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Die Folgen der Russland-Sanktionen in Süd-Niedersachsen

Sanktionen zwischen Russland und der EU Die Folgen der Russland-Sanktionen in Süd-Niedersachsen

In Südniedersachsen machen sich die Sanktionen zwischen Russland und der EU kaum bemerkbar – mit einer Ausnahme: beim Göttinger Messtechnikhersteller Mahr. Andere Regionen Niedersachsens sind stärker betroffen.

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Quelle: Tirl/dpa (Symbolfoto)

Göttingen. „Wir haben seit Beginn der Ukraine-Krise viele Anfragen von Unternehmen erhalten, wie sie mit den Sanktionen umgehen sollen“, sagt Tillmann Brunner, Leiter der Abteilung International bei der IHK Hannover. „Wir schätzen, dass es dieses Jahr noch einen weiteren massiven Rückgang des Außenhandels geben wird. Die bisherigen Vergleiche mit den Jahresvormonaten sind jedoch noch zu relativieren, weil die Sanktionen erst Mitte 2014 in Kraft getreten sind. Dass sie aber einige Unternehmen sehr hart treffen, ist keine Frage.“ Gemeint sind insbesondere die großen Landmaschinenhersteller, Automobilzulieferer und der Verkauf von Erdölförderungstechnologien sowie ganz allgemein die Ernährungswirtschaft. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau schlug jüngst Alarm, weil der Absatz seiner Mitgliedsunternehmen um 28 Prozent eingebrochen sei.

„Im Vergleich zum letzten Jahr haben auch wir im ersten Halbjahr 2015 einen deutlichen Einbruch im Russlandgeschäft beobachtet“, sagt Jochen Seidler, Leiter Marketing bei der Mahr GmbH. Zielindustrien und größer Absatzmarkt sind die überwiegend staatlichen Unternehmen im Automobil- und Luftfahrtbereich. „Gerade bei den staatlichen Betrieben wird es schwieriger, weil die russische Politik vorgibt, dass vorrangig in Russland produzierte Güter verwendet werden“, erklärt Seidler. „Gibt es dort keine vergleichbaren Produkte, sind die Betriebe angehalten, asiatische Waren zu kaufen, danach amerikanische und erst dann die europäischen.“ Um den Absatzeinbruch aufzufangen, will Mahr nun vermehrt in der Privatindustrie neue Kunden gewinnen. „Es ist für uns weiterhin ein wichtiger Markt, wir werden uns nicht zurückziehen. Aber es wird schwieriger.“

Russland und die Ukraine stellen auch für die Einbecker KWS Saat AG wichtige Wachstumsmärkte dar. „Wir waren skeptisch, was durch die Sanktionen auf uns zukommen würde“, sagt Wolf-Gebhard von der Wense, Leiter Investor Relations bei KWS. „Aber wir spüren keine Auswirkungen und sind zufrieden mit dem Geschäftsverlauf.“ Obwohl in der Ernährungswirtschaft tätig, unterhält KWS lokale Produktionsstätten in beiden Ländern, weshalb sich die Sanktionen vermutlich kaum auswirken.

Auch seitens der Hochschulen gibt es Entwarnung. Weder an der Technischen Universität Clausthal noch an der Universität Göttingen waren bislang Auswirkungen der Sanktionspolitik zu verzeichnen, bestehende Kooperationen laufen weiter oder wurden verlängert. „Ich habe insgesamt den Eindruck, dass der Bereich Wissenschaft anders als der Bereich Wirtschaft weniger betroffen ist“,meint Christian Ernst, Sprecher der TU Clausthal.

Das scheint die gute Nachricht zu sein – dass die über lange Jahre im Gefolge des Kalten Kriegs aufgebauten Beziehungen zu Russland weiterhin mit Leben gefüllt werden. Darum bemüht sich auch die Deutsche Management Akademie in Celle, die Fach- und Führungskräfte für internationale Märkte qualifiziert und traditionell enge Beziehungen zu Russland hat. „Auf der wirtschaftlichen Arbeitsebene funktioniert der Kontakt wie bisher“, betont Harald Becker, Direktor Internationale Beziehungen bei der DMAN. „Wir wollen, in Abstimmung mit der Regierung und den Arbeitgeberverbänden, die Fäden nicht abreißen lassen, um für den Tag gerüstet zu sein, wenn sich das politische Klima wieder normalisiert.“ Die Normalität hinter den politischen Kulissen streicht auch Jochen Seidler heraus: „Das Klima zu den russischen Händlern ist weiterhin gut und wird sind nach wie vor gefragte Wirtschaftspartner.“

Bis allerdings wieder die alte Handelsoffenheit eintritt und die Sanktionen verschwinden, kann es noch etwas dauern – davon geht Tillmann Brunner aus. „Die außenpolitischen Lage ist unverändert und meistens bleiben Sanktionen auch länger bestehen. Insofern sollten sich die Unternehmen darauf einstellen, dass es keine schnelle Lösung gibt.“

Von Sven Grünewald

Hintergrund: Handelsbeziehung mit Russland

2013 stand Russland auf Rang 11 der deutschen Exporte mit einem Gesamtvolumen von etwas über 36 Mrd. Euro, bei den deutschen Importen rangierte Russland auf Rang 8 mit 40,4 Mrd. Euro. Die niedersächsischen Importe aus Russland beliefen sich im selben Jahr auf 1,27 Mrd. Euro, die Exporte hingegen auf 2,7 Mrd. Euro. Bis einschließlich 2012 verzeichnete die gegenseitige Handelsbilanz zwischen Niedersachsen und Russland einen positiven Trend mit deutlichen Wachstumsraten – 2012 hatten im Vergleich zum Vorjahr die Importe um 10 Prozent zugenommen, die Exporte um fast 15 Prozent zugenommen.

Danach allerdings und damit bereits vor den Sanktionen schwächte sich diese Handelsdynamik wieder ab. 2013 sanken die Exporte nach Russland um über 18 Prozent (Importe: -33,3 Prozent), 2014 um 26 Prozent (Importe: -30 Prozent) verglichen mit dem Vorjahr. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium kann keine Aussage dazu treffen, ob der Rückgang auf die Sanktionen zurückzuführen ist oder die Ursache in der konjunkturellen Schwäche der russischen Wirtschaft liegt.

In Folge der außenpolitischen Auseinandersetzungen um die Ukraine beschloss die Europäische Union (EU) Ende Juli 2014 erste Sanktionen gegenüber Russland. Diese umfassen ein Waffenembargo, Handelsbeschränkungen für Dual-Use-Güter (sowohl zivil als auch militärisch nutzbar) sowie Reisebeschränkungen und Vermögenssperren. Russland reagierte darauf mit eigenen Sanktionen, wie etwa Reisebeschränkungen und einem Importverbot für Nahrungsmittel aus der EU.

 
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