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Bei Mode wird zuerst gespart

Thema des Tages Bei Mode wird zuerst gespart

Bundesweit gehen die Umsätze in den Modegeschäften zurück. Der Onlinehandel mit Kleidung und Accessoires boomt. In Göttingen haben drei traditionelle Häuser aufgegeben.  Ist es in einer kleinen Großstadt besonders schwer,  Markenkleidung und hochwertige Mode zu verkaufen?

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Will weiter im Modebereich aber nicht mehr im Einzelhandel, sondern „auf der anderen Seite“ der Branche arbeiten:  Ende des Jahres gibt Anja Rahnenführer ihr Geschäft auf.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Herrenausstatter Meinelt: Geschichte. Das Traditionsschuhaus Marco: kürzlich geschlossen. Fleischmann woman: Ende des Jahres gehen auch hier die Lichter aus. Nachfolger sind nicht in Sicht. Sind traditionelle, hochwertige Modegeschäfte in Göttingen vom Aussterben bedroht?

 
„Die Welt ändert sich“, sagt Anja Rahnenführer. Sie ist Geschäftsführerin von Fleischmann woman in der Barfüßerstraße und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Modebranche. Gemeinsam mit ihrem Vater betreibt sie das Geschäft. „Mein Vater ist jetzt 78 Jahre alt und möchte sich zur Ruhe setzen. Das nehme ich jetzt zum Anlass aufzuhören“, sagt Rahnenführer. Sie habe immer den Plan gehabt, den Laden nicht bis in alle Ewigkeit zu betreiben. Dass das Geschäft mit hochwertiger Markenmode in Göttingen aber schwieriger wird, bestätigt sie. „Es werden in den nächsten Jahren sicher noch mehr Geschäfte im gehobenen Modesegment in Göttingen schließen“, sagt sie, „das Sterben geht weiter“.
Zum einen, so die Geschäftsfrau weiter, werde es immer schwieriger, bei den bekannten großen Modelabels einzukaufen. Hohe Mindestabnahmemengen im Wert von 40 000 Euro Einkaufspreis pro Saison von einer Marke, das sei für Einzelhändler kaum zu leisten. „Das ist schon ein schwieriges Geschäft.“ 

 
Ein zweiter Punkt sei natürlich auch der Onlinehandel. Kundinnen kämen in ihren Laden, probieren die Sachen an und bestellen dann aber im Netz. Ein Problem, unter dem die Branche generell leidet.

 
Rahnenführer beobachtet außerdem, dass sich das Kaufverhalten der Göttinger in den vergangenen Jahren massiv verändert hat.  Teure Mode und vor allem das deutlich sichtbare Tragen von Labels wie in den 80er- und 90er-Jahren, gehe zurück. „Heute zählen Statussymbole wie das Haus im Ostviertel, das teure Auto und der Urlaub im Robinson-Club mehr als hochwertige Kleidung“, sagt sie. „Wenn es einmal knapp mit der Kasse wird, wird heute als erstes bei der Mode gespart.“

 
In Göttingen fehle zudem die Kunden-Frequenz für teure Designermode. Einem der Firma Fleischmann ähnlich aufgestellten Modehaus in Kassel, das mehrere Filialen betreibt, hat Rahnenführer ihr Geschäft zur Weiterführung angeboten. Der Betreiber habe abgelehnt. „Die Begründung war, dass er die Kunden aus Göttingen für seine Geschäfte in Kassel braucht“, sagt sie. In der höherpreisigen Mode gebe es den deutlichen Trend zur Konzentration in den den größeren Städten. Göttingen habe dann zwischen Kassel und Hannover nur wenig Chancen.

 
Vor allem bei der Damenmode sei der Markt in der Göttinger Innenstadt zudem mehr als gesättigt. Viele, auch kleinere Boutiquen müssen sich den Kuchen der modebewussten solventen Käuferinnen teilen. Wenn dann noch beispielsweise ein Lieferant drei benachbarte Geschäfte, ohne die Inhaber davon zu informieren, mit der gleichen Ware beliefert, könne das nicht gut gehen. Außerdem fehle in Göttingen ein Forum, um regelmäßig schicke, glamouröse Kleidung überhaupt öffentlich auszuführen und präsentieren zu können.

 
„Im Männerbereich ist das Geschäft einfacher“, sagt sie. „Der Mann ist ein Bedarfskäufer.“ Jahrzehntelang hat Familie Fleischmann auch den gleich­namigen Herrenladen an der ­Jüdenstraße geführt. Dieses Geschäft hat bereits der langjährige Mitarbeiter Karl-Ludwig Bischoff übernommen.

 

Geschichte: Herrenausstatter Meinelt in der Roten Straße.

Geschichte: Herrenausstatter Meinelt in der Roten Straße.

