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Andrea Nahles besucht Sartorius

Mehr in Sprache investieren Andrea Nahles besucht Sartorius

Wie können Unternehmen Flüchtlinge als Arbeitnehmer gewinnen? Und welche Hürden bestehen dazu noch? Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat sich darüber bei Sartorius informiert. Besonderes Augenmerk lag auf dem Aspekt Spracherwerb, denn hier besteht momentan das größte Defizit.

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Andrea Nahles bei ihrem Besuch bei Sartorius, hier mit Thomas Oppermann, Dara Yassin (2.v.r.) und Joachim Kreuzburg (l.).

Quelle: Pförtner

Göttingen. Im Oktober 2015 begannen bei Sartorius 14 Migranten zunächst mit einem dreimonatigen Praktikum, begleitet von einem Sprachkurs. Teilweise hatte Sartorius die Teilnehmer eines Integrationskurses zur Bewerbung motiviert, teilweise gab es Initiativbewerbungen. Das Ziel sei dabei nicht gewesen, sie für geringqualifizierte Anlerntätigkeiten einzusetzen, so Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender von Sartorius, sondern „so hoch wie möglich“ – Forschung und Entwicklung, Marketing, Produktion.

Unterstützung

Unterstützung für Unternehmen auf der Suche nach den passenden Arbeitskräften aus Flüchtlingskreisen gibt es unter anderem vom Bildungszentrum für Flüchtlinge der Beschäftigungsförderung der Stadt Göttingen unter bif@goettingen.de oder 0551/400-3600.

13 der 14 wurden von Sartorius nach dem Praktikum auch übernommen – einige fest eingestellt, zwei beginnen eine berufliche Erstausbildung, andere machen zunächst noch eine interne Weiterbildung für die Produktion. Von der hohen Erfolgsquote sei man selbst überrascht gewesen, so Kreuzburg. Der bürokratische Aufwand sei im Rückblick hingegen überschaubar gewesen. Das Programm setzt man fort.

Von besonderem Interesse war für Nahles das Thema Spracherwerb und wie dieser sinnvoll gefördert und ausgestaltet werden könne. Joachim Grube von der IHK-Geschäftsstelle in Göttingen verwies auf die eigenen intensiven Erfahrungen mit dem Anwerben von Spaniern für eine Ausbildung in der Region: „Sprache als Einstieg vor der Ausbildung ist wichtig, die Sprachförderung muss aber noch viel länger weitergehen.“ Berufsbegleitende Sprachkurse seien wichtig – und das Sprachniveau B1, das für einen Ausbildungsbeginn Voraussetzung ist und von Unternehmen daher benötigt wird. 

Rechtliches Verfahren

Erst drei Monate nach der Ankunft haben Flüchtlinge einen eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Soll ein Flüchtling dann angestellt werden, muss die Ausländerbehörde eine Arbeitserlaubnis erteilen, für die wiederum eine Vorrangprüfung der Agentur für Arbeit nötig ist.

Nur, wenn es sich um einen Fachkräftemangelberuf handelt, kann diese erteilt werden. Mit dem neuen Integrationsgesetz soll sich hier aber das Verfahren vereinfachen. Im Bereich des Jobcenters Göttingen gab es bislang lediglich zwei Anträge auf Vorrangprüfung. Für Ausbildungsverhältnisse gilt die Prüfung jedoch nicht.

Nach 15 Monaten Aufenthalt erhalten Flüchtlinge dann einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt.

Das ist auch die Erfahrung von Christian Schmelcher von der Beschäftigungsförderung der Stadt Göttingen. Die bürokratischen Hürden gebe es nach wie vor, aber die Probleme hätten sich in Richtung Sprachkompetenz verlagert. „Selbst nach einem Jahr oder 15 Monaten reichen die Sprachkenntnisse häufig nicht aus.“ Das ist auch der Eindruck von Göttingens Landrat Bernhard Reuter. Und: „ Die größte Hürde war und ist derzeit noch die Vorrangprüfung. Sie wird mit Einführung des Integrationsgesetzes jedoch entfallen, zumindest für einige Berufe. Damit wird es grundsätzlich leichter, Flüchtlingen eine Beschäftigung anzubieten.“

Da der Spracherwerb derzeit ein Nadelöhr ist, weil es auch zu wenig Lehrkräfte gibt, hofft Nahles, dass man beispielsweise pensionierte Lehrer für diese Aufgabe gewinnen kann. 

Auf der anderen Seite haben Aufrufe der IHK und Handwerkskammer bereits eine sichtbare Resonanz hervorgerufen. In Südniedersachsen, so Grube, meldeten Unternehmen rund 300 Ausbildungs- und Praktikumsplätze für Flüchtlinge an, bei den Handwerkskammern meldeten sich niedersachsenweit über 860 Betriebe. Über das Projekt Ihafa will die Handwerkskammer Flüchtlinge an Betriebe heranführen.

Auch das passgenaue Zusammenbringen von Flüchtlingen und Betrieben sowie die weitere Unterstützung laufe gut, so die Erfahrung von Georg Rosentreter, Geschäftsführer des Burghotel Hardenberg. „Man braucht eine Stelle, die das Matching übernimmt und sich um die Sprache kümmert.“ Mit der Beschäftigungsförderung habe man ausgesprochen gut Erfahrung gemacht.

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