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2. Göttinger Wirtschaftstag China beleuchtet Herausforderungen für Automobilindustrie

Proteste vor der Aula 2. Göttinger Wirtschaftstag China beleuchtet Herausforderungen für Automobilindustrie

Eine beeindruckende Zahl: 2014 wurden 3,68 Millionen Autos im Reich der Mitte verkauft – gut jedes zweite Fahrzeug des VW-Konzerns ist damit für den chinesischen Markt bestimmt. Mit dem Symposium „VR China – Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam unterwegs“ bot die Universität ein Forum, Chancen und Herausforderungen der Kooperation mit der Volksrepublik zu erörtern. Hauptredner war Jochem Heizmann, Vorstandsmitglied der Volkswagen AG und Leiter des Geschäftsbereichs China.

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Jochem Heizmann sieht im chinesischen Automobilmarkt nach wie vor enormes Wachstumspotenzial.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. „Wo sonst gibt es sieben Prozent Wachstum?“ Heizmann sieht wenig Grund zur Sorge, auch, wenn sich derzeit abzeichnet, dass die Goldmine China doch einen Boden hat. In seinem Vortrag in der Aula der Universität ging er daher vor allem auf die Chancen ein, die der Markt bereithält. „Natürlich ist mittlerweile eine Normalisierung zu beobachten, aber das Wachstum ist immer noch sehr hoch“, so Heizmann.

Für eine Sättigung des Marktes gebe es keinerlei Anzeichen. Noch immer haben hier sehr viel weniger Menschen ein eigenes Auto als in anderen Märkten der Welt. Gleichzeitig seien die Kunden markenbewusst und anspruchsvoll – zwei Drittel  würden sich zum ersten Mal ein Fahrzeug kaufen. In Deutschland liege die Quote von Erstkunden bei nur einem Prozent.

Dementsprechend viel lässt sich VW das China-Geschäft kosten. In den kommenden Jahren seien rund 100 Mrd. Euro Investitionskosten eingeplant. Kein Wunder, denn beim derzeitigen Wachstum werde alle 18 Monate ein neues Werk benötigt. Ein Großteil der Investitionen dürfte auch in die Erforschung alternativer Antriebsenergien fließen: Während ländliche Regionen Chinas noch unterversorgt sind, kämpfen Metropolen schon längst mit den logistischen und ökologischen Folgen des Automobilverkehrs. Staatlich initiierte Zulassungsbeschränkungen und Benzinverbrauchsbestimmungen sind die Folge. Die Beeinflussung ausländischer Konzerne durch die chinesische Regierung sprach Heizmann nicht an. Zur marktwirtschaftlichen Abhängigkeit zu China äußerte er sich indirekt: „Solche Schlagzeilen finden Sie wöchentlich. Aber sollen wir deshalb weniger Autos verkaufen?“

In der anschließenden Panel-Diskussion mit Experten aus Politik und Wissenschaft wurde die deutsch-chinesische Kooperation auch kritisch in den Blick genommen. Prof. Axel Schneider, Leiter des Centre for Modern East Asian Studies, machte auf Defizite bei der Meinungsfreiheit aufmerksam. „Man darf so etwas aus bloßem Kooperationswillen nicht ignorieren.“ Allerdings könne über die gezielte Auswahl der Kooperationspartner in der Wissenschaft Einfluss genommen werden – und zwar partnerschaftlich auf Augenhöhe.

Vor der Aula machten rund 20 Mitglieder der Gesellschaft für bedrohte Völker auf Menschenrechtsverletzungen in Göttingens Partnerstadt Nanjing aufmerksam. Zudem forderten sie die Freilassung des regierungskritischen Guo Quan, der 2009 zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, nachdem er demokratische Reformen gefordert hatte.

Von Jonas Rohde

Foto: Theodoro da Silva

Quelle:

Teil der Gesellschaft: Volkswagen in China

Chinas Automobilindustrie ist eine Herausforderung für die Autoindustrie, meint Prof. Dr. Jochem Heizmann. Darüber referierte der Vorstand der VW AG am Montag in Göttingen. Das Tageblatt sprach vorher mit Heizmann über das China-Geschäft des Konzerns und über die Probleme.

Welche Geschäftsstrukturen hat sich Volkswagen mittlerweile in China aufgebaut?
2014 beschäftigte die Volkswagen Group China inklusive Tochtergesellschaften und Joint-Ventures 91 000 Mitarbeiter. Weitere 325 000 Angestellte arbeiten in unseren Handelsbetrieben in China. Unsere Fahrzeugfertigung schließt die lokale Eigenversorgung mit Motoren-, Getriebe- und Fahrzeugkomponenten mit ein, die Produktion erfolgt an 18 Standorten.

Die E-Mobilität soll künftig auch in der VW-Geschäftsstrategie eine wichtige Rolle spielen. Wie schätzen Sie die Nachfrage aus der Bevölkerung ein?
Wir gehen davon aus, dass, sobald die entsprechende Schnelllade-Infrastruktur vorhanden ist und die Kosten vor allem für die Batterietechnologie entsprechend wirtschaftlich wird, die Nachfrage nach E-Mobilität in China weiter steigt. Es ist geplant, dass die Joint-Venture-Produktionsgesellschaften SVW und FAW-VW ab 2016 sukzessive Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb anbieten, die in China produziert werden.

2014 hat es für ein Fahrzeugmodell eine Rückrufaktion gegeben, was großen öffentlichen Protest nach sich zog. Werden ausländische Hersteller von der Regierung besonders scharf beobachtet?
Wir fühlen uns willkommen und sehen uns als Teil der chinesischen Gesellschaft. Unsere Verkaufserfolge und die steigenden Beschäftigtenzahlen sprechen eine klare Sprache. Wir haben auf dem chinesischen Automobilmarkt Pionierarbeit geleistet und tun dies weiterhin.

Interview: jro/soz

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