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Stars fordern: Freiheit für den Busen

Aktionen gegen Instagram und Co. Stars fordern: Freiheit für den Busen

Jetzt kämpft auch Popdiva Madonna für nackte Brüste im Internet. Hinter der Aktion verbirgt sich mehr als der verzweifelte Versuch einer alternden Popdiva, ihrem Ruf treu zu bleiben. Madonna heizt eine schwelende Debatte über die Prüderie und Scheinheiligkeit sozialer Netzwerke an.

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„Warum ist es okay, den Hintern zu zeigen, aber nicht die Brüste? Ich ertrinke in der Scheinheiligkeit der sozialen Medien“ - Madonna wehrt sich gegen die Richtlinien von Instagram.

Quelle: dpa

Ein Zungenkuss mit Britney Spears im Fernsehen, Selbstbefriedigung live auf der Bühne oder Oralverkehr mit einer Weinflasche – Madonna ist die Königin der erotischen Provokation. Jetzt sorgt sie mit einem vergleichsweise harmlosen Bild für Schlagzeilen: Es zeigt sie mit entblößten Brüsten und emporgestreckten Armen. Die für seine rigide Jugendschutzrichtlinie berüchtigte Plattform Instagram löschte es. Die Sängerin lud daraufhin mehrere Nacktbilder von sich hoch und legte einen schwarzen Balken über ihre Brust. „Warum ist es okay, den Hintern zu zeigen, aber nicht die Brüste? Ich ertrinke in der Scheinheiligkeit der sozialen Medien“, schrieb sie unter ein Bild, das sie in lasziver Pose auf dem Rücken liegend zeigt. Unter dem Hashtag #unapologeticbitch feiern Fans sie dafür.

Madonnas Aktion lässt sich als Marketingkampagne für ihre neue Platte „Rebel Heart“ durchschauen. Wenn sie nebenbei ihren fitnessgestählten Astralkörper promoten kann, rebelliert es sich noch schöner. Doch hinter der Aktion verbirgt sich mehr als der verzweifelte Versuch einer alternden Popdiva, ihrem Ruf treu zu bleiben. Madonna heizt eine schwelende Debatte über die Prüderie und Scheinheiligkeit sozialer Netzwerke an. Ist ein Balken über einem Busen schon Zensur? Und wird eine Frau in ihren Rechten beschnitten, wenn sie sich im Netz nicht nackt präsentieren kann? Die Brustwarze ist neben der Scham die vielleicht intimste Stelle des weiblichen Körpers, Lustobjekt und Symbol für mütterliche Zuwendung zugleich.

#FreeTheNipple mit Miley Cyrus und Emma Watson

Die Obsession der Amerikaner ist auch daran abzulesen, dass nach dem „Nipplegate“-Skandal von Janet Jackson – ihre rechte Brust wurde bei ihrem Auftritt entblößt – im Jahr 2004 der Super Bowl zeitverzögert übertragen wird. Freiheit für den Busen forderten vor Madonna schon andere Promis. Sängerin Rihanna löschte ihren Instagram-Account vorübergehend, weil die Plattform ein Bild entfernt hatte, auf dem die Sängerin oben ohne für die Zeitschrift „Lui“ in einem Liegestuhl posierte. Scout LaRue Willis, Tochter von Hollywoodstar Bruce Willis, lief gar begleitet von Fotografen komplett nackt durch New York, nachdem Instagram ihren Account nach einem Busenblitzer gelöscht hatte.

So prüde ist das Internet

Instagram ist keine Ausnahme: Seit Ende März entfernt Google auf seiner Plattform „Blogger“ öffentliche Blogs mit vermeintlich sexuellem Inhalt. Nacktheit sei nur noch erlaubt, „wenn der Inhalt der Öffentlichkeit einen wesentlichen Nutzen bietet, zum Beispiel im künstlerischen, erzieherischen, dokumentarischen oder wissenschaftlichen Kontext“, heißt es in den Richtlinien.

Apple löscht ebenfalls als anstößig empfundene Apps. Die Applikation „Wobble“ wurde erst erlaubt, als die Nutzer damit nicht nur Brüste, sondern auch Ohren und Augen wackeln lassen konnten. Als die Jungen Liberalen vor einem Jahr für ein Wahlkampfplakat das berühmte Foto der „Kommune 1“ aus dem Jahr 1967 nachstellten (Bild), zensierte Facebook das Foto und legte einen Balken über die entblößten Hinterteile. Das soziale Netzwerk sperrte 2013 zudem die Seite des Pariser Museums „Jeu de Paume“ für 24 Stunden, weil es mit Brüsten für eine Ausstellung warb.

Facebook löschte 2012 ein Bild aus dem „Zeit“-Magazin, das einen Penis zeigte. In dem Artikel ging es darum, dass weibliche Geschlechtsorgane die Medien mehr interessierten als männliche. may

Bei Twitter ließen unter dem Hashtag #FreeTheNipple unter anderen die Sängerinnen Miley Cyrus und Courtney Love, die Schauspielerinnen Emma Watson Lena Dunham und das Model Cara Delevingne ihre Hüllen fallen. Man kann von einer Art Bewegung sprechen. 11.000 Mütter veranstalteten bereits im Jahr 2008 ein „virtuelles Stillen“, um gegen den Boykott entsprechender Bilder durch Facebook zu protestieren.

Zum Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen, gehört auch das Recht an der eigenen Darstellung in der Öffentlichkeit. Das Internet mit seiner Selfie-Hysterie fordert gleichsam dazu auf, dieses Recht geltend zu machen. Die gestohlenen Nacktbilder von Jennifer Lawrence und Co., die 2014 im Internet kursierten, stellten eine öffentliche Bloßstellung dar. Die von den Promis selbst veröffentlichten Busenbilder lassen sich als Rückeroberung des eigenen – nackten – Körpers verstehen.

Von Nina May

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