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Die letzten spanischen Auszubildenden

Göttingen Die letzten spanischen Auszubildenden

Zum vorerst letzten Mal werden im Sommer junge Spanier für eine Ausbildung nach Südniedersachsen kommen. Für sechs von ihnen werden noch Ausbildungsplätze gesucht – da mehrere Betriebe kurzfristig einen Rückzieher gemacht haben. Der Deutsch-Kurs in Sevilla zeigt derweil gute Fortschritte.

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Für sechs von den Teilnehmern werden noch Ausbildungsplätze gesucht.

Quelle: sg

Sevilla/Göttingen. „Moin, Moin“, das kennen sie schon von Birte, der Hamburger Sprachlehrerin, die in der Sprachschule „Escuela de Idiomas Carlos V“ in Sevilla eine der drei Intensivkurs-Gruppen unterrichtet. Ihr verdanken sie auch den Zungenbrecher „Eichhörnchen“, der bislang alles andere als flüssig über die Lippen kommt. Dennoch: Zur Halbzeit von fünf Monaten Vollzeit-Intensivkurs Deutsch sind die Erfolge sichtbar, in Einzelgesprächen zeigen die Teilnehmer am Adelante-Programm, dass sie schon sehr einfache Gesprächssituationen meistern können – viel Geduld beim Zuhörer vorausgesetzt.

Mitte Juni ist es dann so weit, dann kommen 25 junge Spanier nach Göttingen und zehn nach Osterode – zuerst für ein Praktikum, später dann, wenn es zwischen Betrieb und Praktikant passt, beginnen sie eine Ausbildung. In Spanien, wo die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Februar 2016 immer noch bei über 45 Prozent lag, hat sich das Projekt inzwischen herumgesprochen. Entsprechend hoch motiviert sind die Teilnehmer.

Emilia etwa stammt aus Puerto Rico und ist extra für das Programm nach Sevilla gekommen, da sie auch die spanische Staatsangehörigkeit hat. Ebenso Cintia und ihr Freund Manuel: Sie sind aus Ceuta angereist, der spanischen Exklave auf marokkanischem Boden. Die meisten kommen jedoch aus Sevilla und Umgebung.

Dass dieses Jahr alles ausgesprochen rund läuft, liegt auch an der Sprachschule. Geschäftsführerin Yolanda Romero hat schon vor sieben Jahren Deutschunterricht für Berufsmigranten angeboten, sie ist auch seit Beginn des Programms MobiPro-EU im Jahr 2013 dabei. Mit dem Programm will die Bundesregierung die innereuropäische Arbeitsmigration nach Deutschland fördern, darüber wird auch Adelante finanziert. Allerdings hat das Kabinett beschlossen, das Programm auslaufen zulassen. Nach der Auszubildendengruppe 2016 ist Schluss.

Im Herbst 2015 hatte die IHK Hannover wieder bei ihren Betrieben gefragt, wer Interesse an der Aufnahme eines spanischen Azubis hat. Diese in den Betrieb zu integrieren, ist zwar nicht einfach, aber wie die Erfahrung zeigt: Es geht und vor allem bereichert es das Betriebslima – vom allgemeinen Fachkräftemangel ganz zu schweigen. Genau auf diese Bedarfe hin wurden Anfang 2016 in Sevilla mit den Bewerbern Auswahlgespräche geführt. Doch anders als in den Jahren zuvor machten in der Göttinger Gruppe acht Unternehmen einen Rückzieher, teils auch noch vor wenigen Tagen. Das heißt Unsicherheit für die Projektteilnehmer und hektisches Telefonieren für Maria Casan, die an der Volkshochschule Göttingen Osterode das Projekt koordiniert und nun versucht, Ersatzbetriebe zu finden.

Ein Ende mit Beigeschmack

Vier Jahre „Spanier-Import“ und das war’s. Ja, Flüchtlinge in großer Zahl sind hier, darunter viele Jugendliche und potenziell Ausbildungswillige und -fähige. Da ist es verständlich, dass der Bund seine Prioritäten verändert, um die wirtschaftliche Integration derjenigen zu unterstützen, die schon hier sind.

Doch um „MobiPro-EU“ ist es trotzdem schade. Der kulturelle Austausch von jungen Menschen ist ein wichtiger Bestandteil des europäischen Gedankens. Angesichts der Spannungen innerhalb der EU erscheint es mehr denn je wichtig, Brücken zwischen den Ländern zu bauen.

Es gibt auch wahrlich genug Geld, sei es im reichen Deutschland, sei es am europäischen Kapitalmarkt, um sowohl Flüchtlingsintegration als auch Arbeitsmigration zu finanzieren – zumal es ja nicht so ist, dass der Nachwuchsbedarf in der Wirtschaft durch Flüchtlinge gedeckt wäre.

Schade ist es auch um die angesammelten Erfahrungen, wie Arbeitsmigration erfolgreich gelingen kann – das „Adelante-Progamm“ hat sich selbst jedes Jahr weiterentwickelt. Es lassen sich wieder einmal die Tücken der Projektfinanzierung beobachten: Für ein paar Jahre gibt es Geld, es entstehen nützliche Strukturen und Erfahrungen und mit Projektende geht beides wieder verloren.

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