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IS-Miliz erobert mehrere Stadtteile von Kobane - Internationale Proteste

Sind die Dschihadisten noch aufzuhalten? IS-Miliz erobert mehrere Stadtteile von Kobane - Internationale Proteste

Kurdische Kämpfer liefern sich in Kobane Häuser- und Straßenkämpfe mit der Terrormiliz IS. Die kurdische Bastion im Norden Syriens droht schon bald zu fallen. Sind die Dschihadisten noch aufzuhalten?

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Quelle: Messinis/AFP

Kobane. Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) sind trotz internationaler Luftschläge und massiver Gegenwehr kurdischer Milizionäre in die strategisch wichtige syrische Grenzstadt Kobane eingedrungen. Wie Menschenrechtsbeobachter am Dienstag berichteten, übernahmen IS-Kämpfer mindestens drei östliche Stadtteile, in denen sie auf mehreren Gebäuden die schwarze Dschihadistenflagge hissten.

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Quelle: dpa

Kurdische Volksschutzeinheiten erklärten Kobane (arabisch: Ain al-Arab) zur "Militärzone" und brachten die noch verbliebenen Zivilisten an die nahe gelegene türkische Grenze. In zahlreichen deutschen und europäischen Städten kam es zu Protestaktionen kurdischer Gruppen. Die Einnahme der Stadt Kobane wäre für den IS strategisch wichtig: Die Terrormiliz würde damit nicht nur ein großes zusammenhängendes irakisch-syrisches Gebiet, sondern auch weite Teile der Grenze zur Türkei kontrollieren.

Die im syrischen Bürgerkrieg stark gewordene Terrormiliz beherrscht inzwischen weite Landstriche in Syrien und im Irak. Nach Angaben syrischer Menschenrechtsbeobachter übernahmen die sunnitischen IS-Extremisten in Kobane ein Industriegebiet sowie die östlichen Stadtteile Kani Araban und Makatal al-Dschadida. Gleichzeitig sei es den PKK-nahen kurdischen Volksschutzeinheiten aber gelungen, IS-Kämpfer aus einigen Straßenzügen zu vertreiben. Es gebe schwere Kämpfe um jede Straße. Im Südwesten Kobanes habe die IS-Terrorgruppe mehrere Gebäude am Stadtrand übernommen. Im Süden und Osten der Stadt soll es Luftschläge der von den USA geführten internationalen Koalition gegen die Terrormiliz gegeben haben.

Internationale Proteste

Nach Berichten der syrischen Menschenrechtsbeobachter wurden mindestens drei Gruppen von IS-Kämpfern im Süden von Kobane getroffen. Die Stadt ist die letzte Bastion in einer Enklave, die bisher von den kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde. IS-Dschihadisten haben seit September schon mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane eingenommen, rund 185 000 Menschen flohen in die Türkei. Etwa 5000 Kurden stellen sich derzeit den IS-Extremisten entgegen.

In zahlreichen deutschen und europäischen Städten gingen am Montagabend Tausende auf die Straßen, um auf die verzweifelte Lage in Kobane aufmerksam zu machen. Protestaktionen kurdischer Demonstranten gab es unter anderem in Berlin, Hamburg, Bremen, Hannover, Düsseldorf, Dortmund, Münster, Frankfurt/Main und Stuttgart. Auch in Den Haag, Brüssel, Paris, Straßburg, Basel und Wien fanden Solidaritätsaktionen statt.

In Istanbul kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal warfen in der Nacht zum Dienstag Demonstranten laut Augenzeugen Steine, die Polizei setzte Tränengas ein. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief in New York zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kobane auf. Wie ein Sprecher Bans am Montag (Ortszeit) mitteilte, appellierte der Generalsekretär dringend an alle, die die Mittel dazu hätten, sofort zum Schutz der Bevölkerung zu handeln.

dpa

Kurden besetzen vorübergehend Europaparlament

Brüssel. Um auf die verzweifelte Lage ihrer Landsleute im syrischen Kobane aufmerksam zu machen, haben einige Dutzend Kurden das Europaparlament in Brüssel besetzt. Ungefähr 50 bis 60 Demonstranten drangen am Dienstagmorgen für ungefähr eine Dreiviertelstunde in das Gebäude ein, wie Augenzeugen berichteten.

Mehrere Politiker sprachen dort nach Angaben ihrer Fraktionen mit den Demonstranten, unter ihnen die Vorsitzende der Linksfraktion Gabi Zimmer, der Fraktionschef der Sozialdemokraten Gianni Pittella sowie Abgeordnete der Grünen. Zwei bis dreihundert Kurden demonstrierten vor dem Parlament mit Sprechchören, Fahnen und Plakaten.

