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Wätzolds Woche Alle Jahre wieder
Thema Specials Wätzolds Woche Alle Jahre wieder
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16:07 12.10.2018
Start der O-Phase am Zentralcampus Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Diese Woche sah ich viele irritierte, genervte und verängstigte Passantengesichter in der Innenstadt. Und auch ich selbst zuckte erschrocken zusammen, als eine Gruppe junger Menschen neben mir in der Groner Straße völlig unvermittelt und mehrfach „Wir sind Gruppe 6!“ brüllte. Als ich mich noch verwirrt fragte, warum ein Haufen Postadoleszenter die Göttinger Öffentlichkeit schreiend über ihre Nummer in Kenntnis setzt, kam von einer anderen Gruppe wenige Meter daneben als Antwort „4 gewinnt!“ und da war mir klar, was mal wieder los ist: Orientierungsphase an der Uni. Die Jahreszeit also, in der sich die studentischen Neu-Göttinger im Rudel betrinken um sich in ihrer neuen Heimatstadt besser zurechtzufinden. Das ist an sich ja schon bekloppt, aber leider vergessen sie dabei offenbar, dass sie sich mit ihren Einkaufswagen voller Alkohol im öffentlichen Raum bewegen und nicht in Papis Hobbykeller und benehmen sich bei ihrem Exzess verstörend. Einige sah ich sinnlos auf dem Gänseliesel herumkraxeln, während andere sich noch lallend nach den Standorten der Sehenswürdigkeiten unseres Städtchens erkundigten.

Diese geistigen Fehlfunktionen lassen sich aber erklären, wenn man mal einen Blick in einen der Einkaufswagen wagt, denn dort sah ich erschreckendes, nämlich Pfefferminzlikör. Und den trinken die neben Bier und Wein am frühen Nachmittag. Da frag ich mich doch, was die eigentlich später am Abend noch machen, um bei Laune zu bleiben. Klebstoff schnüffeln? Geradezu grotesk ist die Tatsache, dass diese Art der Orientierung nicht als spontan-übermütige Zusammenrottung, sondern unter Anleitung höherer Semester stattfindet.

Bleibt zu befürchten, dass auch langfristig für unsere Uni im Exzellenz-Wettbewerb nichts zu holen ist. Denn wenn diese Gestalten die zukünftige Forscherelite sind, ist in Zukunft wohl kaum mit konkurrenzfähigen Exzellenzclustern zu rechnen.

Von Lars Wätzold

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