Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Wie sicher sind die Hochhäuser in Hannover?

Nach Brandkatastrophe in London Wie sicher sind die Hochhäuser in Hannover?

In Hannover prüft ein 32-köpfiges Team der Feuerwehr die Brandsicherheit an allen Hochgebäuden. Nach den Bildern von London machen sich viele Bewohner Gedanken, trotz regelmäßiger Kontrollen. Kann solch ein Feuer auch hier passieren?

Voriger Artikel
Hunderte Schulabgänger feiern Ihren Abschluss
Nächster Artikel
VW schließt Autohaus in Burgwedel

Hannovers Hochhäuser in Roderbruch, in der Südstadt und in der City

Quelle: Uwe Dillenberg/Montage

Hannover. Im 21. Stock des Bredero-Hochhauses am Raschplatz wohnt Paul Oppenheim. „Natürlich macht man sich Gedanken nach den Bildern von London, wenn man selbst so hoch über der Stadt wohnt“, sagt der 62-Jährige. Die Bilder des verheerenden Feuers mit inzwischen mindestens 30 Toten in dem Londoner Sozial-Hochhaus gingen um die Welt.

In einem rasanten Tempo fraßen sich die Flammen dort durch die Fassadendämmung. Hannover hat zwar weniger Hochhäuser als London, aber auch hier wohnen Menschen in Hochhausetagen - im Roderbruch, der Südstadt, der City oder in Hainholz. Kann solch ein Feuer auch hier passieren?

0b6889fa-50ba-11e7-b870-8d64d1d73437

Mit 200 Feuerwehrmännern und Dutzenden Löschfahrzeugen kämpfte die Feuerwehr im Zentrum Londons gegen einen Großbrand. Ein 24-stöckiges Hochhaus stand seit den frühen Morgenstunden in Flammen.

Zur Bildergalerie

Wirklich ausschließen kann das naturgemäß niemand. „Aber die Bauordnungen der Bundesländer beinhalten gerade im Hochhausbereich besonders strikte Vorschriften, was die Fassaden, die Rettungswege und technische Anlagen wie etwa Sprinkler betrifft“, sagt Hannovers Baudezernent Uwe Bodemann. Seine Behörde ist verantwortlich für die Einhaltung der Brandschutzvorschriften etwa in Bauanträgen. Doch sie kümmert sich nicht alleine. 32 Mitarbeiter der hannoverschen Berufsfeuerwehr sind zuständig für den vorsorglichen Brandschutz in der Stadt - und auch für Kontrollen.

Dämmsysteme: Große Probleme bei Feuer

Mit Wärmedämmverbundsystemen hat die Feuerwehr große Probleme. Sie gelten zwar als schwer entflammbar – aber wenn sie erst mal brennen, sind sie kaum zu löschen. „Da hängt quasi Erdöl in fester Form an der Fassade“, sagt Feuerwehrchef Claus Lange. Vor einigen Jahren hatte es in der Lindemann-allee im ersten Stock eines gedämmten Hauses gebrannt.

„Das Feuer schlug über die Fassade bis in die zweite und dritte Etage“, erinnert sich Lange. Inzwischen sind über Fenstern sogenannte Brandriegel aus mineralischer Dämmung Standard, damit sich das Feuer nicht zu schnell ausbreitet.
Bei Hochhäusern sind Wärmedämmverbund-systeme aber ohnehin nicht zugelassen. Als Hochhaus gilt ein Gebäude, bei dem die oberste Geschossdecke mindestens 21 Meter über der Erde liegt.  

„Das sind keine Schreibtischtäter“, sagt Feuerwehrchef Claus Lange. „Sie prüfen die Einhaltung der Brandschutzvorschriften und gehen regelmäßig alle ein bis zwei Jahre in die Gebäude zum Prüfen.“ In London war, so weit man bis heute weiß, Dämmmaterial aus brennbarem Polyethylen eingebaut. Der Quadratmeterpreis soll 22 Britische Pfund betragen haben. Für etwa 24 Pfund pro Quadratmeter hätte man zumindest schwer entflammbare Dämmung montieren können. In den USA ist das Material für Hochbauten verboten, auch in Deutschland dürfe bei Hochhäusern nur unbrennbares Material verbaut werden, etwa mineralische Dämmungen wie Steinwolle, sagt Lange. In London soll zudem eine Luftlücke zwischen Dämmung und den Fassadenplatten dafür gesorgt haben, dass das Feuer sich wie im Schlot rasant ausgebreitet hat.

Kaum Kontrolle ohne Bauantrag

Das Problem sind Instandhaltungsmaßnahmen. Für die muss man auch in Deutschland in bestimmten Fällen keine Baugenehmigung beantragen. „Ohne Bauantrag aber haben wir kaum Kontrolle, welches Material verbaut wird - wir müssen uns auf die Verantwortung der Architekten verlassen“, sagt Feuerwehrchef Lange. Das Londoner Hochhaus war gerade energetisch saniert worden, dabei soll die neue Dämmung installiert worden sein.

Auch das Bredero-Hochhaus wird gerade umgebaut. Weil es sich um eine Umnutzung handelt - von Etage sechs bis 16 werden Wohnungen eingebaut - geht das aber nur mit Bauantrag. Wohnungseigentümer Oppenheim macht sich denn auch nicht wirklich Sorgen. „Ich vertraue darauf, dass die deutschen Vorschriften uns vor solch einer Katastrophe schützen“, sagt er.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hannover