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So schön war die "neue Nacht von Hannover"

Radrennen am Abend So schön war die "neue Nacht von Hannover"

Mehr als 2500 Zuschauer haben am Dienstagabend die "neue Nacht von Hannover" verfolgt und die Rückkehr der Traditionsveranstaltung gefeiert. Auch wenn weniger Besucher kamen als erwartet, ist das Event für viele ein Erfolg. Tour-de-France-Star André Greipel holte den Sieg im Profirennen. Hier finden Sie alle Ergebnisse der Radrennen im Überblick.

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Die Teilnehmer des Profrennens setzen vor der Kulisse des Neuen Rathauses zum letzten entscheidenden Sprint an. 

Quelle: Sielski

Hannover. Fünf Jahre lang hat Hannover dieses Sirren nicht gehört: Profiradfahrer zischen auf ihren dünnen Reifen durch einen Innenstadtparcours, immer wieder hin und zurück. Am Straßenrand standen nach Polizeiangaben rund 2500 Radsportfreunde, die die Rückkehr einer echten hannoverschen Traditionsveranstaltung feiern. Die Veranstalter schätzten die Besucherzahl um ein Vielfaches höher ein, die Rede war sogar von bis zu 25 .000. Am Ende aber zählte ohnehin eher der Spaß als der Superlativ.

André Geipel ging gegen 22.45 Uhr als Sieger der neuen „Nacht von Hannover“ ins Ziel – gerade erst hatte er die letzte Etappe der Tour de France gewonnen, jetzt siegte er souverän in Hannover. „Das ist schon etwas Besonderes, wenn man die Fahrer der Tour de France, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, live erlebt“, sagte etwa Besucher Oliver, der gemeinsam mit Freunden zu dem Rennvergnügen gekommen war. „Es ist faszinierend, wenn man so nah an die Profis rankommt, die vor wenigen Tagen noch 3500 Kilometer durch Frankreich gefahren sind“, fand auch sein Kumpel Niklas. Und Otto Pätzold, Geschäftsführer der Niedersachsen-Rundfahrt, sagte: „Mich freut es, dass sich die Veranstalter wieder auf ihre Wurzeln besonnen haben – toll, dass jetzt so viele Nachwuchsfahrer und weniger Bekannte am Start sind.“

Weniger Besucher als erwartet

Die Rahmenbedingungen für die Neuauflage der „Nacht von Hannover“ hätten optimaler kaum ausfallen können. Zwar sollte ganz am Ende ein wenig Regen das Finale vernieseln. Doch zuvor waren Himmel und Straße trocken geblieben, die milden Temperaturen hatten zunehmend mehr Zuschauer an den 850 Meter langen Kurs vor dem Rathaus gelockt, der sich mit scharfen 180-Grad-Kurven zwischen Friederikenplatz und Nord/LB erstreckte. Auch das ein Novum – sonst war die „Nacht von Hannover“ rund um die Oper und an der Marktkirche ausgetragen worden. Dem Publikum gefiel der neue Ort, auch das Festgelände vor dem Rathaus mit Infoständen und Mitmachattraktionen kam gut an. Spätestens als das von Motorrädern angeführte Dernyrennen mit „We Will Rock You“ von Queen eingeläutet wurde und die Radprofis samt motorisierten Schrittmachern auf den scharfkurvigen Hot-Dog-Kurs gingen, war klar, dass die neue „Nacht von Hannover“ vom Publikum genauso gefeiert wurde wie ihre Vorgänger – wenn auch mit deutlich weniger Zuspruch. Die Vorgängerveranstaltung hatte es zuweilen auf bis zu 30.000 Besucher am Streckenrand gebracht.

Kulturdezernent Harald Härke störte sich daran nicht. „Absolut klasse, tolle Stimmung“, sagte er, „und dass die ,Nacht von Hannover’ jetzt auch noch direkt vor dem Rathaus stattfindet, steht der Stadt gut.“ Schon vor dem Rennen machte der Radsportfan ein Selfie mit Rennprofi Greipel. „Ich verfolge seine Karriere schon lange – das ist ein grundsympathischer Sportprofi“, sagte Härke. Dass er den Sieger des Abends auf dem Selfie haben würde, konnte er da noch nicht wissen.

Pech für Lokalmatadoren

Ausgerechnet für die Lokalmatadoren stand aber kein guter Stern über der Neuauflage der „Nacht von Hannover“. Leo Appelt, bis zum vergangenen Jahr für den Radsport-Club Blau-Gelb von 1927 Langenhagen unterwegs, war vor einer Woche von einem Auto beim Training in Tschechien angefahren worden. Wegen seiner Verletzungen konnte er nicht starten. Und Jonas Bokeloh, der bis 2014 für den Hannoverschen Radsport Club von 1912 an den Start gegangen war, musste wegen einer Magen-Darm-Grippe fernbleiben. „Gerade für die jungen Fahrer ist das bitter“, sagte Radprofi André Greipel: „Die Nacht von Hannover war für viele von uns früher die erste Chance, als Nachwuchsfahrer schon einmal mit Profis an den Start zu gehen und in den Sport hineinzuschnuppern.“

Der 34-Jährige muss es wissen. 2008 stand er das erste Mal in Hannover auf dem Treppchen. 2011 gewann er sogar die zunächst letzte „Nacht von Hannover“, bevor sie nicht mehr veranstaltet wurde. Der große Radsportboom war damals vorüber. Grund dafür waren unter anderem auch Teilnehmer des niedersächsischen Traditionsrennens wie Mario Cippollini, Alessandro Petacchi, Erik Zabel oder Jan Ullrich, die des Dopings überführt wurden oder zumindest unter dem Verdacht standen. Auch Grischa Niermann gehörte zu ihnen. 2013 gestand der Radprofi, zwischen 2000 und 2003 mit Epo gedopt zu haben. 2011 war er bei der vorerst letzten „Nacht von Hannover“ Zweiter geworden. In diesem Jahr nun war er ihr sportlicher Leiter. „Ich freue mich darüber, dass ich helfen konnte, ein so gutes Starterfeld nach Hannover zu bringen“, sagte Niermann am Abend. Zwar hatte das Budget von etwa 120.000 Euro nicht für die Verpflichtung internationaler Stars gereicht, „dennoch sind sechs Fahrer dabei, die noch in der vergangenen Woche bei der Tour de France mitfuhren“. Die Zuschauer am Streckenrand genossen es.

„Wir sind sehr zufrieden“, sagte Michael Kramer, Sprecher des Veranstalters Eichels Event: „Die Zuschauer geben uns den Eindruck, dass sie es toll finden, und auch von den Fahrern haben wir ein sehr positives Feedback bekommen.“ Es gebe noch „kleine Kinderkrankheiten“ bei der Neuauflage des Klassikers, daran wolle man feilen, so Kramer. „Wenn es nach uns geht, gibt es auch im kommenden Jahr eine Nacht von Hannover.“     

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2. Nikias Arndt
3. Marcel Sieberg
  Derny-Rennen
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2. Emanuel Buchmann
3. Robert Wagner
  Profirennen
1. André Greipel
2. Marcel Kittel
3.  Nikias Arndt

 

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