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„Die Kirche muss sich weiter einmischen“

EKD „Die Kirche muss sich weiter einmischen“

Hannovers Landesbischof Ralf Meister erwartet von der EKD, dass sie „Räume des Nachdenkens“ öffnet.

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„Organisierte Sterbehilfe muss verboten werden“: Ralf Meister.

Quelle: Surrey

Hannover. Herr Meister, Nikolaus Schneider zieht sich vom Ratsvorsitz der EKD zurück, weil er seiner an Krebs erkrankten Frau stärker beistehen möchte. Er wäre sogar bereit, aus Liebe - gegen seine Überzeugung - Sterbehilfe zu leisten. Meinen Sie, dass dieser Vorgang die Haltung der Kirche zur Sterbehilfe verändern kann?
Die Position der EKD formuliert recht eindeutig, dass jede Form organisierter Sterbehilfe verboten werden sollte. Das schließt die Situation eines ethischen Dilemmas nicht aus, dass in einer persönlichen Gewissensentscheidung aus Liebe bestimmte Positionen in Frage gestellt werden können. So wichtig rechtliche Regelungen sind, so wenig werden sie auch in Zukunft ein Ethos stiften, das dem Sterbenden seine Würde bis zum Schluss bewahrt. Dafür braucht es menschliche Begleitung und eine weitere Sensibilisierung für den Umgang mit Krankheit und Endlichkeit.

Sollte sich die evangelische Kirche stärker als bisher in die Diskussion um die Gesetzgebung zur Sterbehilfe einmischen? Wenn ja, mit welcher Intention?
Ich erlebe die evangelische Kirche als eine der wichtigsten Stimmen in der gesellschaftlichen Diskussion, die glücklicherweise sehr ernsthaft, kontrovers und mit großer persönlicher Anteilnahme geführt wird. Es gibt dazu intensive Gespräche mit Politikern aller Fraktionen. Wir müssen einen möglichst breiten Konsens erreichen, der die Freiheit und die Endlichkeit des Einzelnen mit der sozialen Einbindung in eine Gesellschaft verknüpft. Eine Gesellschaft, die ihre intensive Mitsorge für jedes einzelne Leben, auch in der Phase des Sterbens, aufgibt, verliert ihre Menschlichkeit und ihren inneren Zusammenhang.

Die EKD vollzieht einen Führungswechsel. Welche Aufgaben sind für den neuen Ratsvorsitzenden vorrangig?
Die Herausforderungen werden sich für die EKD durch den Wechsel im Ratsvorsitz nicht neu stellen. In einer zunehmend säkularer werdenden Gesellschaft gilt es, die Stimme des Evangeliums, also die Liebe Gottes zu jedem einzelnen Menschen, überzeugend zu Gehör zu bringen. Das braucht die Einmischung in politische Fragestellungen ebenso wie die öffentliche pastorale Präsenz bei der Auslegung der biblischen Tradition. Die evangelische Kirche wird weiterhin Räume des Nachdenkens öffnen, in denen die Grundfragen einer menschlichen Gesellschaft für die Zukunft so beschrieben werden, dass sie Teilhabe und persönliche Auseinandersetzung ermöglichen.

Das Agieren der Terrormiliz „Islamischer Staat“ ist eine Herausforderung an die Politik, zumal auch viele junge Deutsche in die Fänge dieser Organisation geraten. Muss die Kirche hier neue Antworten geben - und wie lauten diese?
Im interreligiösen Dialog sind wir als evangelische Kirchen initiativ und in Niedersachsen engagierte Gesprächspartner für die Politik wie für die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften. Wir wissen uns der Reformation verpflichtet, die entscheidende Bildungsprozesse als Voraussetzung sieht, um Fundamentalismus zu verhindern. Bildung und Aufklärung halte ich auch mit Blick auf die aktuellen Tendenzen religiöser Radikalisierung für entscheidend. Es ist eine soziale Frage, wie es uns - allen gesellschaftlichen Akteuren - gelingt, junge Leute mit guten Zukunftsperspektiven zu erreichen und sie gegen Radikalisierung zu wappnen.

Wie beurteilen Sie die Veränderungen in der katholischen Kirche unter Papst Franziskus? Gibt es die Chance auf eine neue Annäherung von Katholiken und Protestanten?
Ich sehe mit Dankbarkeit die Haltung des neuen Papstes, der sich sehr engagiert der Armut in unserer Welt stellt und daran auch das Handeln der Kirche beurteilt. Diese Position bleibt eine notwendige Anfrage an alle Christen und Christinnen, unabhängig von ihrer Konfession. Die entscheidenden Schritte der Ökumene geschehen für mich weniger auf der Ebene der Bischöfe, also auch nicht beim Bischof von Rom, sondern sie werden mutig von Gläubigen in den Gemeinden vollzogen.

 

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