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„Der gepflegte Bereich muss auch gepflegt werden“

Göttingen ist und bleibt eine interessante Stadt mit vielen inhabergeführten Geschäften: Das sagt der Vorsitzende des Göttinger Einzelhandelsverbandes, Willi Klie. Auch was die Besucherfrequenz angehe, sei Göttingen im Vergleich zu vielen anderen Städten „auf der guten Seite“. Göttingen habe noch die attraktive Mischung aus Filialisten und kleinen Geschäften in den Seitenstraßen.

 
Dass derzeit drei traditionelle Modegeschäfte im gehobenen Segment aufgeben, liege auch an dem Generationswechsel. Aber das Geschäft im gehobenen Segment sei in der Tat nicht ganz leicht. Auch er bestätigt, dass der „Abnahmedruck“ enorm sei – die Markenfirmen also fordern, dass Einzelhändler solch große Mengen ordern, die die Händler nicht stemmen können und deshalb aussteigen. „Hochmut kommt vor dem Fall, die Markenfirmen kommen oft auch wieder zurück“, sagt Klie.

 
Auch in seinem Wäschegeschäft Sylvester Märten beobachtet der Vorsitzende, dass ein Traditions-Modehaus etwas tun muss, um am Markt zu bestehen. „Natürlich merken auch wir den Internethandel“, sagt er. Jeder vierte bis fünfte Einkauf in der Stadt werde mittlerweile durch einen Online-Einkauf ersetzt. Traditions­modehäusern empfiehlt er, sich stets moderat zu modernisieren, ohne die Stammkundschaft im gehobenen Markensegment zu verlieren. Für sehr teure Designerware sei Göttingen seit jeher nicht das Pflaster. Das, so Klie,  kaufen Kunden in größeren Städten, wo auch die Auswahl größer ist. Dennoch habe der Markenmodebereich in Göttingen gute Chancen. Aber: „Der gepflegte Bereich muss auch gepflegt werden.“

 
Wird umgebaut und neu vermietet: Marco-Schuhe, Weender Straße.

Wird umgebaut und neu vermietet: Marco-Schuhe, Weender Straße.

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Persönliche Beratung

Erfolgreich als stationäres Modegeschäft trotz der massiven Online-Konkurrenz: Das geht. Frederike Breyer, Geschäftsführerin von Pro-City Göttingen, weiß, wie Göttinger Geschäfte auch im gehobenen Modesegment bestehen. „Wichtig ist, dass man etwas anbietet, was der Internethandel nicht kann“, sagt sie. In Göttingen gebe es nur ein relativ kleines Publikum, das bereit ist,  für hochwertige Marken- und Designer-Mode Geld auszugeben. Dem stehe aber ein zu 100 Prozent gesättigter Markt an solchen Geschäften gegenüber. „Wir müssen es also schaffen, Kunden von außerhalb in die Innenstadt zu locken“, sagt sie. Auch dafür seien die Veranstaltungen von Pro-City eine gute Plattform. Der Verein und GmbH Pro City organisieren unter anderem Aktionen wie das Gänselieselfest mit verkaufsoffenem Sonntag oder das Fest „Göttingen-zieht-an“. Dazu, so ihre Empfehlung an die Einzelhändler, sollte man seine  Kunden gezielt einladen, beispielsweise über ein Mailing.

 
Die Göttinger Modeboutiquen können bei ihren Kunden zudem mit ihren individuellen Angeboten punkten. „Persönliche Ansprache, Empfehlungen und persönliche Beratung kann kein Onlineshop bieten“, sagt sie. Wer seine Kunden nicht nur bis zum Schaufenster lockt,  sondern in seinen Laden  und vielleicht auf ein Gläschen Sekt einlädt, habe dem Internethandel viel voraus. Breyer: „Dann muss kein Kunde mehr nach München fahren.“ bib

 
Onlinehandel wächst
„Der stationäre Modeeinzelhandel in Deutschland konnte 2014 nicht von der guten Konsumstimmung profitieren“. Das teilt der Branchendienst Textilwirtschaft mit. Demnach verzeichnen die Modegeschäfte zum dritten Mal in Folge ein Minus. Im Schnitt sanken die Umsätze 2014 um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2012 und 2013 hatte die Branche mit je minus zwei Prozent abgeschlossen. „Es gibt einfach nicht mehr so viele Kunden, die wirklich bereit sind, viel Geld für Mode auszugeben“, erklärt Jürgen Dax, Geschäftsführer des Bundesverbandes des deutschen Textileinzelhandels.  Der Onlinehandel im Bereich Mode und  Accessoires wird laut dem Kölner Institut für Handelsforschung weiter wachsen:  Die Online-Anteile am Gesamtmarkt werden demnach 2020 von derzeit 15 auf bis zu  54 Prozent steigen. bib
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