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„Lieber geben können als nehmen müssen“

Patin für sechs Kinder aus Entwicklungsländern „Lieber geben können als nehmen müssen“

Unter uns leben viele interessante Menschen. Eine von ihnen ist Barbara Abrahms. Die Göttingerin hat beim Kinderhilfswerk Plan Patenschaften für sechs Kinder übernommen. Die 45-Jährige ist Förderschullehrerin an der Schule am Tannenberg. Seit Sommer 2007 lebt Pflegetochter Sarafina bei ihr.

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Engagiert sich für Kinder: Barbara Abrahms mit Pflegetochter Sarafina und Fotos ihrer sechs Patenkinder.

Quelle: Heller

Göttingen. Aqil (14) aus Pakistan, Sumintra (8) aus Nepal, Bessy (10) aus Honduras, Reena (8) aus Indien, Viktor (11) aus Guatemala und Konnfeko (9) aus Mali – sie alle sind Patenkinder von Barbara Abrahms. 2005 übernahm die Göttingerin die erste Patenschaft, vor wenigen Wochen kam als sechstes Kind Konnfeko hinzu. „Plan suchte ganz dringend Paten für Mali“, begründet sie. Für 25 Euro pro Monat könne man bei Plan ein Kind und seine Familie, aber auch deren Lebensumfeld unterstützen, erläutert Abrahms.

„Es ist ein viel tolleres Gefühl, etwas geben zu können, als nehmen zu müssen“, formuliert die 45-Jährige ihre Beweggründe, die Arbeit von Plan zu unterstützen. „Wir leben in einem Land, wo die finanziellen Möglichkeiten dergestalt sind, dass viele 25 Euro im Monat erbringen können“, ist sie überzeugt und rät, einmal darüber nachzudenken, „wie oft man Geld für Überflüssiges ausgibt“. Abrahms: „Wie viele Nahrungsmittel landen in der Tonne, weil sie schlecht geworden sind? Oder: Muss ich die fünfte Winterjacke haben, nur weil sie eine tolle Farbe hat?“

Sie selbst habe ein indifferentes Verhältnis Materie gegenüber, betont sie. Kinder seien die Gesellschaft von morgen. Deshalb versuche sie durch ihre Patenschaften, „Menschen eine Perspektive zu geben“, sagt die Förderschullehrerin.
Bevor sie ihre erste Patenschaft übernommen hatte, habe sie sich überlegt, was sie aus ihrem gesicherten sozialen Umfeld heraus tun könne. Sie habe das Buch „Kindernot und Patenglück“ von Jürgen Horlemann gelesen, das viele Hilfsorganisationen kritisch reflektiere und zu ernüchternden Ergebnissen komme, berichtet sie. Später habe ein Bericht über Plan in einer Beilage der Zeitschrift National Geographic „auf mich einen positiven Eindruck“ gemacht. Plan beschreibt sie als eine Organisation, bei der das Geld keiner kleinen Elite zugute komme, sondern einer Region, um dort die Bedingungen für die Menschen zu verändern. Die Organisation informiere die Paten regelmäßig über die Entwicklung der Patenkinder und deren Lebensumfeld. Plan lege außerdem Wert auf persönlichen Kontakt, etwa durch Briefe und Fotos, aber auch Besuche durch die Paten vor Ort.

Eigentlich wollte Abrahms, die von sich selbst sagt, sie habe ein Faible für Reisen in ferne Länder, 2007 eines ihrer Patenkinder besuchen. Aber ihr Pflegekind Sarafina sei damals noch zu jung gewesen. Jetzt sei sie bald alt genug. Auch habe die 13-Jährige dieses Jahr in den Osterferien bei einer gemeinsamen Rucksack-Tour durch Marokko ihre Globetrotter-Qualitäten unter Beweis gestellt. Und so plant die sechsfache Patin vielleicht für das nächste Jahr einen Besuch – vielleicht in Honduras bei Bessy oder in Guatemala bei Viktor.

Besuche bei den Patenkindern würden von Plan vorbereitet und organisiert, denn oftmals würden die Kinder und ihre Familien in entlegenen Gebieten leben. Plan kümmere sich um Transport und Übersetzer, und meist begleite ein Gemeindehelfer die Paten.
Abrahms hat viele Fotos, etliche Briefe und ein gewebtes Deckchen auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet. Das Deckchen kam mit einem Brief von Viktor aus Guatemala. Die Eltern des Elfjährigen würden von der Landwirtschaft leben, und Viktor besuche die Schule, erzählt die Göttingerin. Schulbesuch sei nicht selbstverständlich, sagt Abrahms. Die Familie von Konnfeko beispielsweise „kann sich das finanziell nicht leisten“. Und manchmal wollten das die Eltern auch nicht. Dann versuche Plan sie davon zu überzeugen, dass ihre Kinder durch Bildung bessere Perspektiven hätten.

Die Familie von Bessy aus Honduras, berichtet Abrahms weiter, sei „recht gut aufgestellt“. Die Zehnjährige besuche eine Schule, und ihre Familie habe Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wie die Eltern von Bessy seien auch die von Sumintra Bauern. Die Achtjährige lebe in einem „ziemlich entlegenen Dorf in Nepal“. Jedes Jahr bekomme sie ein Foto von der Familie, so Abrahms. „Es ist schön zu sehen, wie sie heranwächst.“ Seit Sumintra zur Schule gehe, habe sie angefangen, sich in den Briefen an ihre Patentante mitzuteilen.
Aqil, Abrahms erstes Patenkind, ist Halbwaise. Weder er, noch sein Vater oder seine Geschwister könnten lesen oder schreiben. „Früher hat der Vater die Briefe diktiert“, fasst die Göttingerin zusammen, „heute macht Aqil das selbst.“
Die Familien wüssten, dass die Paten aus einem Land mit hohem Standard kommen, und deshalb würden sie versuchen, sich möglichst positiv darzustellen. Oftmals hätten sie aber große Schwierigkeiten, ihre Existenz zu sichern, erklärt Abrahms. Wenn sie den Familien ihrer Patenkinder schreibe, versuche sie daher stets, dass diese dabei ihre Würde wahren könnten, und unterlasse daher gezieltes Nachfragen.

„Liebe auf den ersten Blick“, sei es gewesen, als die Göttingerin das erste Foto von Reena sah. „Diese Augen – da geht einem schon das Herz auf“, schwärmt sie. Das nunmehr achtjährige Mädchen aus Indien habe mehrere Geschwister. „Auf den verschiedenen Fotos hatte ihre Mutter immer mal wieder einen dicken Bauch“, meint Abrahms. Plan kümmere sich in vielen Gebieten unter anderem auch darum, dass Neugeborene registriert werden und eine Geburtsurkunde ausgestellt werde, sagt Abrahms. Neben den Fotos ihrer Patenkinder liegen Faltblätter der Organisation: „Plan – werde Pate!“ Die 45-Jährige gibt sie gerne weiter und versichert: „Man bekommt für 25 Euro so viel Freude zurück“.

  Plan
  Plan International ist als eines der ältesten Kinderhilfswerke in 48 Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas tätig. Plan Deutschland betreut 290 000 Kinderpatenschaften, in Niedersachsen gibt es rund 26 480 Plan-Patenschaften, in Göttingen sind es zurzeit rund 730 Patenschaften von 613 Paten.
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