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Dietmar Thiele vom Ifas Göttingen über psychologischen Druck

Gesprächsreihe Dietmar Thiele vom Ifas Göttingen über psychologischen Druck

Die Arbeitswelt wandelt sich an vielen Stellen. Mitarbeiter, Vorgesetzte, Geschäftsmodelle oder die Unternehmensphilosophie müssen sich anpassen. Mit einer Gesprächsreihe wollen wir die zahlreichen Facetten dieser Entwicklung begleiten. Interview mit Dietmar Thiele, Geschäftsführer des gemeinnützigen Instituts für angewandte Sozialfragen (Ifas).

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Dietmar Thiele, Geschäftsführer des gemeinnützigen Instituts für angewandte Sozialfragen (Ifas).

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Es ist zu beobachten, dass psychische Erkrankungen im Beruf zunehmen. Wie ist Ihr Eindruck? Gab es Veränderungen in der Arbeitswelt, die psychische Erkrankungen begünstigen?
Früher ging es eher um körperliche Belastungen heute geht es eher um Veränderungen durch Zeit-, Termin-, Kosten-, Leistungs- und hohen Wettbewerbsdruck. Globalisierung, Arbeits- und Anforderungsverdichtung, Informationsmangel oder Informationsflut, unplanbare Arbeitszeiten, ständige Arbeitsunterbrechungen, Weiterentwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologie und vor allem als größter Stressor die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust sind als Herausforderungen hinzugekommen.
Sind harte Arbeitsbedingungen wirklich Hauptgrund für Depressionen, wie oft zu lesen ist?
Ein Zusammenhang besteht tatsächlich eher selten und trifft auf rund 20 bis 30 Prozent der Fälle zu. Zudem wurde die Modediagnose Burn-out wurde von einigen Ärzten und Psychotherapeuten als neuer Name für eine Depression interpretiert, das begünstigt leider eher die Verharmlosung einer echten Depression.
Die individuelle Leistung wird durch Quartalsgespräche und Methoden der Quantifizierung nicht nur in größeren Unternehmen gerne sichtbar gemacht. Ist das ein Problem?
Das kann zum Problem werden, zum Beispiel durch erhöhten Leistungsdruck bei qualifizierten Jobs: Wer erfolgreich sein will, muss immer weiter aufsteigen, nach dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“. Dazu kommen immer öfter Ratingsysteme, Fortbildungskaskaden oder Zielvereinbarungsgespräche. Es kommt aber darauf an, welche psychischen Ressourcen individuell vorhanden sind, für andere können die oben genannten Problempunkte auch Lösungen sein. Es hängt also vom Rahmen ab, in dem sie Anwendung finden.
Das Institut für angewandte Sozialfragen kümmert sich auch um die Rehabilitation von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Welche Probleme haben diese Menschen am ersten Arbeitsmarkt?
Psychische Erkrankungen sind sehr vielfältig, somit sind auch die entsprechenden Problemlagen sehr unterschiedlich. Auffällig ist, dass es vielen nach einer psychiatrischen Behandlung schwerfällt, wieder in den Berufsalltag zurückzukehren. Es entsteht leider oft eine Problemkette, die sich gegenseitig bedingt, denn ein wichtiger Stabilitätsfaktor für psychisch kranke Menschen ist die Arbeit an sich, sie gibt Struktur für den Tag und vor allem das nötige Selbstwertgefühl. Dieses gilt es in der Rehabilitationsphase wieder durch spezielle Angebote aufzubauen.
Wie genau arbeitet das ifas denn genau an der Integration dieser Menschen?
Mit einem individuell abgestimmten Therapiekonzept, das einen nahtlosen Übergang zwischen einzelnen Angeboten gewährleistet. Zudem ist darauf zu achten, dass die Rehabilitanden nach ihren Möglichkeiten schnell wieder mit dem ersten Arbeitsmarkt konfrontiert werden. Hier helfen die guten Beziehungen zu den Betrieben in der Region, da wir wissen, wie deren Praktikumsplätze gestaltet sind. Die Arbeit muss den Möglichkeiten der Betroffenen angepasst sein, nur so kann überhaupt ein erfolgreicher Wiedereinstieg gewährleistet werden.
Was muss sich ändern, damit der Arbeitsmarkt sozialer wird?
Grundsätzlich sollte es mehr Vielfalt und Flexibilität für die Arbeitnehmer geben, wie zum Beispiel  home office, bessere Aufklärung über psychische Erkrankungen mit entsprechenden Angeboten bei einer Erkrankung, besseres Konfliktmanagement in Betrieben und eine offenere Kommunikation. Ebenfalls wichtig sind mir die Sensibilisierung der Arbeitgeber für die Wertschätzung und Anerkennung der Mitarbeiter sowie die Förderung der vermeintlich „Schwachen“.

Das Interview führte Jonas Rohde

Zur Person

Dietmar Thiele ist Geschäftsführer des gemeinnützigen Instituts für angewandte Sozialfragen (Ifas), das Menschen durch individuelle Förderung auf ihrem Gesundheits- und Bildungsprozess begleitet.

Außerdem leitet er die Myworx gGmbH, die psychisch kranke Menschen beruflich und sozial integriert.

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