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Wätzolds Woche Schlechte Laune
Thema Specials Wätzolds Woche Schlechte Laune
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22:34 22.09.2017
Quelle: dpa
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Da ich während dieser Frist nicht konnte, rief ich dort an, um eine Verlängerung zu erwirken. Das Gespräch war beeindruckend, denn noch nie war jemand völlig grundlos so unfreundlich zu mir wie der Mann am Telefon. Als ich zehn Tage später die Postausgabestelle des Göttinger Zolls betrat, erfüllten sich die Erwartungen, die das Muffeltelefonat in mir geweckt hatten, voll und ganz: Während ich zwischen sieben auf Tastaturen klappernden Mitarbeitern auf die Herausgabe meiner Platte wartete, begann ich tatsächlich zu frösteln, angesichts der eisigen Stimmung. Auf einem Schreibtisch entdeckte ich einen Aufsteller mit dem bezeichnenden Spruch "Ich kann auch nett - bringt aber nichts." Ich sagte, dass ich diesem Satz lebhaft widersprechen möchte, worauf die einzige Reaktion ein seltsam gekrähtes Lachen des Aufstelleraufstellers war, wie man es von buckligen Figuren aus Fantasyfilmen kennt.

Seitdem frage ich mich, warum die im Hagenweg 4 bloß so miesepetrig sind. Mag ja sein, dass das da kein Traumjob ist (zumindest habe ich noch nie aus einem Kindermund gehört  „Wenn ich groß bin, werde ich Sachbearbeiter in der Postausgabe vom Zoll!“), aber gerade bei der Berufswahl gilt ja der Hippie-Klassiker „If you can’t be with the one you love, love the one you’re with.“ Sollte ich da jemals wieder hinmüssen, werde ich auf jeden Fall für gute Stimmung sorgen und mein Furzkissen mitnehmen.

Ich selbst habe diese Woche schlechte Laune bekommen, als ich die Ankündigung einer AfD-Wahlkampfveranstaltung für gestern in Northeim las. Die AfD organisiert ja Schreichöre zu den Kundgebungen anderer Parteien, um sich ihrerseits ständig zu beklagen, wie ungerecht man mit ihr umgeht. Die ganze Wahlkampftaktik der AfD ist so schlicht und scheiße, dass der eigentliche Skandal in der Unfähigkeit der anderen Parteien besteht, die braune Bande zu demaskieren. Vielmehr geben sie ein recht trauriges, nämlich inhalts- und ideenloses Bild ab. Der Gedanke, dass die AfD morgen als drittstärkste Kraft abschneidet, ist aber so beunruhigend, dass ich alle Leser inständig bitte, wählen zu gehen. Und zwar irgendwas links von der AfD. Rechts davon gibt es ja auch nix mehr.

Von Lars Wätzold

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