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Gieboldehäuser Günter Gassner ist im Stadion, als die Absage erfolgt

„Nach Paris ist alles anders“ Gieboldehäuser Günter Gassner ist im Stadion, als die Absage erfolgt

Günter Gassner aus Gieboldehausen ist bereits in Hannover in der HDI-Arena, als die Absage des Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden erfolgt. Der 60-Jährige gehörte mit zu den zahlreichen Volunteers, die im Bereich Zuschauerservice tätig sein sollten.

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Die Generalprobe mit Fahnenträgern und Blaskapelle in der HDI-Arena in Hannover vor der Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden.

Quelle: Gassner

Eichsfeld. Eigentlich sollte seine Tochter Miriam, die bereits seit 2006 dabei ist, im Stadion sein, aber sie sagte ihre Teilnahme im Vorfeld aus einem ganz besonderen Grund ab. „Ich bin letzten Freitag Opa geworden“, erzählt Gassner stolz. Er bewarb sich für seine Tochter um einen Einsatz. „Ich fand schon immer, dass das eine tolle Sache ist, bei der ich gern einmal dabei sein wollte“, so Gassner, der über ein Losverfahren ausgewählt wurde. Am Dienstag gegen 15 Uhr fand er sich gemeinsam mit den anderen Helfern in Hannover ein. „Wir wurden eingekleidet und entsprechend vorbereitet“, berichtet der Gieboldehäuser, der im Innenraum des Stadions die Proben im Vorfeld mitbekam, sich auf das Ereignis freute.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl fuhr Gassner nach Hannover. „Nach Paris ist alles anders“, findet er. Angst habe er nicht gehabt, aber als die Verantwortlichen dann die offizielle Öffnung des Stadions für die Zuschauer um eine halbe Stunde nach hinten verschoben, wuchs die Unruhe auch bei ihm. Kurz nach 19 Uhr wurde Gassner und den anderen Freiwilligen mitgeteilt, dass das Freundschaftsspiel abgesagt worden sei. „Uns wurde gesagt, dass wir ganz ruhig und ohne Panik das Stadion verlassen sollen“, berichtet Gassner, der als technischer Angestellter  tätig war, sich jetzt im Vorruhestand befindet.

An einem vorher ausgemachten Treffpunkt versammelten sich anschließend alle Volunteers. „Wir wurden auf Vollzähligkeit überprüft, und kurze Zeit später durften wir dann auch gehen“, so Gassner, der mit dem Auto nach Hannover angereist war. „Ich hatte den Wagen ein bisschen weiter entfernt abgestellt, von daher bin ich relativ gut weggekommen, denn in unmittelbarer Nähe des Stadions war schon massiver Polizeischutz“, so Gassner, der davon ausgeht, dass man mit solchen Zuständen auch zukünftig leben muss. Er ist allerdings nicht gewillt, sich einschüchtern zu lassen. „Ich habe Vertrauen in unser Sicherheitssystem.“

Total enttäuscht war Ruth Messmer, die beim Tageblatt-Gewinnspiel zwei Karten für das Länderspiel gewonnen hatte. „Fünf Minuten, bevor wir auf den Parkplatz gefahren wären, haben wir im Radio gehört, dass das Spiel ausfällt“, erzählt Messmer, die seit mehr als 35 Jahren in Rhumspringe lebt. Die Eichsfelderin, die gemeinsam mit ihrem Sohn Sven nach Hannover gefahren war, hatte sich unglaublich auf den Abend gefreut. „Nicht auf die Bundeskanzlerin und die anderen Politiker, sondern auf die Mannschaft“, erzählt der begeisterte Fußball-Fan. „Ich gucke jedes Spiel.“ Ihr Lieblingsspieler wäre allerdings in Hannover nicht aufgelaufen, denn für Manuel Neuer hätte Ron-Robert Zieler zwischen den Pfosten gestanden.

Nach der Absage drehten die Messmers sofort um, fuhren direkt zurück ins Eichsfeld. „Als wir in Rhumspringe angekommen sind, habe ich zu meinem Sohn gesagt, jetzt hätten sie angepfiffen“, so Ruth Messmer, die noch die halbe Nacht aufgeblieben ist, um alle Hintergründe aus Hannover zu erfahren. Außerdem war sie auch noch viel zu aufgekratzt, um überhaupt schlafen zu können. „Es war schon alles sehr aufregend“, sagt die Rhumspringerin, die die Ereignisse erst einmal verarbeiten muss. Eines steht für sie allerdings fest: „Die Karten rahme ich mir ein.“

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©dpa

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