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Unter uns Otto Klink schliff einst für Isco Linsen
Thema Specials Unter uns Otto Klink schliff einst für Isco Linsen
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An der Lutter, wo heute die Bagger rollen, schliff er einst Linsen für den Optik-Hersteller Isco: Otto Klink. Quelle: Hinzmann

Isco lautete vor vielen Jahren die Telegramm-Adresse der Josef Schneider & Co. Optische Werke Kreuznach“, erläutert Otto Klink. Weil das Unternehmen Rüstungsgüter für die Luftwaffe herstellte, musste es 1936 seinen Standort wechseln. Kreuznach lag nach Einschätzung der Nazis zu nahe an der französischen Grenze. So richtete die Firma im Landesinneren in Göttingen ein Zweigwerk ein.

Die Produktion startete am Leinekanal im Gebäude der ehemaligen Klavierfabrik Rittmüller. Heute ist dort die Firma Ruhstrat ansässig. Am Leinekanal begann Klink, der in den ersten Jahren noch in Lippoldshausen bei Münden lebte, 1940 seine Ausbildung. Im ersten Lehrjahr belief sich der Wochenlohn auf zwei Reichsmark, von denen 1,5 Reichsmark für die Kantine abgezogen wurden. Die 11,50 Reichsmark teure Monatskarte für die tägliche Bahnfahrt bezahlte die Mutter. Weende verfügte damals noch über einen eigenen Bahnhof.

1942 bezog Isco einen Neubau An der Lutter. Ein Jahr später musste der mittlerweile 17-jährige Klink erst zum Reichsarbeitsdienst und dann zur Wehrmacht. Ein Fronteinsatz blieb ihm erspart. Als er im Juni 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, meldete er sich gleich bei der Firma. Einen Monat später konnte er dort wieder anfangen. Direkt nach dem Krieg durfte Isco keine optischen Systeme herstellen. Das ehemalige Rüstungsunternehmen verlegte sich auf die Produktion von Brillengläsern. Vor der Währungsreform wurden die Mitarbeiter mit Brillengläsern bezahlt. Eigene und fremde Gläser schliff Klink nach der Arbeit auf einer selbst konstruierten Maschine. Seine bei Optikern heiß begehrte Spezialität waren doppelfokale Gläser.

Kurz vor der Währungsreform 1948 demontierte die englische Besatzungsmacht den gesamten Maschinenpark. Die Geschäftsführung hatte davon frühzeitig erfahren und rechtzeitig neue Maschinen geordert. Die standen bis zum Abtransport der alten in Scheunen des Umlands. So konnte die Produktion ohne große Unterbrechung weiterlaufen.

„Von 1965 bis 1982 leitete ich die Optik-Fertigung mit damals 180 Beschäftigten“, erzählt der 81-Jährige. Nach dem Konkurs 1982 kaufte Geschäftsführer Kurt Lindstedt das Unternehmen gemeinsam mit Partnern aus der Konkursmasse heraus und gründete im Dezember die Isco-Optik GmbH. Die Hälfte der vormals 300 Mitarbeiter musste gehen. Klink wurde zu schlechteren Konditionen übernommen, hörte aber drei Jahre später aus gesundheitlichen Gründen auf.

„Den neuen Firmensitz auf der Siekhöhe besuchte ich mit meinen Enkeln“, sagt der Vater von zwei Töchtern. Nach einer erneuten Insolvenz im September 2003 wurde das Unternehmen von Schweizern übernommen. Die gründeten im August 2004 die Isco Precision Optics GmbH, die heute rund 80 Mitarbeiter beschäftigt.

Von Michael Caspar

Folge vom 12. Januar 2007

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