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Darf das regionale Bier doch schmecken?

Bierbrauer berichten Darf das regionale Bier doch schmecken?

Der Fund von Rückständen des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in deutschen Bieren hat in der vergangenen Woche die Gemüter erregt. Während Experten über die Folgen unsicher sind, ärgern sich regionale Brauereien über die Verbraucherbeunruhigung.

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Quelle: dpa

Göttingen. Dass dem Umweltinstitut München zufolge die Glyphosatmenge in Bier den Grenzwert für Trinkwasser um das bis zu 300-fache überschreitet, beeindruckt Martin Ebbeke vom Giftinformationszentrum der Göttinger Universitätsmedizin wenig: Es sei zwar nicht normal, dass in Bieren solche Substanzen sind. Ob Glyphosat krebserregend ist, sei aber umstritten. Weil außerdem Alkohol selbst krebserregend sei, gelte ohnehin grundsätzlich, dass größere Mengen Bier nicht gut seien.

Nicht gerade angenehm

Die Aufregung um den Glyphosatbefund findet jedenfalls Braumeister Bernd Ehbrecht von der Brauerei Neunspringe in Worbis „nicht gerade angenehm für die Branche“. Und Lothar Gauß, Vorstandssprecher der Einbecker Brauerei, ist sich sicher, dass sich die negative Berichterstattung auf das Geschäft auswirke. Bei seiner Brauerei hätten sich vergangene Woche besorgte Kunden „auf allen Kanälen“ gemeldet, erzählt er weiter.

Die Einbecker Brauerei ist mit rund 665000 Litern monatlicher Produktionsmenge die größte Brauerei der Region. Was die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln anbelangt, gelten aber für alle Brauer „sehr harte Vorschriften mit einer Vielzahl von Grenzwerten“, sagt Gauß. Wie bei der Brauerei Neunspringe stamme vor allem die, neben Wasser wichtigste, Zutat Gerste aus zertifiziertem Anbau überwiegend in Niedersachsen und Thüringen. Den überwachen Verbände wie der Deutsche Brauer-Bund in einem permanenten Monitoring-Prozess, daneben gebe es entsprechende EU-Vorschriften.

Gerste aus Bio-Anbau

Tristan Holtemeyer, Braumeister bei Bergbräu in Uslar, gibt sich noch entspannter: Die Hälfte der verwendeten Gerste stamme aus eigenem Anbau, berichtet er. Der verzichte weitgehend auf Dünger und Pflanzenschutzmittel, weil sie den beim Brauen unerwünschten Eiweißanteil der Gerste steigern. Aber auch, wenn der Rest der Gerste von traditionsorientierten Betrieben stamme, will er Glyphosat im Bier wegen möglicher Rückstände in der Umwelt nicht völlig ausschließen.

„Gar keine Sorgen" macht sich Braumeister Rainer Schinkel: Seine Brauerei in Witzenhausen stellt Bier ausschließlich mit Zutaten aus zertifiziertem Bio-Anbau her – also ohne jegliche Pflanzenschutzmittel. Allerdings ist Schinkels Produktionsmenge mit 8000 Litern deutlich geringer als beispielsweise bei Einbecker.

Von Christoph Höland

Nachgefragt bei Prof. Ludwig Theuvsen, Agrarökonom an der Universität Göttingen

Interview: Christoph Höland

Hat es Sie als Agrarökonomen überrascht, als vergangene Woche so eine Aufregung um das Thema Glyphosat im Bier losgebrochen ist?

Es hatte mich nicht sonderlich überrascht, weil Glyphosat schon seit längerem Gegenstand der öffentlichen Diskussion ist und von Aktivisten im Umweltbereich relativ kritisch betrachtet wird. Da im Moment die Entscheidung über die weitere Zulassung des Wirkstoffs in der EU ansteht, war zu erwarten, dass es PR-technisch gut vorbereitete Aktionen geben würde, um Einfluss auf die Entscheidung in Politik und Zulassungsbehörden zu nehmen. Was mich überrascht hat, war das dabei gewählte Produkt. Aber es war, wie man ja an der breiten Berichterstattung sehen konnte, geschickt gewählt.

Wie sicher kann man denn ausschließen, dass diese Rückstände eine Gefahr für die Verbraucher darstellen?

Wenn man Pflanzenschutzmittel anwendet, wird man bei entsprechend genauem Suchen auch Rückstände der Pflanzenschutzmittel in den Produkten finden. Dazu gibt es Grenzwerte, die von den Zulassungsbehörden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft festgesetzt sind. Entscheidend ist, dass die Rückstände unterhalb der Grenzwerte liegen.

Ludwig Theuvsen, Agrarökonom an der Universität Göttingen.

Quelle:

Das Umweltinstitut München fordert nun, beim Anbau von Malz und Hopfen ganz auf Glyphosat zu verzichten – wie realistisch ist das?

Der ökologische Landbau zeigt, dass man alles ohne Glyphosat anbauen kann, denn er setzt es gar nicht ein. Er zeigt allerdings auch, dass man dann andere Preise am Markt bräuchte, nämlich Bio-Preise. Solange nicht Hundert Prozent der Lebensmittel Bio sind, werden wir weiterhin Pflanzenschutzmittel einsetzen. Auch, um die Erträge abzusichern, denn die konventionelle Landwirtschaft erzielt deutlich höhere Erträge pro Hektar als der ökologische Landbau.

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