Nach Angaben eines Teilnehmers aus Deutschland waren etwa vierhundert Demonstranten aus ganz Europa angereist. "Wir bleiben hier, bis endlich etwas gemacht wird", sagte er. "Sie bringen alle um. Wir müssen unser Volk schützen." Die Bevölkerung sei den Angriffen der gut ausgerüsteten Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht gewachsen.

dpa

 

Fragen und Antworten: Warum Kobane so wichtig ist

Trotz internationaler Luftschläge und heftiger kurdischer Gegenwehr ist die IS-Terrormiliz in die Grenzstadt Kobane eingedrungen. Eine Übernahme wäre für das Anti-IS-Bündnis eine schwere Niederlage - auch psychologisch.

Kobane . Seit drei Wochen kämpfen kurdische Einheiten und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) um die Stadt Kobane an der türkisch-syrischen Grenze. Inzwischen wehen in einigen Stadtteilen schwarze Dschihadistenflaggen.

Warum ist Kobane für Kurden so wichtig?
Die syrischen Kurden haben den Bürgerkrieg im Land zum Aufbau eigener regionaler Machtstrukturen in den mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten genutzt. Nachdem sich die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad 2012 zurückgezogen hatten, übernahmen sie die Kontrolle und gründeten später im Norden des Landes drei "autonome Kantone".

An der türkischen Grenze kontrollierten sie wichtige Enklaven: im Nordwesten um die Stadt Afrin, im Nordosten um die Städte Hasaka und Al-Kamischli sowie im Norden um Kobane. Eine Übernahme Kobanes durch die Terrormiliz IS wäre nicht nur der Verlust einer strategisch wichtigen Versorgungsroute, sondern auch psychologisch eine schwere Niederlage.

 Wer sind die kurdischen Kämpfer, die sich den Dschihadisten entgegenstellen?
 Die etwa 5000 Milizionäre gehören vor allem den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) an. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden. Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist.

Im Kampf gegen den IS werden offenbar auch Selbstmordattentäter eingesetzt: Kurdische Aktivisten meldeten am Wochenende, dass eine Kämpferin mit einem Selbstmordanschlag Dutzende Extremisten getötet habe. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen. Die kurdischen Milizionäre in Syrien sind nicht zu verwechseln mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die im Irak gegen den IS im Einsatz sind.

 Wie ist die Lage der Zivilisten vor Ort?
Nach kurdischen Angaben ist die überwiegende Mehrheit der verbliebenen Zivilisten an die türkischen Grenze in Sicherheit gebracht worden. Kobane wurde von den Volksschutzeinheiten zur "Militärzone" erklärt. Laut türkischer Regierung sind mehr als 185 000 Menschen in die Türkei geflohen.

 Warum greift die Türkei nicht ein?
Die türkische Regierung hat den Kurden in Kobane Unterstützung zugesagt, zugleich aber klargemacht, dass sie damit in unmittelbarer Zukunft keinen Einsatz von Bodentruppen meint. Zwar hat das Parlament der Regierung ein Mandat für Militäreinsätze in Syrien und im Irak für ein Jahr erteilt.

Allerdings verlangt Ankara für einen Einsatz von Bodentruppen eine umfassende internationale Strategie, die auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus beinhaltet. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden an der türkischen Südgrenze die Keimzelle für einen eigenen Kurden-Staat legen könnten, sollte es ihnen gelingen, die Terrormiliz IS zurückzuschlagen.

 Warum schaffen es die USA und ihre Partner nicht, den IS mit Luftangriffen militärisch lahmzulegen?
Die IS-Kämpfer passen sich schnell und geschickt an die Luftschläge an. Sie verlassen Ziele, die von den USA ins Visier genommen werden und bringen Waffen und Geiseln an neue Stützpunkte. Zudem mischen sich die Kämpfer unter die Zivilbevölkerung und lassen auch viele ihrer schwarzen Flaggen wieder verschwinden.

Weil Angriffe auf die IS-Infrastruktur schwieriger werden, hat sich auch das Tempo der Luftschläge verlangsamt, sagt David Schenker vom Washington Institute for Near East Policy. Die US-Regierung hat mehrfach betont, dass der IS nicht allein aus der Luft besiegt werden kann. Dem unabhängigen US-Instituts CSBA zufolge hat der Kampf bereits zwischen 780 und 930 Millionen Dollar (620 bis 740 Millionen Euro) verschlungen.

dpa

 

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©dpa

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