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Vor Supermarkt an Baum gefesselt: Flüchtling offenbar tot

Arnsdorfer Fessel-Opfer Vor Supermarkt an Baum gefesselt: Flüchtling offenbar tot

Ein junger Iraker wird von Einheimischen an einen Baum gefesselt. Der Fall macht bundesweit Schlagzeilen, die Akteure werden angeklagt. Neun Monate nach dem Vorfall ist der Flüchtling offenbar tot – erfroren im Wald.

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Leiche im Wald gefunden: Wie die Polizei mitteilte, könnte es sich dabei um einen 21-jährigen Iraker handeln, der im Mai 2016 in einem Supermarkt geschlagen, herausgezerrt und an einen Baum gefesselt wurde.

Quelle: dpa

Dorfhain/Dresden. Ein Jagdpächter hat im Tharandter Wald bei Dorfhain (Sächsische Schweiz) die stark verweste Leiche eines Flüchtlings gefunden. Laut Obduktionsergebnis starb der Mann irgendwann im Januar an Unterkühlung, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Dresden am Mittwoch mitteilten. „Er ist erfroren“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Es gebe keine Anzeichen äußerer Gewalteinwirkung und derzeit keine Hinweise auf eine Straftat. Die Leiche war am Montagabend entdeckt worden.

Mordkommission ermittelt

Anhand der bei ihr gefundenen Aufenthaltsgenehmigung gehen die Behörden davon aus, dass es sich um den jungen Iraker handelt, gegen den Einheimische vor knapp einem Jahr gewalttätig in Arnsdorf (Landkreis Bautzen) vorgegangen waren. Das Ergebnis des DNA-Abgleichs zur zweifelsfreien Identifizierung steht noch aus.

Nach einem Bericht der Dresdner Neueste Nachrichten hat die Staatsanwaltschaft Dresden ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Die Dresdner Mordkommission hat nun die polizeilichen Ermittlungen übernommen.

Prozess gegen Bürgerwehr-Mitglieder beginnt Ende April

Im Mai 2016 hatten mehrere Männer den Asylbewerber in einem Supermarkt gepackt, ihn hinausgezerrt und mit Kabelbindern an einen Baum gefesselt, weil er eine Kassiererin bedroht haben soll. Der Fall hatte bundesweit Aufsehen erregt. Gegen vier 29- bis 56-Jährige war Ende 2016 Anklage wegen Freiheitsberaubung erhoben worden, ihr Prozess beginnt am 24. April am Amtsgericht Kamenz.

Die Ermittlungen gegen das Opfer waren mangels Nachweis einer Bedrohung ebenso eingestellt worden wie diejenigen gegen den Görlitzer Polizeichef. Er hatte Verständnis für das rabiate Vorgehen gegen den vermeintlich psychisch kranken Flüchtling geäußert. Auch Untersuchungen gegen zwei Polizisten, unter anderem wegen unterlassener Hilfeleistung, wurden nicht weiterverfolgt.

Von RND/dpa

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