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Hilft ein "Kalifat der Komischen Kunst"?

Attentat auf "Charlie Hebdo" Hilft ein "Kalifat der Komischen Kunst"?

Das Attentat auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" löst Betroffenheit und Erschütterung aus. Wie groß ist die Gefahr für Akteure in Sachen Komischer Kunst hierzulande? Das Tageblatt hat zwei Fachleute aus der Region Göttingen befragt.

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Peter Pawlowski (links) und Martin Sonntag über das Attentat auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo"

Quelle: EF

Kreis Göttingen. Peter Pawlowski, bis zu dessen Auflösung vor gut einem Jahr Teil des Göttinger Kabarett-Duos "Die Pawlowskis", zeigt sich zutiefst erschüttert von dem Anschlag auf das französische Satire-Magazin.

Die Tat sei "ein Angriff auf die grundsätzliche Freiheit des Menschen und sein freies Gedankengut", erklärt er. Satire werde so zu einem gefährlichen Gut. "Wenn wir vorsichtig sein müssen, was wir sagen, ist das ein Rückfall ins Mittelalter", sagt Pawlowski.

Und weiter: "Ich glaube, dass wir in Deutschland gar nicht so weit entfernt sind davon." Die Satirezeitschrift Titanic oder Kabarettisten, die sich klar positionieren, könnten Ziele für Anschläge werden. "Ich stehe dem ganzen hilflos gegenüber."

Martin Sonntag, Leiter der Caricatura-Galerie in Kassel, kommentiert das Attentat so: "Das ist unfassbar und ein unglaubliches Drama. Gegen den fortschreitenden Wahnsinn in der Welt hilft wahrscheinlich nur noch ein Kalifat der Komischen Kunst."

Kalif der Komik

Weiter meint der Galerie-Chef: "Bei unseren Ausstellungen in Kassel kommt es zwar immer wieder mal zu Aufregern oder Beschwerden, oft auch an Stellen, an denen wir das gar nicht vermutet hätten.

Das liegt aber im Naturell der Satire. Dazu gehörte auch eine Bombendrohung eines verwirrten Christen, die 2002 für Erstaunen bei uns sorgte. Als wir 2007 die Mohammed-Karikaturen zeigten, um zu dokumentieren, worum es in dem damaligen Karikaturenstreit überhaupt ging, gab es einige konstruktive Gespräche mit Muslimen.

Auch da zeigte sich, dass der Dialog ein guter Weg ist, um Missverständnisse zu beseitigen. Ein Massaker zu veranstalten, wenn man sich beleidigt fühlt, würde ein Kalif der Komik verbieten."

Von Peter-Krüger Lenz und Christoph Oppermann

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©dpa

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