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Kein „Charlie Hebdo“ in Göttingen und der Region

Weniger Hefte als geplant Kein „Charlie Hebdo“ in Göttingen und der Region

Kein „Charlie Hebdo“ in Göttingen und der Region: Eigentlich hätte die erste Ausgabe des französischen Satiremagazins nach dem Anschlag vom Mittwoch vergangener Woche am Sonnabend auch in den Kiosken und Geschäften der Region erhältlich sein sollen. Doch Dennis Schneider, Mitarbeiter im Vertrieb des Presse Grosso Mitte in Staufenberg, muss die vielen Interessenten, die das Heft bereits vorbestellt hatten, enttäuschen.

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Freitagsgebet in der Göttinger Ditib-Moschee am Königsstieg mit Imam Oguz Akdemir.

Quelle: hein

Göttingen. Das Kontingent, das nach Deutschland geliefert wird, sei drastisch gekürzt worden. „Eine nicht besonders erfreuliche Situation“, sagt er. Rund 2500 Bestellungen aus dem Verbreitungsgebiet des Presse Grosso – dieses reicht von Northeim im Norden über Worbis im Osten und Schlitz im Süden bis Willingen im Westen – seien eingegangen. Schneider schätzt, dass nur ein Prozent, also 25 Stück, der georderten Hefte ausgeliefert werden.

Bundesweit kommen nur 5000 Exemplare in den Handel, teilte der Medienkonzern Gruner + Jahr mit, zu dem der Presseimporteur Saarbach gehört. Grund hierfür sei die enorme Nachfrage in Frankreich. Ursprünglich war für Deutschland eine Stückzahl von etwa 10 000 geplant.

Aufgrund der Reduzierung der Heftzahl können auch bei der Solidaritätsaktion Göttinger Journalisten mit den Pariser Kollegen in Paris keine Hefte verkauft werden. Initiatorin der Aktion, Heidi Niemann, hatte geplant, am Sonnabend, 17. Januar, 100 Hefte der aktuellen Charlie-Hebdo-Ausgabe ab 11 Uhr an einem Stand am Göttinger Gänseliesel zu verkaufen. „Den Stand wird es trotzdem geben“, kündigt Niemann an. Sie hofft, zumindest ein Ansichtsexemplar von Charlie Hebdo zu bekommen. Der Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins sei ein Anschlag auf die Presse- und Meinungsfreiheit gewesen. Die Attentäter hätten dabei auch auf demokratischen Errungenschaften und Werte gezielt, sagt Niemann. Am Stand soll auf die vielfältigen Bedrohungen der Pressefreiheit aufmerksam gemacht und die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ unterstützen werden.

„Unsere Religion wird manipuliert“

Eindringlich sind im Freitagsgebet der Göttinger Ditib-Moschee die islamisch inspirierten Anschläge der vergangenen Woche in Paris verurteilt worden. Der Islam liefere kein Argument, um zu töten, erklärte Imam Oguz Akdemir.
Der Imam betonte allerdings auch, dass muslimische Gläubige durch Karikaturen, in denen der Prophet Mohammed karikiert oder herabgesetzt werde, tief verletzt worden seien. Aber auch dies rechtfertige „keine Gewalt gegenüber unschuldigen Menschen“, so Akdemir gegenüber dem Tageblatt. Terroristen, die sich auf den Islam beriefen „und muslimische Begriffe benutzen, manipulieren unsere Religion“. Auch wenn Terroristen aus dem Koran zitierten, würden diese Zitate manipuliert wiedergegeben.
An die Presse appelierte Akdemir, „vorsichtig“ mit der Pressefreiheit umzugehen und darauf zu verzichten, den Islam „und andere Religionen zu verachten und zu erniedrigen“. Das wäre „eine falsche Vorstellung von Pressefreiheit“. Für die Ditib-Moscheegemeinde erklärte deren Vorstand Ibrahim Elmas weiter, jede bildliche Darstellung des Propheten Mohammed gelte Muslimen grundsätzlich als Frevel.
Generell sei die Anwendung von Gewalt, so Akdemir, mit dem Islam unvereinbar. Bei anderslautenden Passagen im Koran müsse berücksichtigt werden, dass der Koran in Kriegszeiten niedergeschrieben wurde und dass solche Verse nicht wörtlich in Friedenszeiten übernommen werden dürften. Das heilige Buch der Muslime, betonte Akdemir weiter, „muss als Ganzes betrachtet werden“. Er und seine Gemeinde respektierten „alle polytheistischen oder monotheistischen Religionen“.    hein
Die vollständige Ditib-Freitagspredigt: ditib.de/detail_predigt1.php?id=220&lang=de.

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Anschläge in Paris

©dpa

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