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Wätzolds Woche Eine für alle
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18:14 09.11.2018
Eine Mutter wollte in der Eiswiese partout mit ihrer Tochter rutschen, obwohl die Wasserrutsche nicht für Erwachsene zugelassen ist. Quelle: Christoph Mischke
Göttingen

Als wir zuletzt im Rasti-Land waren, benutzte ich ein Fahrgeschäft, das nur bis 14 Jahre zugelassen war. Ich konnte nicht widerstehen – das Karussell war einfach zu toll. Schon nach kurzer Zeit forderte mich ein Rasti-Land-Mann auf, das Gerät zu verlassen. Meinen Einwand, dass ich doch auch nicht schwerer sei als ein adipöser 14-Jähriger, quittierte er mit einem so seltsamen Gesichtsausdruck, dass ich lieber freiwillig ging.

Nicht freiwillig verließ eine Mutter mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter die Rutsche für bis Sechsjährige in der Eiswiese, obwohl sie selbst ganz zweifellos älter als sechs war, weil ihr Kind aufgrund einer motorischen Einschränkung die Rutsche nicht allein benutzen konnte. Die Situation eskalierte derartig, dass Mutter und Kind mittels Polizeieinsatzes des Bades verwiesen wurden. Das klingt nach Spatzen und Kanonen, aber was soll der Schwimmmeister denn machen, wenn die Mutter sich erst weigert, die Rutsche und dann, als das Kind – zum Glück nur sprichwörtlich – ins Wasser gefallen war, das Bad zu verlassen?

Ob der Mann dabei tatsächlich so pampig war, wie die Mutter sagt, spielt bei der Durchsetzung des Hausrechts natürlich keine Rolle; über fehlendes Fingerspitzengefühl hätte sie sich ja im Nachgang beschweren können. So aber muss sie sich schon die Frage gefallen lassen, ob dieses tolle Bad für ihre Tochter nichts anderes zu bieten hat, als eben diese eine Rutsche, die sie allein nicht benutzen kann und es mit der Mutter eben nicht darf. In derselben Tageblatt-Ausgabe stand übrigens, dass die Feuerwehr in Leer einen Wackelhasen abbauen musste, in dessen Spiralfeder sich eine 14-Jährige eingekeilt hatte.

Im Nachhinein entpuppt sich die ganze Angelegenheit aber als Tsunami im Planschbecken, denn nach Rückfrage beim Rutschenbauer erklärte GoeSF-Geschäftsführer Alexander Frey, dass ab sofort Eltern bei Bedarf mitrutschen dürfen. Allerdings könnte es sein, dass Frey damit erst die Büchse der Pandora geöffnet hat. Denn wenn da nun auch Erwachsene rutschen dürfen, müssen die Kinder dann überhaupt noch höchstens sechs Jahre alt sein? Oder dürfen dann auch Erwachsene mit ihren Eltern rutschen? Ist das ab jetzt gar eine Mehr-Generationen-Rutsche im Kleinkinder-Becken? Ich bitte Herrn Frey um zügige Aufklärung, denn auch ich bin gern mit meinen Kindern (beide über sechs) in der Eiswiese und ich möchte nicht mit einem dieser beneidenswert muskulösen Schwimmmeister aneinander geraten.

Den Autor erreichen Sie per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de.

Von Lars Wätzold

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