Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Wätzolds Woche Ermittlungen
Thema Specials Wätzolds Woche Ermittlungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:04 21.06.2018
Neonazi-Angriff auf Journalisten (Archivbild) Quelle: mm
Göttingen

Mein Vertrauen in den Rechtsstaat wird allerdings dann erschüttert, wenn offensichtliche und schwerwiegende Straftaten nicht verfolgt werden, die auch mit den Polizeigesetzen von vor 50 Jahren eigentlich zu Ermittlungen und Verhaftungen führen müssten.

Der brutale Angriff vor rund vier Wochen mit Schraubenschlüsseln, Baseballschlägern und Messern auf zwei Göttinger Journalisten, die für Recherchezwecke Fotos vom Grundstück des thüringischen NPD-Chefs Torsten Heises gemacht hatten, ist so eine Straftat. Die beiden wurden erheblich verletzt, ihre Fotoausrüstung geraubt und das Auto schwer beschädigt. Obwohl sie einen der beiden Täter benennen konnten und eine Speicherkarte mit Fotos vom zweiten, vermummten Täter vorgelegt haben, wurde vom LKA Thüringen, das den Fall an sich gezogen hat, niemand verhaftet, weil laut des Mühlhausener Staatsanwalts Dirk Germerodt, der für das LKA auftritt, kein dringender Tatverdacht besteht. Denn der von den Opfern benannte Täter wurde zwar verhört, aber wieder laufen gelassen; und zwar mit der bizarren Begründung: „Der sagt einfach nichts. Der äußert sich nicht zu dem Vorwurf.“ (Germerodt). Wenn ein polizeibekannter Neonazi in so einem Fall die Aussage verweigert, geht man also von seiner Unschuld aus. Das ist grotesk. Und bei den Fotos des zweiten Täters müsse man erstmal sicher gehen, dass sie nicht manipuliert seien. Bei anderen Gelegenheiten, zum Beispiel den Ausschreitungen rund um den G20-Gipfeln, bitten die Ermittlungsbehörden explizit darum, dass Bürger Filme und Fotos für die Ermittlungen zur Verfügung stellen und hier wird der Verdächtige noch nicht mal vernommen, weil unterstellt wird, dass die Opfer eines brutalen Überfalls die Dateien ihrer Speicherkarte manipuliert hätten. Das macht mir Angst.

Ich frage mich, was das LKA wohl als nächstes unterstellt. Dass es den Überfall gar nicht gab? Dass die Opfer sich die Schlag- und Stichverletzungen selbst zugefügt und das Auto eigenhändig zerdeppert haben, nur um zwei anständigen deutschen Jungs aus dem Umfeld von Thorsten Heise einen reinzuwürgen? Selten hat ein Fisch so vom Kopf gestunken und man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass das LKA die Ermittlungen nur übernommen hat, um die Täter zu schützen. Bleibt zu hoffen, dass sich das Innenministerium einschaltet und diese bittere Farce beendet.

Von Lars Wätzold

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Wätzolds Woche Wätzolds Woche - Alte Männer

Wolfgang Thielbörger, 84-jähriges Göttinger FDP-Urgestein, ist empört und fühlt sich wegen seines Alters diskriminiert, weil er nicht mehr Schöffe werden kann; das darf man nämlich nur bis 70.

01.06.2018
Wätzolds Woche Wätzolds Woche - Autos raus

Viele Göttinger Radfahrer scheinen schlicht nicht zu wissen, dass sie ihre Geschwindigkeit in der äußeren Fußgängerzone an die Fußgänger anpassen müssen und nicht umgekehrt und sind dort unterwegs wie Speedy Gonzales auf Ecstasy.

28.05.2018
Göttingen Wätzolds Woche - Wie verstörend...

...dachte ich letzte Woche, als ich in dieser Zeitung las, dass ein Landwirt beim Wiesemähen mehrere Rehkitze zerschreddert hat, die von ihren Müttern dort abgelegt worden waren.

21.05.2018
Anzeige