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Wätzolds Woche Rechtsfreier Raum
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13:00 07.09.2018
Ein Falschparker bekommt ein Knöllchen (Symbolbild). Quelle: Elisabeth Woldt
Göttingen

Nun traf ich im Rastenburger Weg auf zwei Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes, die dort ungefähr 25 Autos begutachteten, die auf der kompletten Straßenlänge ordnungswidrig auf dem Bürgersteig standen, denn das Parken auf dem Bürgersteig muss durch Verkehrszeichen Nr. 315 explizit erlaubt werden. Ich vermutete, dass die Falschparker nun ebenso wie ich verwarnt würden, doch die Damen meinten, das Parken sei hier schon in Ordnung, solange noch ein Rollstuhl durchkäme. Na gut, dachte ich, dem darf dann bloß kein zweiter Rollstuhl entgegen kommen. Auf meine Frage, woher man als Autofahrer weiß, dass man hier trotz fehlender Beschilderung straffrei stehen darf, wurde mir gesagt, dass die Leute das schon wüssten. Da war ich aber baff: Es gibt offenbar ein mystisches Wissen bei ausgewählten Göttinger Fahrzeughaltern darüber, wo das Ordnungsamt widerrechtliches Parken toleriert und wo nicht. Aber ich bin natürlich mal wieder außen vor (siehe oben).

Nun wollte ich es aber genau wissen und holte einen Zollstock. Laut der „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen“ (RASt) von 2006 beträgt die „Regelbreite“, also das Mindestmaß eines Gehwegs zweimeterfünfzig. An der Rastenburger Straße ist der Gehweg aufgerundet zweidreißig breit, davon ist rund ein Meter zugeparkt. Nun erwartet wohl niemand, dass unsere alten Gehwege verbreitert werden, aber dieses Richtmaß macht ja durchaus Sinn, denn auf einem Gehweg sind neben Fußgängern auch Kinder auf Fahrrädern, Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit Gepäck, Sehbehinderte und eben Rollstühle in beiden Richtungen unterwegs und ein selbstständiger Rollibenutzer hat schon einen Wendekreis von anderthalb Metern. Man kann also den Rollifahrern, die den Fußweg des Rastenburger Wegs benutzen, nur empfehlen, nichts zuhause zu vergessen, weil sie nämlich - wenn sie noch mal zurück wollen - erst bis runter zur Leibnizstraße müssen, um dort zu wenden und dann wieder hoch zu gurken; auf dem zugeparkten Gehweg ist wenden nämlich ausgeschlossen.

Einige Konservative unserer Stadt beklagen ja immer wieder die Existenz rechtsfreier Räume. Und sie haben Recht: Göttingen ist voller rechtsfreier Parkräume. Wenn man drauf achtet, sieht man ständig straflos zugeparkte Gehwege. Vielleicht ist das ja ein Fall für den frisch gewählten Behindertenbeirat; in der Stadt, die Barrieren schafft.

Von Lars Wätzold

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