Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Alte Schätze im Karton

Wohin mit der Firmengeschichte? Alte Schätze im Karton

Personalakten, Geschäftskorrespondenz, Werbeflyer: Was tut eine Firma eigentlich mit ihren Unterlagen und Akten, wenn die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen von sechs oder zehn Jahren verstrichen sind?

Voriger Artikel
Früh das Faible fürs Tüfteln entdeckt
Nächster Artikel
Ruhiger Jahresausklang auf dem Arbeitsmarkt
Quelle: Hinzmann

Göttingen. Für Willi Klie, Inhaber der Traditionsfirma Sylvester Märten in Göttingen ist klar: „Alles, was älter als zehn Jahre ist, wird in der Regel entsorgt.“ Nur wenig Schriftliches wie die Eröffnungsbroschüre aus den 70er Jahren oder besondere Werbeflyer hat er aufgehoben – für alles Weitere fehlte der Platz. „Firmenunterlagen gehören dem Unternehmen. Sie länger als nötig aufzubewahren oder dem Stadtarchiv zur Verfügung zu stellen, ist freiwillig“, sagt Rolf Kohlstedt vom Göttinger Stadtarchiv. Für die Stadt sind alte Unternehmensakten dagegen eine wertvolle, ergänzende Quelle für die Geschichte der Wirtschaft und der arbeitenden Menschen.

Firmenjubiläen bieten oft Anlässe für Unternehmen, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen und nach Unterlagen zu suchen. So war es auch bei der Göttinger Messtechnikfirma Mahr, deren Gründerfamilie aus Esslingen stammt. Die meisten alten Unterlagen lagerten bis vor wenigen Jahren an der Universität Hohenheim im Wirtschaftsarchiv des Landes Baden-Württemberg, ungeordnet, in Kartons. „In jedem Karton stießen wir auf kleine Schätze“, sagt der ehemalige Geschäftsführer Thomas Keidel.

Darunter Personalakten, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurückreichen, Patentunterlagen oder Notizen wie diese: „Meine Ware   ist etwas teurer, aber besser.“ Erst kürzlich erschien die Mahr-Chronik, die Keidel mit einem Team aus externen Fachleuten vornehmlich für die eigenen Mitarbeiter erarbeitet hat.  Jetzt verfügt das Unternehmen über ein eigenes Archiv auf dem Firmengelände, geordnet und hochwassergeschützt. Thomas Keidel sieht sich in der Pflicht, diesen Fundus weiter auszubauen: „Nachlässe aus der Familie, aber auch Beschlüsse der Gesellschafterversammlung oder Bilanzen kommen zukünftig in unser Archiv.“

So werden sich auch Jahrzehnte später noch strategisch wichtige Managemententscheidungen nachvollziehen lassen. „Wäre mein Urururgroßvater mit seinem Geschäft nicht von Bad Gandersheim nach Göttingen gezogen, gäbe es uns vielleicht gar nicht mehr“, sagt Susanne Heller. Gegründet 1837, ist das Fachgeschäft für Bettsysteme und –wäsche heute in der sechsten Generation in Familienbesitz, die Chronik ließ Heller zum 165. Firmengeburtstag verfassen.

Von Birgit Freudenthal

Sartorius ordnet Archiv neu

Bereits 2005 brachte das Unternehmen Sartorius eine eigene Chronik heraus. „Wir finden aber immer noch Dinge heraus, die wir noch nicht wussten“, sagt Petra Kirchhoff von Sartorius.  Aufgrund ihres Wegzugs vom alten Standort in der Weender Landstraße lässt die Firma seit Kurzem ihr Archiv professionell vom Historiker Marcel Stierand aufarbeiten. Ziel ist laut Kirchhoff ein „lebendes Archiv“, das auch zukünftig einen geordneten Zugang zum Material gewährleistet. Dem Göttinger Tageblatt berichtet Stierand über seine Aufgabe. „Die Neuordnung von Archivalien ist ein Balanceakt. Einerseits ist es wichtig, bestehende Ordnungen und Strukturen beizubehalten, um daraus Rückschlüsse ziehen zu können.

Derzeit sichten wir das Material, vor allem Akten, aber auch Geräte und Produkte, die sich zurzeit noch an vielen verschiedenen Stellen im Unternehmen befinden. Wir werden alles zusammentragen, verzeichnen und einlagern. Damit entsteht eine Art „Langzeitgedächtnis“ des Unternehmens. Dabei werde ich zusätzlich unterstützt von der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte  in Frankfurt. Eine Besonderheit besteht sicherlich darin, dass ein systematischer Aufbau des Archivs bei Sartorius gerade erst begonnen hat. Das Unternehmen dagegen wurde schon 1870 gegründet und wird bald sein 150-jähriges erfolgreiches Bestehen feiern. Für einen Historiker ist ein so langer Zeitraum natürlich ein Traum. Dabei finde ich den Transformationsprozess sehr spannend, in dem aus täglichen Unternehmensentscheidungen nach und nach archivierte Unternehmensgeschichte wird.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
DAX
Chart
DAX 12.607,00 +0,30%
TecDAX 2.390,50 -0,03%
EUR/USD 1,1955 +0,13%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. BANK 13,98 +1,81%
HEID. CEMENT 85,32 +1,51%
SIEMENS 117,60 +1,07%
THYSSENKRUPP 25,19 -3,31%
RWE ST 20,27 -2,90%
E.ON 9,20 -2,73%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 146,99%
Allianz Global Inv AF 108,92%
Commodity Capital AF 106,66%
Crocodile Capital MF 99,99%
BlackRock Global F AF 87,23%

mehr

Wirtschaft Rubriken
Rubriken Wirtschaft Göttingen und die Welt
Sommerfest der Südniedersächsischen Wirtschaft