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Wätzolds Woche Hilfe, ich werde konservativ
Thema Specials Wätzolds Woche Hilfe, ich werde konservativ
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16:18 10.08.2018
Ein Zivildienstleistender in einem Krankenhaus Quelle: epd/Archiv
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Göttingen

Ich verzichte seit einigen Tagen komplett auf Alkohol, nehme Vitamintabletten, meditiere und löse wie besessen Kreuzworträtsel, um sicherzugehen, dass ich mental nicht aus der Spur laufe. Aber trotz all dieser Maßnahmen bleibt es dabei: Ich unterstütze zum ersten Mal einen Vorschlag aus dem konservativen CDU-Flügel, nämlich den nach einem allgemeinen, sozialen Pflichtjahr für junge Menschen und das fühlt sich komisch an. Aber vielleicht steht es um mich ja doch nicht so schlimm, denn ich halte gar nichts davon, dass dieses Jahr bei der Bundeswehr geleistet wird. Nicht, weil die Bundeswehr davon – laut aller sich bisher zu Wort meldenden Verteidigungsexperten – gar keinen Nutzen hätte, sondern weil ich aus meiner pazifistischen Grundeinstellung heraus nicht erkennen kann, wie zwölf Monate Gebrüll, Drill und Krieg spielen einen Charakter positiv beeinflussen sollen. Außerdem geht mir die dem-Vaterland-dienen-Rhetorik, die im Zuge dieser Diskussion laut wird, mächtig auf die Nerven, denn darauf keimt der Samen des Nationalistischen, den man nicht züchten sollte.

Aber in einer Zeit, in der die Gesellschaft immer weiter auseinanderdriftet, in der nicht mehr miteinander geredet, sondern in den asozialen Medien übereinander hergefallen wird, in einer Zeit, in der Menschen glotzen und filmen oder wegschauen, wenn andere Hilfe brauchen, wenn Menschen in ihren weltanschaulichen Blasen verharren und sich für andere Lebensentwürfe und Schicksale nicht mehr interessieren, scheint es mir äußerst hilfreich zu sein, wenn junge Leute zu einem Heraustreten aus ihrer vermeintlichen Komfortzone und einem Eintauchen in andere soziale Realitäten verpflichtet werden; denn es stellt sich ja schon akut die Frage, was denn eigentlich der Kitt ist, der unser Sozialwesen noch zusammenhält. Und als ich am Dienstag las, dass einem Mann nicht geholfen wurde, der in einem Göttinger Supermarkt aus dem Rollstuhl gefallen war, obwohl Helfen da ja eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dachte ich, dass die Hürde zum Hilfeleisten bestimmt bei Menschen niedriger ist, die wenigstens schon mal zwölf Monate mit Hilfebedürftigen zu tun hatten.

Den Autor erreichen Sie unter redaktion@goettinger-tageblatt.de.

Von Lars Wätzold

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