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„Inklusion ist anstrengend“

Der Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen „Inklusion ist anstrengend“

Während 2016 die Zahl der Arbeitlosen im Agenturbezirk Göttingen - dazu zählen Landkreis Göttingen und Northeim - gegenüber 2015 um 3,4 Prozent gesunken ist, hat die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung nach Angaben der Agentur für Arbeit nur um 0,6 Prozent abgenommen.

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Entgegen aller Klischees: In Behindertenwerkstätten wie den Göttinger Werkstätten werden nicht nur Kulis zusammengeschraubt, sondern auch verantwortungsvolle Aufgaben übernommen.Foto: graf

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Göttingen. „Nach wie vor gestaltet sich die Arbeitssuche für viele Menschen mit Handicap trotz der vergleichsweise guten Arbeitslage schwierig“, sagt Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen. Doch woran liegt das?

„Die Berührungsängste bei Inklusion sind noch groß, es herrscht oft Unkenntnis“, sagt Holger Gerken, Geschäftsführer der Göttinger Werkstätten. Arbeitgeber hätten oft Angst, dass die Menschen mit Behinderung schwer kündbar seien, habe man sie einmal angestellt. Dem sei nicht so: „Man muss das Integrationsamt nur bei der Kündigung mit einbeziehen“, erklärt er. Ebenso seien auch Fördermöglichkeiten bei der Einstellung nur begrenzt bekannt.

Es würden auch gesetzliche Verpflichtungen, wie die 5-Prozent-Quote (siehe Infokasten), oft nicht eingehalten, meint Kirsten Weber, Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes (AGV) Mitte in Göttingen. „Inklusion ist kein Thema“, sagt sie.

5,13 Prozent Schwerbehinderte bei Sartorius angestellt

Zwar halten sich größere Unternehmen in Göttingen oder Duderstadt an die 5-Prozent-Regel: Bei Sartorius seien zurzeit 119 von etwa 2300 Mitarbeitern schwerbehindert, wie Pressesprecherin Petra Kirchhoff erklärt. Das entspreche einer Quote von 5,13 Prozent. Bei Otto Bock HealthCare Deutschland arbeiten in Duderstadt 12 schwerbehinderte Menschen, eine Quote von 5,45 Prozent wie Pressesprecher Rüdiger Herzog mitteilt. „Unsere Arbeit ist auf Menschen mit Behinderung ausgerichtet“, sagt er. Schließlich stellt die Firma unter anderem Prothesen her. „Inklusion ist eigentlich ein Begriff für etwas, was man sich als normal wünscht“, erklärt er weiter.

Dass dieser Wunschzustand allerdings keine Realität ist, bestätigt unter anderem Dietmar Thiele, Geschäftsführer sowohl von my.worX als auch vom Institut für angewandte Sozialfragen (ifas) in Göttingen. Während es das Ziel von ifas sei, Menschen mit seelischer Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt - also in Arbeitsplätzen in der freien Wirtschaft, nicht in Behindertenwerkstätten, welche den zweiten Arbeitsmarkt darstellen - zu integrieren, sei my.worX eine Werkstatt für Menschen mit seelischer Behinderung.

„Wenn man Arbeit hat, ist man auch im sozialen Leben integriert“, so Thieles These. Beschützendes Separieren helfe nichts, wenn die Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt wollten. Da müssten nach einer Akutversorgung und Reha-Maßnahmen so schnell wie möglich Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt begonnen werden. Doch das ist nicht immer einfach: „Inklusion ist anstrengend, weil keiner freiwillig nachfragt“, kritisiert er den Zustand. „Menschen mit Behinderung haben keine Lobby. Es ist wichtig, dass sie gesehen werden“, nennt er einen Ansatz, um Inklusion voranzutreiben, Firmen und Bürger mit dem Thema zu konfrontieren.

Es sei aber auch sehr wichtig, dass die Behinderung oder Krankheit dem Arbeitgeber transparent gemacht werde, damit dieser nicht überrascht werde. Auch durch die Zukunftsmesse für Menschen mit Behinderung am 23. September in den Göttinger Werkstätten sollten Menschen mit Behinderung mit Firmen in Kontakt kommen, erklärt Geschäftsführer Gerken. Ein kleiner Schritt, um Berührungsängste und Vorurteile abzubauen und Inklusion gesellschaftskompatibler zu machen.

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