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Welche Ergebnisse haben die Ermittlungen bisher erbracht?

Spuren führen wieder nach Belgien Welche Ergebnisse haben die Ermittlungen bisher erbracht?

Nur wenige Stunden nach den Anschlägen in Paris rückten die belgischen Anti-Terror-Einheiten in der 95.000 Einwohner großen Gemeinde Molenbeek ein. Sieben Personen seien festgenommen worden, hieß es gestern. Zumindest zwei der getöteten Attentäter hätten vorher in dem Ort gelebt, der zur Hauptstadtregion Brüssel gehört. Seit Sonntagabend suchen die belgischen Behörden einen weiteren Mann mit internationalem Haftbefehl.

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Quelle: dpa

Brüssel. Das Bild, das die Erkenntnisse bisher ergeben, hat noch Lücken, aber es setzen sich immer mehr Puzzle-Teile zusammen:

Demnach kamen drei Terror-Kommandos mit jeweils einem schwarzen Seat, einem schwarzen VW-Polo und einem grauen Golf 3 (die letzten beiden mit belgischem Kennzeichen) in die französische Hauptstadt. Einer der Attentäter wurde als der 29-jährige Ismael Omar Mostefai identifiziert, der 100 Kilometer südlich von Paris lebte und einen französischen Pass hatte. Der Mann war den Behörden wegen mehrerer Vorstrafen bekannt, seine Verbindung zu Terrornetzwerken aber entdeckte niemand. Bereits am Samstag verhaftete die französische Polizei seinen Vater und Bruder.

Ein weiterer Attentäter, der 25-jährige Ahmed Almuhamed, reiste offenbar im Oktober mit einem syrischen Pass aus Mazedonien nach Serbien, wo er in einem Erstaufnahmezentrum als Flüchtling registriert wurde, ehe er seine Reise über Kroatien und Österreich nach Frankreich fortsetzte. Ein weiterer IS-Terrorist gelangte von der griechischen Insel Leros (rpt. Leros) nach Europa – unentdeckt in einer Gruppe von 69 Flüchtlingen. Bis zum Sonntagabend war noch unklar, ob es sich bei den in Molenbeek verhafteten Personen ebenfalls um Attentäter aus Paris oder nur um Helfer oder Sympathisanten handelt. Allerdings verschärften die Anti-Terror-Einheiten am gestern ihre Durchsuchungen noch einmal und erließen internationalen Haftbefehl gegen den flüchtigen 26-jährigen Abdeslam Salah, einen gebürtigen Belgier.

Bei ihm soll es sich um den Bruder eines Selbstmord-Attentäters handeln. Ob er selbst an den Morden beteiligt war, blieb zunächst offen. Unklar ist auch das Schicksal des zweiten Bruders, von dem es hieß, er sei in französischer Haft. Anderen Quellen zufolge wurde der Mann schon im Laufe des Sonntags wieder auf freien Fuß gesetzt. Angesichts dieses Ermittlungsstandes gingen die Behörden am Abend davon aus, dass die an den Tatorten gefundenen syrischen Pässe sowie ein ägyptisches Ausweisdokument gefälscht waren.

Auch der Verdacht, dass die bayerische Polizei bereits in der Vorwoche einen mutmaßlichen Mittäter verhaftet hat, erhärtete sich gestern. Der 51-Jährige war vor einer Woche Schleierfahndern im Raum Rosenheim ins Netz gegangen. In seinem Fahrzeug fanden die Beamten ein ganzes Waffen-Arsenal, darunter Kalaschnikow-Gewehre, Pistolen, Revolver, Munition, Handgranaten und TNT-Sprengstoff. Offenbar war der Mann aus Montenegro auf dem Weg nach Paris.

Große Sorgen bereitet den Behörden aber einmal mehr die Spur nach Belgien. Die zentrale Lage mitten in Europa nannte Premierminister Charles Michel am Sonntag als Grund dafür, dass viele Terroristen in dem elf Millionen Einwohner großen Land Unterschlupf suchen. In keinem anderen EU-Mitgliedstaat ist das Verhältnis von Dschihadisten zur Gesamtbevölkerung so hoch wie in Belgien.

Rund 500 junge Männer und Frauen sollen es sein, die nach Syrien in den Krieg zogen und wieder zurückgekehrt sind. Erst vor einigen Monaten wurde in Antwerpen der 46 Mann starken Gruppe „Sharia4Belgium“ der Prozess gemacht. Ihre Mitglieder hatten junge Menschen fast schon professionell für den IS angeworben. Viele von ihnen gelten nach ihrer Rückkehr als mögliche „Schläfer“.

Vor diesem Hintergrund wurden auch in dem kleinen belgischen Königreich am Wochenende gleich mehrere Großveranstaltungen abgesagt und die Kontrollen auf Flughäfen und Bahnhöfen, an denen sich große internationale Linien nach Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien kreuzen, verschärft.

Am kommenden Freitag, genau eine Woche nach den Anschlägen, werden sich in der belgischen Hauptstadt die EU-Innenminister zu einer Sonderkonferenz treffen. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve hatte die Kollegen gebeten, über Konsequenzen zu beraten. Bereits am heutigen Montag dürften die EU-Außenminister ihre ursprüngliche Tagesordnung ändern und diskutieren, welche Antwort die Union auf die Anschläge von Paris jetzt geben soll. 

Von Detlef Drewes

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©dpa

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