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Göttinger erlebt Militärputsch in Honduras

Unter Uns Göttinger erlebt Militärputsch in Honduras

Unter uns leben viele interessante Menschen. Einer von ihnen ist Herbert Dohlen. Der Göttinger war von April bis September in Honduras – wegen des dortigen Militärputsches knapp drei Monate länger als ursprünglich geplant. Seine Aufgabe dort: die Betreuung deutscher Jugendlicher des Projekts „weltwärts“.

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Im Büro in Göttingen: Herbert Dohlen bearbeitet die Filmsequenzen aus dem zentralamerikanischen Land.

Quelle: Hinzmann

Auslandserfahrung sammelte Herbert Dohlen schon kurz nach seinem Studium der Forstwirtschaft. Für den Deutschen Entwicklungsdienst war er ab 1993 in Chile und in der Dominikanischen Republik – zusammen fast zehn Jahre bei mehreren Aufenthalten. Nach und nach baute er seine Vorliebe für die Fotografie und das Filmen zum Beruf aus. In Chile belegte der heute 51-Jährige ein Zusatzstudium für audiovisuelle Kommunikation. Seit etwa 2000/2001 beschäftigt sich der Göttinger „intensiv mit der filmischen Dokumentation ökologischer und sozialer Themen“. Dies und das Nutzen des Mediums Film in der beruflichen Bildung junger Menschen führten Dohlen für das Projekt „weltwärts“ nach Honduras.

Ursprünglich sollte der Aufenthalt Dohlens in dem zentralamerikanischen Land drei Monate dauern. Doch dann gab es in Honduras einen Staatsstreich: Am 28. Juni stürzte das Militär den amtierenden Präsidenten Zelaya, setzte ihn fest und brachte ihn außer Landes. „Die Lage war sehr angespannt“, berichtet der Göttinger. Deshalb blieb er länger, holte die elf Jugendlichen, die sich im Rahmen des „weltwärts“-Projektes in Honduras aufhielten, aus allen Landesteilen in die Hauptstadt Tegucigalpa.

Dies sei notwendig gewesen, weil nicht klar war, wie sich die Lage nach dem Militärputsch entwickeln würde. So seien die Flughäfen gesperrt gewesen. „Es gab eine sehr heiße Phase, in der wir nicht wussten, wie es weitergeht,“ schildert der Göttinger die Situation: „Es gab Straßensperren und eine starke Militärpräsenz.“ Außerdem habe abends eine Ausgangssperre geherrscht. Die Eltern von zwei der Jugendlichen seien nervös geworden, weshalb Dohlen und die Projektmitarbeiter sie auf dem Landweg außer Landes schafften.
Die anderen blieben in Honduras und hielten sich an einige Vorsichtsmaßnahmen, berichtet der Filmer und zählt auf: „nachts nicht über Land fahren oder alleine in den Städten auf die Straße gehen“. Außerdem sei es für Ausländer ratsam gewesen, die politische Lage nicht zu kommentieren und „sich nicht zu interessiert zu geben, um nicht schlafende Hunde zu wecken“. Überhaupt sei es kaum möglich gewesen, objektive Informationen über die Lage zu bekommen. Die Medien in Honduras – „zu 99 Prozent in Händen der Elite des Landes“ – hätten „geballt falsche Informationen“ herausgegeben, denen die arme Bevölkerung „tendenziell Glauben schenkte“.

„Ein Dilemma“, wie auch die deutschen Jugendlichen erfahren hätten. Denn sie „waren hautnah an der wahren Mentalität der Bevölkerung dran“, schildert Dohlen. „Sie waren mit den Familien und deren gesellschaftlichem Umfeld verwachsen“, ergänzt er. Die meisten seien froh gewesen, als sich die Lage entspannt hatte und sie zurück zu ihren Einsatzorten konnten.

Reichtum und Armut

Dohlen nennt seine eigenen nachdrücklichsten Eindrücke aus Honduras: den Reichtum an Naturressourcen, die beeindruckende Kultur und die Vielfältigkeit der indigenen Gruppen etwa. Aber auch die ausgeprägte Armut von 80 Prozent der Bevölkerung: „Das ist ein Bild, dem man nicht ausweichen kann“, sagt der Göttinger. Dohlen hat gerade erst die letzten Filmsequenzen fertiggestellt, und schon denkt er darüber nach, nächstes Jahr wieder nach Honduras zu gehen – vielleicht aber auch wieder nach Chile.

Präsident Zelaya ist inzwischen heimlich nach Honduras zurückgekehrt und hält sich in der brasilianischen Botschaft auf. Am Sonntag, 29. November, sind Präsidentschaftswahlen. Weder Zelaya noch Interimspräsident Micheletti treten an. Ob mit den Wahlen die schwerste politische Krise in Lateinamerika seit Jahrzehnten ein Ende findet, ist indes völlig offen.

Von Britta Eichner-Ramm

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