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Wätzolds Woche Eheglück
Thema Specials Wätzolds Woche Eheglück
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22:33 15.12.2017
Quelle: dpa
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Mittwochmittag nahm ich nämlich mein Mahl bei Wulff ein, wo ein betagtes Paar sich je eine Suppe holte und nach hinten zum Essen ging. Plötzlich blieb die Frau stehen, um ein quengelndes Kind im Buggy zu betuddeln. Ich lächelte dieser Szenerie selig seufzend zu; erst Recht nach der morgendlichen Lektüre. Dann stieß der alte Herr versehentlich gegen seine Gattin, weil die ja zwecks Kindsaufheiterung mitten im Weg stehen geblieben war. Schlagartig verfinsterte sich ihre Miene und sie schnauzte: „Kannst du nicht aufpassen?“, worauf er zurück bellte: „Ich hab ja keine Augen im Hinterkopf!“ Dann setzten sie sich so weit auseinander hin, wie es bei Wulff überhaupt geht und löffelten ihre Suppen. Und wo andere Leute sich einen guten Appetit wünschen, bedachte sie ihn mit einem lauten „Vollidiot“, was er wiederum brummend mit „Blöde Kuh“ quittierte. Und da fing ich an, ernsthaft darüber nachzudenken, ab wann der Preis für einen Zeitungsbericht über das Erreichen der eigenen Eisernen Hochzeit zu hoch wird.

Am Mittwochabend lümmelte ich dann mit meiner Frau vor dem Fernseher und wir sahen einen Bericht über eine Gruppe Jugendlicher, von denen einer an Krebs erkrankt war und eine Chemotherapie hatte. Aus Solidarität mit ihm ließen sich alle anderen eine Glatze scheren. Ich sagte, dass ich das irgendwie süß finde, worauf meine Frau entgegnete, dass sie das vor kurzem schon mal mit Frauen gesehen hätte, von denen eine Brustkrebs hatte. Das fand ich ganz bemerkenswert und fragte erstaunt: „Ach und dann haben die sich aus Solidarität alle eine Brust abnehmen lassen?“ Der Blick, mit dem sie mich daraufhin ansah, ließen erhebliche Zweifel in mir daran aufkommen, dass wir wenigstens mal mit einem Zeitungsartikel anlässlich unserer Silberhochzeit bedacht werden.

Von Lars Wätzold

Den Autor erreichen Sie per Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de

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