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Unter uns „Sehen sie die Engel schon fliegen?“
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Für sie sind Engel keine Hirngespinste: Brigitte Bornemann pflegt Kontakte zu Geistwesen. Quelle: CR

Sehen sie die Engel schon herumfliegen?“, fragt Brigitte Bornemanns Gatte zur Begrüßung. Und beim Abschied erkundigt sich der Bauingenieur: „Hat meine Frau sie bekehrt?“ – „Mein Mann sieht wie ich Geistwesen, aber er ist zu verkopft, um es einfach hinzunehmen“, kommentiert Brigitte Bornemann. Das Ehepaar lebt am Stadtrand von Münden in einem Einfamilienhaus mit 2000 Quadratmeter großem Grundstück. Ein paar Schritte hinter dem Haus beginnt der Wald.

Vier Kinder haben sie zusammen groß gezogen, zwei stammen aus Brigitte Bornemanns erster Ehe. Nach der Geburt ihres ersten Kindes 1977 quälen die gebürtige Berlinerin über Jahre Migräneanfälle. Schulmediziner können ihr nicht helfen. 1990 beginnt sie, alternative Behandlungsmethoden auszuprobieren. Sie entdeckt Reiki, ein umstrittenes Geistheiler-Verfahren, das der Japaner Mikao Usui (1865–1926) entwickelt hat. Der gelernte Industriekaufmann Eckard Strohm weiht Bornemann von 1992 bis 1998 in die verschiedenen Grade ein. Strohm, der in der Nähe von Köln lebt, hat nach eigenen Angaben 1989 von Heilern des sagenumwobenen Kontinents Atlantis das Arolo-Reiki empfangen. Eine neue Welt tut sich vor der Hauswirtschafterin auf. Ihre Probleme mit Migräne seien abgeklungen, sagt sie. Bornemann beschließt, nach Ende des Mutterschutzes nicht wieder in den Schuldienst zurückzukehren.

Zu diesem Zeitpunkt sind ihr bereits zum ersten Mal Engel erschienen. Lichtgestalten mit wallenden Gewändern und ohne Gesichtszüge holen sie eines Tages, als sie in einem Kurs sitzt, ab. Ihre anfängliche Angst legt sich. Sie sieht eine Waage. „In der einen Schale befand sich mein spirituelles Leben, in der anderen mein bodenständiges Dasein als Mutter“, führt sie aus. Beide Leben solle sie ins Gleichgewicht bringen.

Persönlichkeitsspaltung

Immer wieder sieht Bornemann nun beim Möhren Schälen oder beim Anwenden der Reiki-Kenntnisse plötzlich Bilder und Symbole. Sie hört Worte, soll die Bibel an bestimmten Stellen aufschlagen. Strohm lehrt sie, einzelne Engel anzurufen. Diese diktieren der Mündenerin Texte. „Das hat nichts mit Persönlichkeitsspaltung zu tun“, beruhigt die 53-Jährige.

Im Jahr 2000 machen ihr die Engel klar, dass sie Strohms Arolo-Reiki weiblicher gestalten soll. Bei Strohm treten die Engel über den Scheitel in den Körper des Mediums ein. Bornemann öffnet den Geistwesen ihr Herz. „Bei ihm erfolgt der Kontakt über den Kopf, den Verstand, bei mir über den Körper, das Gefühl“, erläutert sie den Unterschied. Sie geht nun ihren eigenen Weg und folgt Strohm nicht, als der sich 2003 als Oberhaupt einer Christlich Essenischen Kirche zu erkennen gibt.

Bornemann nennt ihr System Arolo-Haga-Lem. 2001 macht sie in der Schweiz eine Ausbildung bei dem Amerikaner Frank Alper. Das Medium channelt, übermittelt, Botschaften eines Geistwesens namens Adamis. Wie Strohm will auch Alper in Kontakt mit dem alten Atlantis stehen. Bei ihm lernt Bornemann unter anderem, Kontakt zu den Seelen der Toten aufzunehmen. „Seelen werden zwar wiedergeboren, aber in der geistigen Welt bleibt ein Aspekt zurück, der sich rufen lässt“, führt sie aus.

Mittlerweile hat Bornemann 30 Personen bis zum Meistergrad ihres Arolo-Haga-Lem-Systems geführt. Seit dem Jahr 2003 gehört sie dem Dachverband Geistiges Heilen an. Die Mündenerin, die ihre Klienten in einem mit zahllosen Engeln geschmückten Gartenpavillon empfängt, weiß, dass viele Ärzte Geistheiler für Scharlatane halten. „Ich will mit ihrem Angebot die Schulmedizin nicht ersetzen, sondern ergänzen“, betont sie. „Ist das für sie nur Firlefanz?“, fragt ihr Mann zum Abschied noch mal nach. Die Arolo-Haga-Lem-Meisterin lächelt.

Brigitte Bornemann spricht am Dienstag, 12. Dezember, um 19 Uhr im Saal der evangelischen Gemeinde in Dransfeld, Kirchstraße, über ihre Arbeit mit Engeln.

Von Michael Caspar

Folge vom 12. Dezember 2006

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