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Thema des Tages: Digitaler Nachlass

Hinterlassenschaften im Internet Thema des Tages: Digitaler Nachlass

Stirbt ein geliebter Mensch, gilt es zu klären, was mit Auto und Haus und anderen materiellen Gütern geschieht. Doch was ist mit dem Facebook-Profil oder dem Twitter-Acount?

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Erben müssen nicht nur den materiellen, sondern auch den digitalen Nachlass sichten.

Quelle: dpa

Geht ein geliebter Mensch von uns, ist in den meisten Fällen schon vorher geregelt, wer das Geld, das Auto oder das Haus erbt. Aber wie sieht es mit den digitalen Hinterlassenschaften im Internet aus? Was geschieht mit Konten in den sozialen Netzwerken, was mit den Email Konten? So müssen Erben heutzutage nicht nur den materiellen sondern auch den digitalen Nachlass sichten.

Hat der Verstorbene einen E-Mail-Account bei Google-Mail so beginnt ein äußerst mühseliges Verfahren das laut Google Monate dauern kann. In manchen Fällen ist es sogar unmöglich, den Inhalt des Kontos zur Verfügung zu stellen. „Rechtlich ist das komplex,“  sagt Johanna Feuerhake, Fachanwältin für Medienrecht aus Göttingen. „Da muss man zwischen zwei verschiedenen Sachen unterscheiden: den Sachen, die das Persönlichkeitsrecht berühren, und Sachen, die durch die Gesamtrechtsnachfolge auf den Erben übergehen.“

Das Problem: Hier kollidiert das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), in dem das Erbrecht geregelt ist, mit dem Telekommunikationsgesetz (TKG), das das Persönlichkeitsrecht im Auge hat. Nach dem TKG nämlich dürfen Internetanbieter persönliche Daten gar nicht herausgeben, weil sie zum Beispiel das Fernmeldegeheimnis verletzen könnten. „Gibt es Kernbereiche der Persönlichkeit, die so intim sind, dass sie nach dem Tod niemanden etwas angehen?“, fragt Feuerhake und vergleicht Posts, E-Mails und online gestellte Fotos mit einem Schuhkarton, in dem private Briefe aufbewahrt werden. „Da sind wir bei höchst sensibler Kommunikation.“ Auch durch einen Erbschein wird dieses Problem möglicherweise nicht gelöst.

Aussagekräftige Urteile oder gar eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes zum digitalen Nachlass gibt es bislang nicht. Eine Anpassung der Gesetzgebung hält Feuerhake allerdings nur insofern für nötig, dass er den Konflikt zwischen dem BGB und dem TGK auflöst und hier für Klarheit sorgt.

Wenn ein Mensch stirbt, lebt seine digitale Identität weiter, sofern sich die Angehörigen nicht darum kümmern. Die Zugänge zu kündigen, ist aber oft gar nicht so einfach. „Das meiste lässt sich über einen Erbschein regeln“, so Feuerhake. Schwieriger wird es bei ausländischen Unternehmen, denn diese verlangen möglicherweise eine beglaubigte Übersetzung. Hier müssen die Erben individuell über das Vorgehen entscheiden Eine einheitliche rechtliche Regelung gibt es bislang aber nicht.

Der Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv) hat vor Kurzem eine große Online-Kampagne unter dem Titel „#machtsgut“ gestartet. Dort erfahren Interessierte unter anderem, dass alle drei Minuten in Deutschland ein Facebook-Nutzer stirbt, ohne dass geregelt ist, was mit geposteten Inhalten, Likes und Fotos passiert. In Zukunft werden es noch mehr werden, ist sich auch Medienanwältin Feuerhake sicher: „Das ist ein Problem, das zukünftige Generationen betreffen wird.“

Von Axel Wagner und Sebastian Wels

Google und Youtube   Twitter   Facebook

Ein Google-Konto lässt sich in einen inaktiven Status versetzen, der jedoch beantragt werden muss. Müssen die Hinterbliebenen dies erledigen, wird unter anderem eine Kopie des Ausweises der verstorbenen Person und eine ins Englische übersetzte Sterbeurkunde benötigt.

Um diesen Prozess einfacher zu gestalten, gibt es bei einem Google-Konto die Möglichkeit, eine Nachlass-Automatik einzustellen. So kann der Nutzer einstellen was nach drei, sechs oder zwölf Monaten ohne Anmeldung beim Google-Dienst mit seinem Konto passiert: https://www.google.com/settings/u/0/account/inactive.

