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„Zu alt? Hallo, wir leben noch!“

Andy Borg über seinen Abschied als „Musikantenstadl“-Moderator „Zu alt? Hallo, wir leben noch!“

Seit 2006 moderiert Andy Borg den „Musikantenstadl“ als Nachfolger des legendären Karl Moik. Überraschend beschlossen die Intendanten der drei Sender ARD, ORF und Schweizer Fernsehen im März, dass Borg aus Altersgründen aufhören muss.

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Andy Borg absolvierte einst eine Lehre als Mechaniker. Bei einer Talentshow wurde er für das Schlagergeschäft entdeckt.

Quelle: dpa

Hannover. Emotional verabschiedete sich der 54-jährige gebürtige Wiener am 28. März bei seinem vorletzten „Stadl“: „Man kann mir den ,Musikantenstadl’ wegnehmen, aber niemals mein Publikum.“ Zuschauer intendierten „Andy, Andy“-Chöre und hielten Schilder hoch mit der Aufschrift „Wir werden dich vermissen“. Davon bekam das TV-Millionenpublikum nichts mit, es blickte auf ein Testbild. Die ARD entschuldigte es mit einem „technischen Leitungsproblem“.

 
Mal ehrlich, Andy Borg: Die angebliche „Bildstörung“ beim  letzten „Musikantenstadl“, das war doch keine technische Panne?
Da frage ich zurück: Was war es denn, wenn keine Panne? Auf jeden Fall war es wie verhext. Erst stirbt mein väterlicher Freund Karl Moik, und dann teilen mir die Sender mit, dass mein letzter „Stadl“ ansteht. Ist doch klar, dass ich im ersten Moment von der Nachricht schockiert war.

 
Sie haben den „Musikantenstadl“ seit 2006 mit viel Herzblut und Humor moderiert. Haben Sie gezählt, wie viele Sendungen es waren?
Nein, aber es müssen knapp 50 gewesen sein.

 
Am nächsten Sonnabend moderieren Sie Ihren letzten „Stadl“. Abschied ist ein scharfes Schwert – um es mit Roger Whittaker zu sagen. Wie hart traf Sie die Entscheidung, die Sendung mit Ihnen zu beenden?
Ach, ich bin ein Gewohnheitstier. Und als Wiener sogar ein großes Gewohnheitstier. Da hockt man sich gerne hin und denkt, es könnte doch schön so weitergehen.

 
Sie haben sich über die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ORF und SRF und deren Entscheidung gegen Sie sehr zurückhaltend geäußert.
Ich bin von Natur aus nett und zurückhaltend. Und Gerüchte, der „Stadl“ werde eingestellt, hat es doch schon seit der ersten Sendung gegeben. Die Intendanten sind auch nur Menschen, deshalb spüre ich keinen Zorn auf sie. 

Es hieß, der „Stadl“ solle entstaubt werden. Ihr Konter: „Jetzt bin ich also nicht nur alt, sondern auch noch verstaubt.“
Jaha, gut, oder? Ist doch wohl klar, dass ich auch mit Ironie kontere.

 
Die Intendanten sagten, der „Stadl“ soll verjüngt werden. Sind 54 Jahre wirklich alt, oder geht es um das gefühlte Alter?
Zu alt? Da sage ich nur: Hallo, wir leben noch!

 
2006 starteten Sie in der ARD mit mehr als fünf Millionen Zuschauern, heute sind es gut vier Millionen. Hat sich das Konzept des „Stadls“ abgenutzt?
Dieses Argument lasse ich nicht gelten. Andere Shows haben mehrere Millionen eingebüßt. Bei uns sind die Quoten auch gesunken, aber das ist eher den veränderten Sehgewohnheiten geschuldet.

 
Hilft Ihnen Ihr Humor, Ihr Wiener Schmäh bei der Verarbeitung?
Absolut. Ich bin am Stadtrand von Wien geboren. Für mich war doch eigentlich ein Leben vorgesehen, das so aussieht: Geburt – Schule – Lehre – Heirat – Arbeit – Beerdigung. Nun habe ich dieses tolle Leben, bin ständig auf Tour. Es wäre doch vermessen zu klagen. 

 
Sie sagen: „Stadl 2.0“ ist, als würde man ein brandneues Betriebssystem in einen Commodore 64 einbauen.“
Ist gut, gell? Ich bin gerade hier im Tonstudio, da gibt es auch hin und wieder mal ein neues Betriebssystem. Und was passiert? Neue Software, aber die alten Lieder sind weg. Neues ist doch nicht automatisch gut!

 
Ihre Nachfolger im „Stadl“ stehen fest. Francine Jordi und Alexander Mazza starten am 12. September.
Die Francine Jordi habe ich schon gesehen, den Alexander Mazza kenne ich nicht.

 
Wer Ihren  Facebook-Auftritt verfolgt, sieht die vielen Zuschriften treuer Fans.
Das ist schon eine tolle Sache. So viel Aufmunterung, so viel ehrliche Freude.

 

Interview: Harald John

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