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Widersprüche

Wätzolds Woche Widersprüche

Am Mittwoch traf ich Fritz Güntzler auf dem sehr gelungenen Sommerfest von IHK, Kreishandwerkerschaft und Arbeitgeberverband. Er fragte mich, ob ich nicht mal was Gutes über ihn schreiben wolle, schließlich sei er im Wahlkampf und überhaupt könne es ja nicht schaden.

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Endlich!

Fest "Buntes Göttingen"

Quelle: Heller/Archiv

Dieser Bitte komme ich natürlich sehr gern nach, denn Fritz Güntzler ist ein Supertyp! Quasi die perfekte Mischung aus Johnny Weißmüller und Mutter Theresa. Neulich träumte mir sogar, wir würden Hand in Hand in kurzen Hosen auf den Schillerwiesen in den Sonnenuntergang tanzen; und zwar in Zeitlupe. Fritz Güntzler ist einfach spitze! An ihm ist nichts auszusetzen. Doch halt, einen Makel gibt es doch: Er ist Mitglied der CDU und dementsprechend diskutieren wir viel. Wie kann ein so angenehmer Zeitgenosse nur in diesem Verein sein? Aber was will man machen, Menschen sind nun mal widersprüchlich.

Widersprüchlich agierte auch mal wieder unsere Verwaltung. Letzten Samstag wurde ja das städtische Fest „Buntes Göttingen“ gefeiert. Ein Statement von Verwaltung und Bürgern gegen Fremdenfeindlichkeit und für Weltoffenheit und Willkommenskultur. Doch nur drei Tage vorher hatte dieselbe Verwaltung den Abschiebebehörden willfährig den Zimmerschlüssel einer 19jährigen aus Eritrea, die eine furchtbare Vorgeschichte inklusive Suizidversuch hat, ausgehändigt und nun ist die junge Frau wieder in Italien und die Stadtverwaltung wäscht ihre Hände in Unschuld; denn im Fall dieser Dublin-Abschiebung sei sie gar nicht zuständig und die Schlüsselherausgabe durch die Ausländerbehörde „gängiges Vorgehen“. Dementsprechend hielt sich die Begeisterung bei den Offiziellen auch in Grenzen, als Gegner dieser Abschiebung die Festbühne am Samstag für ein Statement kaperten. Das Publikum allerdings quittierte den Beitrag mit Applaus. Zu Recht, denn warum macht sich die Stadtverwaltung des bunten Göttingens hier freiwillig zum Handlanger, wo Abschiebungen nach Italien derzeit immer wieder gerichtlich ausgesetzt werden und das Bundesverwaltungsgericht sogar jüngst den EuGH in dieser Frage angerufen hat, da die Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Italien nicht den EU-Anforderungen genügen? Und dass Kommunen durchaus mehr Spielraum haben, als fraglos dienend den Schlüssel rauszugeben, hat sich letzte Woche in Duisburg im Fall Bivsi Rana gezeigt. Komisch, obwohl Fritz Güntzler in der CDU ist, ist er mir in manchen Fragen näher als unsere sozialdemokratisch dominierte Stadtverwaltung.

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Wätzold steht nicht nur auf dem Sockel, sondern auch auf der Bühne - bei der Comedy Company. mehr