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Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel

Kanzlerin umarmt (fast) alle Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel

Ein bisschen Glanz auf dem Blazer zu Neujahr - ja, gerne. Aber Gloria - nein, das ist Merkels Stil dann doch eher nicht. Schließlich schenken ihr die Deutschen auch deshalb so viel Gunst, weil die Kanzlerin trotz Machtfülle immer schön auf dem Teppich bleibt.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnt in ihrer Neujahrsansprache scharf vor islamfeindlichen Demonstrationen.

Berlin. Zusammenhalt, Zusammenhalt, Zusammenhalt - kein Wort taucht in der Neujahrsansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) so häufig auf wie dieser Begriff, der in Zeiten der digitalen Vereinzelung ein wenig unmodern klingt. Merkel beschwört das, was man neudeutsch als "Wir-Gefühl" bezeichnet - die Teamfähigkeit, die sie als Erfolgsrezept und Grundtugend der Deutschen anpreist.

Und damit auch wirklich jeder versteht, was gemeint ist, verweist sie noch einmal beispielhaft auf die erfolgreiche Teamleistung der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM in Brasilien. Warum glaubt die Kanzlerin, die oft für ihre «Harmoniesucht» gescholten wird, dass sie ihre Landsleute jetzt wachrütteln und zu mehr Zusammenhalt auffordern muss?

Schließlich läuft doch, wie sie selbst sagt, im Prinzip alles hervorragend im Friedens- und Wohlstands-Deutschland: Keine neuen Schulden, die Arbeitslosigkeit sinkt.

Sie tut es, weil sie Deutschland als Wohlfühl-Insel sieht, deren Existenz bedroht ist, wenn die Insulaner kollektiv die Köpfe in den Sand stecken statt sich den aktuellen Krisen und Herausforderungen zu stellen. Die Kanzlerin zählt auf: Ebola, der Terror des Islamischen Staates und russische Bestrebungen, in Europa das Recht des Stärkeren über das Völkerrecht zu stellen.

Merkel spricht den Namen Putin zwar nicht aus und schafft es auch, die Anti-Islam-Demonstrationen in Dresden zu erwähnen, ohne dabei das Wort Pegida in den Mund zu nehmen. Doch immerhin benennt die Kanzlerin viele Probleme mit einer Klarheit, die für sie sonst eher nicht charakteristisch ist.

Was für Merkel und ihre Partei unangenehm und peinlich war in diesem Jahr - die Folgen der Edathy-Affäre, der Aufstieg der rechtskonservativen AfD, die Macho-Sprüche von Unionspolitikern gegen SPD-Frauenministerin Manuela Schwesig -, hat in dieser Momentaufnahme zum Jahreswechsel keinen Platz.

Merkel weiß: Nicht alle Deutschen wollen etwas von Bedrohungen und Krisenszenarien hören. Der Trend, keine Nachrichten mehr lesen, hören und sehen zu wollen, damit negative Gefühle nicht die eigene Komfortblase zum Platzen bringen, ist vor allem unter jüngeren Menschen in Deutschland inzwischen relativ weit verbreitet.

Der Kanzlerin - seitdem die Finanzkrise überwunden ist, zieht sie für ihre Neujahrsansprache immer einen festlich glänzenden Blazer an - gelingt es, trotz aller Krisenwarnungen Zuversicht zu verbreiten. In ihrer Rede umarmt die Kanzlerin diesmal alle - nein, fast alle. Nur die Organisatoren der Pegida-Demonstrationen, die vor einer angeblich drohenden "Islamisierung des Abendlandes" warnen, und Russlands Präsident Wladimir Putin, der von Merkel indirekt noch einmal für die Annexion der Krim gerügt wird, bleiben außen vor.

Sonst findet jeder in dieser für Merkels Verhältnisse so ungewöhnlich klar formulierten Ansprache zum neuen Jahr etwas, woran sie oder er sich wärmen kann: Die Zuwanderer, die von Merkel als «Gewinn für uns alle» bezeichnet werden; die Umweltschützer, denen die Regierungschefin mehr Engagement für den Klimaschutz verspricht; die Helfer, deren Einsatz im Kampf gegen die Ebola-Epidemie sie hervorhebt.

Selbst die Opposition kommt danach nicht umhin, Merkel für ihre klaren Worte zum Neujahrstag zu loben. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt findet, die Kanzlerin könnte ruhig öfter mal Klartext reden - nicht nur an Feiertagen.

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©dpa

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