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Als „Blitzbriefträger“ auf dem Immenhof

Frank Scheidemann Als „Blitzbriefträger“ auf dem Immenhof

Unter uns leben viele interessante Menschen. Eine davon ist der Göttinger Frank Scheidemann. Der 43-Jährige sammelt Plakate zu den Immenhof-Filmen der fünfziger Jahre, erkundet die ehemaligen Drehorte in der Holsteinischen Schweiz und tritt bei Führungen als „Blitzbriefträger“ auf.

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Schaut heute noch regelmäßig die Immenhof-Filme: Frank Scheidemann vor Plakaten in seiner Wohnung.

Quelle: Heller

Göttingen. In den 1970er-Jahren ist es ein besonderes Erlebnis für Frank Scheidemann: Als Fünf- oder Sechsjähriger sieht er erstmals einen „Immenhof“-Film im Fernsehen, bei seinen Großeltern in Dransfeld. Der Film gefällt ihm sehr, und er schaut an den beiden folgenden Sonntagen auch die nächsten beiden Teile der bekannten Filmtrilogie aus den 50er-Jahren.

„Mit viel Eifer“ habe er dann auf die nächste Wiederholung der Filme gewartet. Im Gegensatz zu den Großeltern hätten seine Eltern die Filme nicht so gemocht, sagt der aus Dransfeld stammende Scheidemann.

Er mochte die Filme, und als Erwachsener hat er sich nun zu einem Fan und Sammler entwickelt. Begonnen mit dem Sammeln hat Scheidemann allerdings erst 2011. Da hatte er eine schwierige Zeit hinter sich, in der seine Scheidung und damit verbunden der Verkauf des von ihm mitgeleiteten Märchenwald-Betriebs im thüringischen Hainrode fiel.

Als er danach als Schulassistent am Theodor-Heuss-Gymnasium in Göttingen arbeitete, fing er an zu sammeln. Erstmals hatte er auch die Möglichkeit, an die Drehschauplätze in Schleswig-Holstein zu fahren. Vorher war dies schlecht möglich, denn der Märchenwald hatte die gleiche Saisonzeit wie das Immenhof-Museum in Malente. In der Nähe des Ortes steht das Gut Rothensande, wie der Immenhof in Wirklichkeit heißt.

Scheidemann nahm an einer Führung über den Immenhof mit Kenner Harald Düsterhoff teil. Einige Wochen später war Scheidemann bei der nächsten Führung, er freundete sich mit Düsterhoff an und erzählte irgendwann bei den Führung selbst etwas. Schließlich bekam er einen eigenen Auftritt bei der Führung: als „Blitzbriefträger“.

Die Figur kommt als Nebenrolle in einem der Immenhof-Filme vor. Zu Anfang der Führung kommt Scheidemann dabei mit dem Fahrrad angeradelt, ruft „Eilbrief für Fräulein Dick“, klingelt an der Tür und stößt dann zur Gruppe.

Ungefähr zehnmal hat Scheidemann die Rolle bisher gespielt. Die Uniform dafür hat er selbst gemacht, die Mütze bei Ebay ersteigert. Unter dem Namen „Blitzbriefträger“ ist Scheidemann auch im Internet im Immenhof-Forum aktiv.

Vor einem erneuten Besitzerwechsel 2012 habe das Gut leergestanden, berichtet Scheidemann. In dieser Zeit habe er dort sogar auch zweimal übernachtet. Mit Screenshots aus dem Film sucht er zudem die Drehschauplätze von damals auf und fotografiert sie im heutigen Zustand – möglichst von dort, wo die Kamera stand. Manchmal trifft er auf Zeitzeugen, mit denen er plaudert.

Doch Scheidemann fährt nicht nur zu den Schauplätzen der Immenhof-Filme, er holt auch ein bisschen Immenhof in seine Wohnung in Göttingen. Dort hängen Kinoplakate an den Wänden, zu seiner Sammlung zählen auch alte Programmhefte, Werbung sowie Filmmusik auf Vinyl und Schellack. Filmplakate hat Scheidemann auch in fremden Sprachen, so auf Französisch oder Spanisch.

Diese Plakate seien etwas günstiger zu erwerben, so Scheidemann. Dafür kann sich natürlich auch mal ein Fehler einschleichen, der einem Fan wie Scheidemann natürlich sofort auffällt. So heißt auf dem spanischen Filmplakat zu „Hochzeit auf Immenhof“ („Boda en Immenhof“) der Regisseur Wolker statt Volker von Collande. Daneben besitzt Scheidemann natürlich auch Bücher, DVDs und Videos zu den Filmen sowie verschiedene Ausgaben von Ursula Bruns’ Roman „Dick und Dalli und die Ponys“.

In den 70er-Jahren folgten noch zwei späte Immenhof-Filme, die jedoch in der Gunst vieler Immenhof-Fans nicht so hoch stehen wie die Ursprungs-Trilogie. Auch Scheidemann bezeichnet die Filme als „Stiefkinder“. Die ersten drei Filme schaut er dagegen noch immer regelmäßig. Das hat Tradition: Wenn nicht viel los war im Märchenwald,  sagt er, habe er auf dem Laptop einen Immenhof-Film geguckt.

Boda und Muchachas: In Scheidemanns Plakat-Sammlung zu den Immenhof-Filmen finden sich auch Exemplare aus dem Ausland. EF
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