, die das Dan-Diplom an der Wand und zwei Stofftiere auf dem Bett liegen hat ist, ungewöhnlich.

Elefant als Lieblingstier

Grundmann schwärmt für Elefanten. Diese seien zwar groß und schwerfällig, hätten aber zugleich auch etwas Niedliches und Liebevolles an sich. Die Tiere, die ein gutes Gedächtnis hätten, sieht sie auch als Glücksbringer. Vielleicht hat es ja geholfen – ernsthaft verletzt hat sie sich jedenfalls nie.

Das japanische Wort Karate bedeutet auf Deutsch „leere Hand“ und zeigt an, dass man sich bei dem Kampfsport ohne Waffe verteidigt. Mit der „Leere“ ist auch ein ethischer Anspruch verbunden, nämlich der, sich frei von negativen Gedanken und Gefühlen zu machen. So steht beim Karate nicht allein der Sport im Mittelpunkt, sondern auch die Entfaltung der eigenen Person und die Selbstbeherrschung.

Im Training und Wettkampf werden Fuß- und Fauststöße kurz vor dem Auftreffen abgestoppt. Bestimmte Techniken dürfen im Wettkampf gar nicht ausgeführt werden, ansonsten erfolgt eine Disqualifikation. Karate ist keine olympische Sportart. Verfechter der traditionellen Karatekunst sind von dem Wettkampfgedanken wenig angetan. Der Deutsche Karateverband hingegen veranstaltet beispielsweise die German Open.

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