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Wie kommt die Wirtschaft ins Dorf?

Breitband, Infrastruktur, Soziales Wie kommt die Wirtschaft ins Dorf?

Hat der ländliche Raum als Wirtschaftsstandort eine Zukunft? Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es Arbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft, dem Handwerk sowie kleinen Einkaufsläden oder der Gastronomie. Seitdem sind viele solcher Arbeitsmöglichkeiten verlorengegangen oder in die Stadt abgewandert.

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Colorlite in Elvershausen: David Pryor gründete sein Unternehmen bewusst im Heimatort.

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Göttingen. Im Ergebnis wird das Dorf heute kaum noch als Wirtschaftsstandort wahrgenommen. Die Entwicklung, insbesondere jenseits des Speckgürtels um Göttingen, bedroht das dörfliche Leben, Einwohnerzahl und Steuern sinken, die Kommune kann ihre Aufgaben immer schlechter wahrnehmen, die Attraktivität sinkt - eine Abwärtsspirale.

Für Göttingens Kreisrätin Christel Wemheuer geht es daher darum, die vorhandenen dörflichen Strukturen in der Breite zu erhalten, damit Dörfer für Unternehmen und Menschen attraktiv bleiben. Dafür gebe es Möglichkeiten wie ambulante Versorgung, das Liefern von Nahrungsmitteln und eine gute Organisation des öffentlichen Nahverkehrs. Auch soziale und kulturelle Angebote spielten als weiche Standortfaktoren eine wichtige Rolle. „Schnelles Internet ist Thema Nummer eins bei Anfragen von Unternehmen, sei es ein Architekturbüro oder ein Handwerker“, stellt sie fest. Bis 2018 soll die flächendeckende Versorgung der Region realisiert werden.

„Wie jeder andere Wirtschaftsstandort auch, steht das Dorf im Wettbewerb“, sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Göttingen (WRG), Detlev Barth. Wenn es gelinge, für den öffentlichen Nahverkehr und die Breitbandversorgung intelligente Lösungen zu finden, sehe er die Zukunft der Dörfer optimistisch, schließlich könne das Dorf mit der Lebensqualität punkten. Es sei aber schwierig vorauszusagen, wie sich Dörfer zukünftig wirtschaftlich entwickelten. „Das hängt auch von der Konjunktur ab“, erklärt er. Für Unternehmen auf dem Land gebe es aber immerhin eine breite Förderkulisse.

Professor Ulrich Harteisen von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen sieht in der Frage noch erheblichen Forschungsbedarf, denn der Wirtschaftsstandort Dorf müsse neu bewertet werden. Das Oldenburger Münsterland sei ein gutes Beispiel dafür, dass Dörfer keinesfalls als Wirtschaftsstandort ausschieden. Die einstmals strukturschwache Region sei durch das „Agribusiness“ - Erzeugung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln - wirtschaftlich stark geworden.

Es gehe darum, neue Entwicklungsmöglichkeiten des Wirtschaftsstandorts Dorf zu entdecken und zu nutzen. Dazu biete etwa die Digitalisierung, die Arbeitsprozesse zunehmend von Raum und Zeit entkoppelt, Chancen. Weitere Potenziale sieht Harteisen für die Gesundheits- und Pflegebranche. Letztlich sei aber auch eine ambitionierte Förderung notwendig. „Ohne Entwicklungsimpulse von außen kann die innere Entwicklung aber nicht gelingen.“

Hightech in Elvershausen

Die Colorlite GmbH bietet ein gutes Beispiel dafür, wie Unternehmen vom Standort Dorf profitieren können. David Pryor gründete seine Firma 2003 in Elvershausen bei Katlenburg-Lindau im Landkreis Northeim und arbeitete zunächst allein von zu Hause aus. Zuvor hatte er sein Studium in Hannover abgeschlossen und erste beruflichen Erfahrungen in Göttingen gesammelt. Für die Gründung kehrte er in die Heimat zurück.

Schon nach einem Jahr mietete er Räume an, das Unternehmen wuchs kontinuierlich und bezog 2015 seinen neuen Sitz am Eingang des Dorfes. Das Hightech-Unternehmen baut Farbmessgeräte, die bei der Qualitätssicherung eingesetzt werden. Zu seinen Kunden gehören namhafte Firmen aus aller Welt. „Weil wir nicht auf Laufkundschaft angewiesen sind, ist das Dorf für uns besonders günstig“, sagt Geschäftsführerin Ursula Pryor. Es müsse nicht sein, dass so viele Firmen in die Städte abwandern. Das Grundstück sei günstig gewesen und die Steuern niedrig.

Uwe Ahrens, Bürgermeister von Katlenburg-Lindau, ist sich sicher, dass das Umfeld eine wichtige Rolle spielt, um den Ort für Unternehmen attraktiv zu machen. Dazu gehörten Gemeinschaftseinrichtungen, die Feuerwehr, Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie. Das menschliche Miteinander spiele eine wichtige Rolle. Im Gemeindegebiet gebe es ungefähr 100 Vereine bei 7200 Einwohnern. „Colorlite hat sich bewusst für Elvershausen entschieden“, sagt Ahrens, „dort gibt es den Charme des Landlebens“. Den Mittelstand in der Gemeinde hält er für „gesund“. mb

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