Der Besitzer des Kontos bekommt dann eine SMS an eine vorab angegebene Nummer zugesandt. Bleibt diese unbeantwortet, passiert vorher Definiertes: Hat man die Löschung des Kontos eingestellt, werden alle Inhalte und Kommentare bei Google+, YouTube und alle Artikel auf Blogger.com gelöscht.

Google Mail antwortet auf alle eingehen Emails mit einem vorab formulierten Text. Der Nutzer kann bis zu zehn Personen angeben die Google über die Inaktivität ihres Kontos benachrichtigen soll. Diesen Personen kann ebenso zugriff auf das Konto gewährt werden.

  Der Kurznachrichtendienst stellt besonders hohe Anforderungen. Hinterbliebene müssen eine Sterbeurkunde, eine Ausweis- und eine Führerscheinkopie sowie eine notarielle Beglaubigung vorweisen, die eine Beziehung zum Verstorbenen belegt. Kommt es zu einem Rechtsstreit, gelten die Gesetze am Sitz des Unternehmens im kalifornischen San Francisco.  

Das soziale Netzwerk Facebook bietet Hinterbliebenen zwei Optionen an, wie sie mit dem Konto der Verstorbenen verfahren können. Zum Einen kann man die Seite in einen sogenannten Gedenkzustand versetzen lassen.

https://www.facebook.com/help/contact/ 651319028315841

https://www.facebook.com/help/contact/? id=228813257197480

Den Wechsel in diesen Zustand bekommen alle Facebook-Freunde als Status-Meldung mitgeteilt. Ist das Konto einmal in diesem Status, kann sich niemand mehr einloggen und nur noch Freunde können etwas schreiben.

Zusätzlich kann man auch die komplette Deaktivierung/Löschung des Kontos beantragen. Hierfür werden aber zusätzlich zum Antrag noch Sterbeurkunde, Geburtsurkunde des Verstorbenen oder einen anderen Berechtigungsnachweis benötigt.

         

Zugangsdaten hinterlassen

Medienanwältin Johanna Feuerhake rät Internetnutzern dazu, ihre digitalen Erbangelegenheiten schon vorab zu regeln, um Unklarheiten und Problemen vorzubeugen. „Es ist wichtig, dass man seinen Stall ordentlich hinterlässt.“ Dazu stellen die meisten Portale inzwischen Passende Werkzeuge bereit.

  • E-Mail: Die deutschen Mail-Anbieter GMX und Web.de gewähren nach Angaben des Verbraucherzentrale-Bundesverbands bei Vorlage eines Erbscheins Zugriff auf die Postfächer und können diese auch löschen. Beim amerikanischen Anbieter Yahoo erhält man als Erbe zwar keinen Zugriff auf das Konto, kann es aber bei Vorlage einer Sterbeurkunde löschen lassen.
  • Testament: Der digitale Nachlass sollte Teil des Testaments werden. Die Stiftung Warentest rät dazu, eine oder mehrere Personen zu bestimmen, die im Fall des Ablebens Zugriff auf alle Onlinekonten haben. Besonders wichtig ist der Zugang zum E-Mail-Account, aber auch die Zukunft der Konten bei Facebook, Twitter oder Google+ sollten geregelt sein. Wie soll mit Fotos und Videos verfahren werden? Was passiert mit digitalen Abos? Wichtig dabei: Um Rechtswirksamkeit zu erlangen, muss das Testament handschriftlich verfasst und im Beisein eines Zeugen unterzeichnet werden, der ebenfalls unterschreibt.
  • Passwörter: Der Verbraucherzentrale-Bundesverband empfiehlt, für die Erben eine Liste mit sämtlichen Zugangsdaten und eine Übersicht der Digital-Abos zu hinterlassen. „Das ist für die Erben der einfachste Weg, die Accounts zu löschen“, so Sabine Petri, Referentin für Datenschutz bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegenüber der dpa. „Diese Liste sollte man am besten da abheften, wo man seine anderen Dinge ablegt.“ Auch ein Passwortmanager, ein sicheres Programm zur Verwaltung aller Passwörter, kann dabei helfen.
  • Externe Dienstleister: Inzwischen gibt es auch spezielle Dienstleister, die sich im Auftrag von Angehörigen um den digitalen Nachlass kümmern. Die Kosten dafür liegen zwischen 50 und 250 Euro. „Das wird auch gern von Bestattungsunternehmen angeboten“, weiß Verbraucherschützerin Petri. Experten raten jedoch von Angeboten dieser Firmen ab, da sie häufig nur den ersten Schritt unternehmen und bei Anbietern nachfragen können, ob ein Account des Verstorbenen vorliegt.

Von Axel Wagner und Sebastian Wels

 
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