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Warum spielt Üstra-Betriebsratschefin „Dr. Amore“?

Für Werbefirma Warum spielt Üstra-Betriebsratschefin „Dr. Amore“?

In der Üstra-Affäre rund um undurchsichtige Auftragsvergaben und personelle Seilschaften ist jetzt ein weiteres pikantes Detail ans Licht gekommen. Die Üstra-Betriebsratsvorsitzende ist auf der Internetseite der Werbefirma, die in die Rock-Affäre verwickelt ist, in einer merkwürdigen Rolle zu sehen.

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„Dr. Amore“: Die Betriebsratsvorsitzende der Üstra machte bei einem Fotoshooting der Werbeagentur mit, die im Verdacht steht, auf nebulösen Wegen den Auftrag für die Üstra-Rock-Kampagne bekommen zu haben.

Hannover. Ausgerechnet für jene Werbeagentur, der eine Üstra-Mitarbeiterin einen Auftrag zugeschanzt haben soll, posiert die Üstra-Betriebsratsvorsitzende Denise Hain. Auf der Internetseite der Agentur ist Hain als „Dr. Amore“ mit Arztkittel abgebildet. Ihr Name wird nicht genannt, ein beigefügter Text erzählt eine abstruse Geschichte über eine Buschärztin, die Menschenleben rettet. Es bleibt unklar, worauf Text und Bild eigentlich hinweisen. Hain aber ist zugleich stellvertretende Aufsichtsratschefin der Üstra und könnte die Nachfolge von Arbeitsdirektor Wilhelm Lindenberg antreten, wenn dieser spätestens Ende kommenden Jahres in den Ruhestand geht. Auch Lindenberg war einst Betriebsratsvorsitzender, aktuell rutscht er zusammen mit Vorstandschef André Neiß in den Strudel einer Vergabeaffäre.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bei der Üstra wegen des Verdachts auf Korruption und hat bei einer Razzia in den Büros bereits Unterlagen beschlagnahmt. Die Beamten gehen dem Vorwurf nach, dass die Leiterin für interne Kommunikation bei der Üstra der Werbeagentur ihres Mannes einen lukrativen Auftrag zugespielt haben soll - die Kampagne „Üstra rockt“. Der Üstra-Vorstand war der Ansicht, keine Fehler begangen zu haben, ein vom Aufsichtsrat eingesetzter Gutachter aber sieht rechtliche Verstöße. Mittlerweile kam heraus, dass die Mitarbeiterin stille Teilhaberin der Werbeagentur ihres Mannes ist, von den Aufträgen also auch unmittelbar profitiert.

Für die Kampagne „Üstra rockt“ sind damals etliche Fotos von Mitarbeitern des Verkehrsunternehmens entstanden. Aber vermutlich keine, auf denen eine Betriebsratsvorsitzende einen Arztkittel trägt. Die Kampagne hatte zum Ziel, mehr Frauen für die Berufe bei der Üstra zu begeistern. Daher trugen alle männlichen Models auf den Plakaten Röcke.

In Aufsichtsratskreisen löst der Auftritt der Betriebsratsvorsitzen als Modell für die Werbeagentur Kopfschütteln aus. „Frau Hain muss sich erklären. Ich will wissen, wie das zustande gekommen ist“, fordert Aufsichtsrätin Brigitte Nieße (Grüne). Ein anderes Mitglied empfindet das Posieren als befremdlich, vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Vergabe-Affäre. Frau Hain müsse sich jetzt viele Fragen gefallen lassen, sagt er. Silke Gardlo, für die SPD im Aufsichtsrat, meint, dass Hain womöglich in ihrer Freizeit das Bild für die Agentur machen ließ. „Dennoch bin ich nicht so glücklich mit dem Auftritt“, sagt Gardlo. Es müsse aufgeklärt werden, in welchem Rahmen das Foto entstanden sei. Dem Vernehmen nach soll kein Geld der Agentur an die Üstra-Mitarbeiterin geflossen sein. Die Üstra bezog gestern nicht Stellung, die Betriebsratsvorsitzende war für die HAZ nicht zu erreichen.

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