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Diese Geschwisterliebe rührt Millionen

„Love Your Sister“ Diese Geschwisterliebe rührt Millionen

Der australische Schauspieler Samuel Johnson kämpfte lange für seine krebskranke Schwester Connie – er gab seinen Job auf und sammelte mit ganz besonderen Aktionen Millionen Dollar für die Erforschung der tödlichen Krankheit. Doch die Geschichte der Geschwister hat kein Happy End.

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Samuel Johnson und seine Schwester Connie kämpften gemeinsam gegen den Krebs.
 

Quelle: Love Your Sister

Sydney.  Samuel Johnson will weitermachen. Schließlich ist das Ziel, 10 Millionen australische Dollar für die Krebsforschung zu sammeln, noch nicht erreicht. Seinem persönlichen Anliegen wird das Geld nicht mehr helfen können. Denn der Grund, warum der 39-jährige australische TV-Schauspieler so viel Energie in die Spendenaktion steckt, existiert nicht mehr. Am vergangenen Freitag starb seine ein Jahr ältere Schwester Connie an Krebs.

Die Geschichte der Geschwister bewegt in Down Under Millionen Menschen. Vor vier Jahren gründeten die beiden die Wohltätigkeitsorganisation „Love Your Sister“, um dem Krebs, der die Familie seit ihrer Kindheit begleitet, den Kampf anzusagen. Als Elfjährige bekam Connie die Diagnose Knochenkrebs, mit 22 Jahren erkrankte sie an Gebärmutterkrebs und 2007 schließlich unheilbar an Brustkrebs. Die Ärzte gaben der damals 33-Jährigen noch einige Wochen, höchstens aber ein Jahr lang zu leben. Johnson, der mittlerweile ein erfolgreicher Schauspieler geworden war und sich in Serien wie „The Secret Life of Us“, „Rush“ oder „Molly“ in die Herzen von Millionen Australiern gespielt hatte, machte eine Pause vom Schauspiel und begab sich stattdessen auf eine außergewöhnliche Reise: Auf einem Einrad radelte er 364 Tage lang in einem pinkfarbenen T-Shirt fast 16 000 Kilometer durch Australien. Johnson wollte damit die Frauen des Landes daran erinnern, regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. Mit der Aktion brach er einen Weltrekord und sammelte eineinhalb Millionen Dollar (über eine Million Euro) Spenden für „Love Your Sister“ ein.

Auf dem Einrad führ Johnson quer durchs Land – und sammelte so 1,5 Millionen Dollar ein

Auf dem Einrad führ Johnson quer durchs Land – und sammelte so 1,5 Millionen Dollar ein.

Quelle: Love Your Sister

Um seine Schwester weiter zu unterstützen und Geld für die Krebsforschung zu sammeln, hängte er 2016 seine Karriere sogar ganz an den Nagel. „Ich kann nicht im Fernsehen schauspielern, während unsere Familie zusammenfällt“, sagte er damals. „Krebs ist das letzte wirkliche Rätsel unserer Zeit, ich will daran beteiligt sein, es ein für alle Mal zu lösen.“

Auf Facebook verfolgten mehr als eine halbe Million Menschen die Leidensgeschichte der Johnsons. In den letzten Wochen vor Connies Tod schrieb der Schauspieler einen Brief, in dem er ihr für „die Erinnerungen, das Lachen und all die unvermeidbaren Tiefen und verrückten Höhen“ dankte. „Danke dir dafür, dass du mir gezeigt hast, dass das Leben das ist, was wir daraus machen.“ Er wünschte, er könne ihren Schmerz lindern oder ihr die Angst nehmen.

„Love Your Sister“ will 10 Millionen Dollar zusammen bekommen

Auch Connie selbst schrieb immer wieder auf Facebook: „Seit Kurzem ist es hart für mich geworden, das Positive zu sehen“, teilte sie Ende August mit. Sie könne nicht mehr gehen und auch das Atmen falle ihr wegen des Anschwellens der Leber schwer. Aufsetzen sei deswegen ein Problem. „Essen ist ein wenig wie eine Aufgabe geworden anstatt etwas, das man genießt, und ich fühle mich um meine normalen, täglichen Erlebnisse betrogen.“ Die Einträge der zweifachen Mutter und ihres Bruders bewegten die Menschen. Etliche Krebsleidende trauten sich nach eigenen Angaben zum ersten Mal, auf der Seite öffentlich über ihre Krankheit zu schreiben. Und währenddessen wuchs der Geldbetrag immer weiter: Inzwischen hat „Love Your Sister“ mehr als 7 Millionen Dollar gesammelt – und Johnson will weitermachen, bis 10 Millionen erreicht sind.

Für ihr Engagement wurden die Johnsons ausgezeichnet. 2016 bekam der Schauspieler die „Medal of the Order of Australia“, und erst am vergangenen Donnerstag – auf dem Sterbebett liegend – erhielt auch Connie dieselbe Auszeichnung. „Ihre Augen tanzten so, als wären wir noch Kinder“, schrieb ihr Bruder. Sie habe so lebendig ausgesehen. „Danach schaute sie mich von der Seite an, weil sie ihren Kopf nicht mehr so gut bewegen kann, und sagte in ihrer schwachen und rauen Stimme: ,Kannst du es glauben? Kannst du es glauben? Schau, was wir getan haben. Wir haben etwas geschafft.‘“

Einen Tag später meldete sich Samuel Johnson erneut zu Wort: „Ich bin traurig und es tut mir so leid, euch das zu sagen“, schrieb der Schauspieler. Dieses Mal hatte er keine gute Nachricht zu verkünden, sondern informierte die Follower der Seite „Love Your Sister“ vom Tod seiner 40-jährigen Schwester.

„Pinke Pusteblume“ rührte Hunderttausende

Jacky Drappeldrey aus dem bayerischen Geretsried hat bei Facebook als „Pinke Pusteblume“ schonungslos die Höhen und Tiefen ihres Krebsleidens geschildert. Die alleinerziehende Mutter einer Tochter war 25 Jahre alt, als bei ihr eine besonders aggressive Art des Brustkrebses festgestellt wurde.

Um anderen Patienten Mut zu machen, entschied sie sich, ihren Weg auf einem Facebook-Blog zu veröffentlichen. „Ich möchte etwas über diese Krankheit aufklären, weil viele nicht wissen, was es genau heißt, Krebs zu haben und damit zu leben“, schrieb Drappeldrey.

Mehr als 35 000 Follower hatte ihre Seite bei Facebook. Sie wollten sicherstellen, dass Drappeldrey nicht vergessen wird. Dafür soll ein Buch sorgen, das die Autorin Nicole Staudinger zusammen mit der Krebspatientin veröffentlicht hat. Der Titel „Pinke Pusteblume“ ist als E-Book und Taschenbuch erschienen. Der Erlös soll Drappeldreys Tochter Leonie zugutekommen.

Auch Drappeldreys Geschichte hat kein Happy End: Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Buches ist die junge Frau gestorben. „Sie ist friedlich und schmerzfrei eingeschlafen“, teilte ihre Familie auf Facebook mit. Der Blog ist inzwischen gelöscht.

Von RND/Barbara Barkhausen

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