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Hat das Warten auf den Facharzt ein Ende?

Neue KVN-Servicestelle Hat das Warten auf den Facharzt ein Ende?

Wer einen Termin bei einem Facharzt benötigt, muss mitunter Wochen – wenn nicht sogar Monate – darauf warten. Eine neue Servicestelle soll nun die Wartezeit bei Fachmedizinern verkürzen. Innerhalb von vier Wochen sollen Patienten einen Termin zugewiesen bekommen.

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Oft dauert es lange, bis Kassenpatienten im Wartezimmer eines Facharztes landen.

Quelle: dpa

Hannover. Vom 25. Januar an hilft eine Telefonzentrale Kassenpatienten bei der Suche nach einem Facharzt. Die „Terminservicestelle“ dürfen Versicherte in Anspruch nehmen, die eine speziell gekennzeichnete Überweisung ihres Hausarztes haben. Unter der Telefonnummer (05 11) 56 99 97 93 vermittelt ein Callcenter im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt oder – falls das nicht gelingt – in einem Krankenhaus.

Die KVN macht keinen Hehl daraus, dass sie den neuen Service für überflüssig hält. „Wir haben das nicht gewollt“, sagte Vorstandschef Mark Barjenbruch am Donnerstag. „Aber wir werden das umsetzen.“ Mit der Neuregelung hat der Gesetzgeber auf Beschwerden reagiert, Kassenpatienten müssten zu lange auf Termine warten. Zuletzt hatte eine Stichprobe der Grünen in 350 bayerischen Praxen ergeben, dass Privatversicherte im Schnitt drei Wochen früher bei einem Facharzt vorgelassen werden.

Zwölf Ziffern auf dem Überweisungsformular sind künftig der Schlüssel für die zentrale Terminvereinbarung innerhalb von vier Wochen.

Zwölf Ziffern auf dem Überweisungsformular sind künftig der Schlüssel für die zentrale Terminvereinbarung innerhalb von vier Wochen.

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Nach Einschätzung der KVN handelt es sich jedoch um eine „Phantomdebatte“: Die Facharztpraxen seien voll – daran könne auch eine zentrale Terminvergabestelle nichts ändern, hieß es. Eher werde die neue Einrichtung das Problem noch verschärfen. „Die medizinische Dringlichkeit spielt bei der Überweisung leider keine Rolle“, sagte KVN-Vize-Chef Jörg Berling. Der Hausarzt dürfe eine Überweisung nur verweigern, wenn er sicher sei, dass eine Bagatellerkrankung vorliege: „Wir müssen also den Richter spielen.“ Aus Vorsicht könnten viele Mediziner das Formular ausfüllen – möglicherweise müssten dadurch vergleichsweise kränkere Patienten, die es auf eigene Faust beim Facharzt versuchten, länger warten, sagte Berling.

Für kürzere Wartezeiten müssen die Versicherten auch Nachteile in Kauf nehmen: „Es wird keine Termine bei Wunschärzten, zu Wunschzeiten oder in Wunschregionen geben“, sagte Barjenbruch. Die Patienten werden an Mediziner vermittelt, die Zeit haben und mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb einer halben Stunde erreichbar sind – bei spezialisierten Fachärzten wie Radiologen gilt auch eine Anfahrt von 60 Kilometern als zumutbar. Wenn die Versicherten einen Termin nicht noch am Tag der Vermittlung absagen, muss ihnen die Servicestelle keinen neuen anbieten.

Facharzttermine

Eine neue Servicestelle soll die Wartezeit bei Fachmedizinern verkürzen. Werden Sie das Angebot nutzen?

Die KVN rechnet damit, jährlich 500.000 Versicherten einen Termin beim Facharzt zu vermitteln. Das würde bedeuten, dass höchstens 3 Prozent aller Patienten das neue Angebot nutzen. Das Callcenter stellt sich auf 500 bis 3000 Anrufe am Tag ein. Die KVN hofft darauf, dass die rund 6000 Fachärzte in Niedersachsen jeweils zwei Termine in der Woche für die zentrale Vermittlung frei halten. Für die Behandlung dürfen sie mit einem Honorarzuschlag rechnen – dafür sind bis zu 2 Millionen Euro aus dem KVN-Budget eingeplant. Scheitert die Terminvergabe, müssten die niedergelassenen Mediziner bis zu 13 Millionen Euro aus ihrer Gesamtvergütung an die Kliniken überweisen. „Da verteilen wir lieber weniger Geld untereinander um“, hieß es.

So arbeitet die Terminservicestelle

Ohne den Code geht nichts: Die Terminservicestelle ist vom 25. Januar an unter der Telefonnummer (05 11) 56 99 97 93 von Montag bis Freitag zwischen 8 und 18 Uhr erreichbar. Ab April soll die Vermittlung auch über das Internet laufen (www.meinfacharzttermin.de). Das Callcenter vermittelt für gesetzlich Krankenversicherte nur Termine bei Fachärzten – mit Ausnahme von Zahnärzten, Kieferorthopäden und Psychotherapeuten. Patienten, die einen Augenarzt oder Gynäkologen aufsuchen möchten, benötigen dafür keine spezielle Überweisung – alle anderen brauchen ein Formular mit einem zwölfstelligen Code. Dieser ist sozusagen der Zugangsschlüssel für die Terminvermittlung. Die Servicestelle erfragt die Postleitzahl des Patienten und sucht nach einem Termin bei einem Arzt der gewünschten Fachrichtung innerhalb eines Umkreises von maximal 60 Kilometern. Sollten die Mitarbeiter nicht fündig werden, müssen sie den Patienten zur ambulanten Behandlung an ein Krankenhaus überweisen.

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