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Wätzolds Woche Klom
Thema Specials Wätzolds Woche Klom
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18:23 27.07.2018
Familienurlaub kann erholsam sein – oder zu Problemen führen. Quelle: dpa
Göttingen

Das Wetter ist bombig und wir ernähren uns ausschließlich von selbstgepulten Krabben und den Waren aus „Ubbo’s Backhuus“, dessen Erzeugnisse so vorzüglich sind, dass man ihm sogar den unsachgemäßen Gebrauch des Apostrophs nachsieht.

Ansonsten lümmeln wir meist faul im Strandkorb herum und wundern uns über die Camper, die sich auf dem angrenzenden Zeltplatz niedergelassen haben, obwohl der den Charme des Realkauf-Parkplatzes in Weende verströmt. Und auch der Unterhaltungsfaktor kommt selbst bei Ebbe nicht zu kurz, denn ich finde mich täglich um 16 Uhr beim kibi-Ferientreff am Strand ein, den der Bibellesebund veranstaltet. Dort erzählen uns die Missionare Tabea und Samuel Geschichten aus dem Alten Testament, um uns zu zeigen wie lieb Gott uns hat; wobei die Protagonisten durch Plastikflaschen verkörpert werden, denen Tabea und Samuel Gesichter aufgeklebt haben. Auf die Geschichte, in der Gott von Abraham verlangt, seinen Sohn Isaak als Zeichen der Ergebenheit als Brandopfer darzubringen und erst im letzten Moment zu Gunsten einer Widderverbrennung darauf verzichtet, warte ich bisher allerdings vergeblich. Aber vielleicht hatte Gott da ja einfach mal einen schlechten Tag, oder Samuel und Tabea wollen uns nicht mit den Dämpfen einer Plastikflaschenverbrennung vergiften, was ja durchaus nachvollziehbar und auch nobel ist.

Zwei Wochen, in denen sich Eltern und zweifacher Nachwuchs ununterbrochen auf der Pelle hängen, stellen natürlich auch eine Belastungsprobe für den Familienfrieden dar - irgendwann liegen die Nerven einfach blank. Und so ging ich schon nach wenigen Tagen vorsichtshalber dazu über, im familiären Gespräch sowohl Witzigkeit als auch jede Konfrontation zu vermeiden und war stattdessen stets um Verständnis und Kompromiss bemüht. Und als meine Frau bei der Lektüre der „Süddeutschen“ ihr Unverständnis für die Haltung einer dort vorgestellten Mutter formulierte, die die Umoperation ihrer Tochter zum Manne nicht akzeptieren und deshalb auch nicht „Tom“ statt „Klara“ sagen wollte, schlug ich - vom Bibeltreff inspiriert - geradezu salomonisch vor, dass sie ja vielleicht für eine Übergangszeit erstmal „Klom“ sagen könnte, zumal das ja auch so schön alttestamentarisch klingt. Seitdem spricht meine Frau nicht mehr mit mir und ich weiß weder, was ich eigentlich falsch gemacht habe, noch wie ich die Situation wieder normalisieren kann. Für Ratschläge aus meiner Leserschaft wäre ich daher sehr dankbar (bitte nur ernstgemeinte).

Von Lars Wätzold

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