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Jugendliche im Gaza-Streifen schüren Revolution im Internet

Überspringender Freiheitsfunke Jugendliche im Gaza-Streifen schüren Revolution im Internet

Präsidentensturz in Tunesien, blutige Demonstrationen in Ägypten: Der Freiheitsfunke ist längst auch auf die Jugend in Gaza übergesprungen. Allerdings lässt sie ihrer Wut im Internet freien Lauf - denn öffentliche Proteste könnten tödlich enden.

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Seit den Protesten in Ägypten wird die Grenze zum Gaza-Streifen schärfer kontrolliert.

Quelle: dpa

Das F-Wort kommt wie aus einem Maschinengewehr geschossen. „Fick dich Hamas, Fick dich Israel, Fick dich Fatah, Fick dich Vereinte Nationen, Fick dich Flüchtlingshilfswerk und Fick dich USA“, heißt es in einem „Manifest für den Wandel“. Der verbale Rundumschlag und die geballte Frustentladung sind derzeit ein Renner auf Computern im Gazastreifen. Mehr als 18.600 Mal ist die Seite „Gaza youth breaks out“ (Die Gaza-Jugend bricht aus) im sozialen Netzwerk Facebook bislang angeklickt worden.

Die zentrale Botschaft dürfte auch die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas-Organisation alarmieren: „Eine Revolution wächst innen in uns, eine immense Unzufriedenheit und Frustration, die uns zerstören wird, es sei denn wir finden einen Weg, diese Energie zu kanalisieren in etwas (...), das uns irgendeine Art von Hoffnung geben kann.“

Fünf junge Männer und drei Frauen aus dem Gazastreifen stecken hinter dem Projekt. Ihre Namen wollen sie vorsichtshalber nicht veröffentlicht wissen. Die radikal-islamische Hamas-Organisation herrscht im Gazastreifen nämlich mit eiserner Faust. Das Manifest klingt wie eine Abrechnung: „Hier in Gaza haben wir Angst, ins Gefängnis zu kommen, verhört, geschlagen, gefoltert, bombardiert, getötet zu werden. Wir haben Angst zu leben, weil jeder einzelne Schritt, den wir tun, wohl durchdacht sein muss.“

Der letzte Tropfen auf einen heißen Stein sei die Schließung des Scharek-Jugendzentrums in Gaza am 30. November 2010 gewesen, berichtet die Gruppe. Sicherheitskräfte der Hamas hätten dann am 5. Dezember noch eine Demonstration gegen die Entscheidung gewaltsam aufgelöst. 16 Freunde seien festgenommen worden.

In 21 Sprachen ist das Manifest bislang übersetzt worden, darunter auch in solch exotische wie Chinesisch. Die Gruppe hofft jetzt vor allem auch auf Unterstützung aus dem Ausland. Im arabischen Original kommt übrigens das F-Wort nicht vor. Die Übersetzung heißt eher: „Verderben über sie“ oder „zur Hölle mit ihnen“.

Als „größtes Freiluftgefängnis der Welt“ wird der Gazastreifen oft von Menschenrechtsorganisationen beschrieben. Das kleine Palästinensergebiet mit seinen mehr als 1,5 Millionen Einwohnern ist praktisch von der Außenwelt abgeriegelt. Acht von zehn Einwohnern gelten als arm. Seit die Hamas im Juni 2007 mit blutiger Gewalt die Macht übernommen hatte, sind die Grenzen nach Israel und Ägypten geschlossen. Wer reisen möchte, braucht eine Genehmigung und sollte in der Regel jünger als 16 oder älter als 35 Jahre alt sein. Dies erklärt unter anderem, warum die junge Generation so aufmuckt.

„Wir sind wie Läuse zwischen zwei Nägeln, leben einen Alptraum in einem Alptraum, ohne Raum für Hoffnung, ohne Raum für Arbeit“, heißt es in der deutschsprachigen Übersetzung. „Wir sind krank und müde, ein beschissenes Leben zu leben, von Israel in einem Gefängnis gehalten, von der Hamas zusammengeschlagen und und vom Rest der Welt komplett ignoriert zu werden“, gibt die Gruppe Einblick in ihr Gefühlsleben.

Dass die Gruppe einen heißen Tanz auf einem Vulkan vollführt, ist den Mitgliedern durchaus bewusst. Ein junge Frau bittet darum, weder ihr Alter noch andere persönliche Angaben zu nennen. Sie sei einfach eine Studentin, sagt sie. Die junge Frau hat eine Heidenangst, in einem der berüchtigten Gefängnisse zu landen. „Sie setzen jeden hinter Gittern, der protestiert oder demonstriert“, sagt sie. Andere Gruppenmitglieder haben für den Fall der Fälle den Angriff mit der Verteidigung gepaart.

„Wir wollen niemand verletzten. Wir respektieren alle unabhängig von Religion, Rasse, Hautfarbe und politischer Zugehörigkeit. Leider sind wir missverstanden worden. Unsere Botschaft richtete sich gegen Israel und nicht gegen die Hamas oder Fatah“, sagen sie.

dpa

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