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London: Feuerinferno erschüttert die Stadt

Hochhaus in Flammen London: Feuerinferno erschüttert die Stadt

Es sind dramatische Szenen, die sich in London abspielen: Mit 200 Feuerwehrmännern kämpft die Feuerwehr gegen einen Großbrand in einem 24-stöckigen Hochhaus. Mittlerweile hat sich die Zahl der Toten von 6 auf 12 erhöht. Scotland Yard rechnet mit weiteren Todesopfern.

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Lancaster West Estate, W11, London Mehr Infos

Ein Retter steht in dem völlig verkohlten Gebäude, in dem mindestens sechs Menschen starben, über 70 wurden verletzt.

Quelle: imago

London. Die dunklen Rauchschwaden ziehen auch am Mittag noch über West-London, Rettungskräfte löschen unermüdlich die Flammen, aber weiterhin dringt Feuer aus Fenstern dieses völlig schwarz verkohlten Wohnblocks. Medienberichten zufolge sind noch immer Menschen in dem Haus eingeschlossen, die Einsatzkräfte durchsuchen seit Stunden die obersten Stockwerke des Gebäudes. Mittlerweile fürchten viele, das Haus könnte einstürzen. „Es ist verloren“, sagt ein bestürzter Nachbar. Laut Feuerwehrchefin Dany Cotton aber halten Experten das Haus für stabil genug, um weiterhin Bewohner zu befreien. Nur wenige Stunden zuvor stand das Hochhaus lichterloh in Flammen, mehr als 200 Feuerwehrleute eilten zum Unglücksort, dazu etliche Helfer und Spezialisten. Die Bilder des Infernos sind dramatisch, die Geschichten dahinter noch mehr.

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Mit 200 Feuerwehrmännern und Dutzenden Löschfahrzeugen kämpfte die Feuerwehr im Zentrum Londons gegen einen Großbrand. Ein 24-stöckiges Hochhaus stand seit den frühen Morgenstunden in Flammen.

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Mahad Egal etwa lag im Bett, als ihn plötzlich ein Hämmern an der Tür weckte. Er öffnete und sofort schlug ihm dichter Rauch entgegen. „Wacht auf, ein Feuer“, schrie er in die Schlafzimmer. Der Brite und seine Frau banden sich nasse Handtücher um den Kopf, schnappten sich die beiden Kinder und rannten in der Dunkelheit durch den starken Rauch, der durch alle Ritzen des Hauses drang, die Treppe hinunter. Es herrschte Verwirrung, einige Nachbarn schleppten Taschen mit sich, viele schrien und weinten. Immer wieder knallte es im Gebäude aufgrund der Hitze, werden sie später berichten. Einen allgemeinen Rauchalarm hörten die Flüchtenden derweil nicht. Doch Mahad Egal und seine Familie retteten sich, während das Gebäude wie eine riesige brennende Fackel in den Nachthimmel ragte. Andere Bewohner haben es nicht geschafft. Laut Behörden gab es mindestens zwölf Todesopfer, mindestens 70 Menschen wurden mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Die Londoner Polizei geht von weiteren Todesfällen nach dem Hochhausbrand aus. „Es werden noch Menschen vermisst“, sagte Stuart Cundy von Scotland Yard am Mittwoch.

Das Problem: Offenbar lautete der Brandschutz-Hinweis an die Bewohner, dass sie im Fall eines Feuers außerhalb der eigenen Wohnung aus Sicherheitsgründen in ihren Apartments bleiben sollten. Und das Feuer war noch nicht gelöscht, da brandete bereits Kritik an den Eigentümern auf. So hätte die Bewohner-Vereinigung Grenfell Action Group in der Vergangenheit mehrmals vor Brandrisiken in dem Gebäude gewarnt, hieß es am Morgen. Das aber war offenbar vor dem Start der Sanierungsarbeiten. Das Hochhaus, ein im Jahr 1974 gebauter Wohnungsblock, wurde laut Berichten erst kürzlich für knapp 10 Millionen Pfund, mehr als 11 Millionen Euro, modernisiert. Wütende Bewohner, die alles verloren haben, wollen nicht glauben, dass so viel Geld investiert wurde. Und verweisen auf die Aluminium-Verkleidung, die das Gebäude ummantelte. Spielte sie eine Rolle? Noch handelt es sich um Spekulationen, es gibt keine bestätigten Angaben zur Brandursache.

Mütter warfen ihre Kinder aus den Fenstern

Der erste Notruf ging um 0.54 Uhr ein, innerhalb von sechs Minuten seien die ersten Löschfahrzeuge vor Ort gewesen, teilten die Rettungskräfte mit. Doch das Feuer breitete sich immer weiter aus. Es war ein Inferno: Flammen drangen aus den Fenstern des Apartmentblocks und erhellten die Dunkelheit. Trümmerteile flogen aus dem Gebäude. Menschen schrien voller Verzweiflung aus ihren Wohnungen heraus nach Hilfe, wedelten mit Tüchern und machten mit blinkenden Handys auf sich aufmerksam. Der Brand breitete sich in Minutenschnelle aus. Einige Bewohner versuchten, sich mit Hilfe von zusammengebundenen Bettlaken abzuseilen, einige sollen aus Panik gesprungen sein. Mit den Tränen kämpfende Zeugen berichten, wie Mütter ihre Kinder aus dem Fenster geworfen haben, um sie zu retten. „Es war herzzerreißend“, sagte eine Frau mit gebrochener Stimme. Samira Lamrani sah eine verzweifelte Mutter, die aus dem Fenster hinaus der wartenden, geschockten Menge am Boden andeutete, dass sie nun ihr Baby „aus dem neunten oder zehnten Stock“ fallen lassen würde. Es klingt wie ein Wunder: Ein Mann rannte nach vorne und bekam tatsächlich das Baby zu fassen.

Ein Sozialbau im Westen Londons

Londons Bürgermeister Sadiq Khan zeigte sich „am Boden zerstört über die entsetzlichen Szenen“. Es gebe viele Fragen, „die Antworten fordern“, sagte er und kündigte eine gründliche Untersuchung an.

Rund 120 Wohnungen befinden sich in dem 24 Stockwerke umfassenden, 68 Meter hohen Grenfell Tower, ein Sozialbau, im West-Londoner Viertel North Kensington. Der Unglücksort ist nur wenige Minuten von Notting Hill entfernt. Der Bezirk Kensington und Chelsea gehört zu den reichsten in Großbritannien.

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Von Katrin Pribyl/RND

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